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SENDETERMIN Do, 24.5.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Heilende Pflanzen Kräuterwissen 2.0

Kräuterrezepte, die zum Teil noch aus dem Mittelalter stammen, werden klinisch getestet und erweisen sich als ebenso wirksam.

Pharmazeuten heben den Schatz

Wenn es um Pflanzenheilkunde, die sogenannte Phytotherapie geht, denken heute viele an Kräutertees, Hustenbonbons oder vielleicht auch an die indische Ayurveda oder Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Dabei wird oft vergessen, dass es hier in Europa auch ein jahrtausendealtes Wissen um die Wirkung von Pflanzen gibt, das vor allem in den Klöstern aufgeschrieben, angewendet und bewahrt wurde.

Arzneiforscher und Mediziner heben diesen Schatz mit den Methoden der modernen Wissenschaften.

Hoffnung gegen multiresistente Erreger

Das Forschungsfeld ist klein, dennoch gibt es in neueren Studien immer wieder erstaunliche Erfolge auf Grundlage uralter Rezepte. Wissenschaftler in Nottingham rührten beispielsweise ein über 1.000 Jahre altes Rezept, eine Salbe aus Lauch, Knoblauch und Ochsengalle an. Sie testeten es erfolgreich gegen die gefürchteten multiresistenten Keime, gegen die auch Reserve-Antibiotika zum Teil machtlos sind. Ein anderes Beispiel ist das „Sinupret Extract“, das aus fünf Kräutern besteht, ein altes Rezept, das auf Leonhart Fuchs, eine Apotheker aus dem 16. Jahrhundert zurückgeht. Seit 2012 ist es gegen Schnupfen (Sinusitis) zugelassen. Oder das Medikament Angocin, das aus Senfölen hergestellt wird. Seine antibakteriellen Eigenschaften in den Atemwegen wurden schon vor einiger Zeit nachgewiesen. Im Augenblick aber wird ein Medikament aus Senfölen zur Bekämpfung multiresistenter Erreger in den Harnwegen getestet.

Alte Texte wiederentdeckt

Für einige Pharmazeuten und Mediziner sind die alten Texte wie das Lorscher Arzneibuch, die Schriften Hildegard von Bingens oder der „Macer floridus“ eine willkommene Inspirationsquelle. Viele der alten Texte, die für uns kaum lesbar oder verständlich sind, sind heute durch die Arbeit der Forschungsstelle Klostermedizin am medizinhistorischen Institut der Uni Würzburg wieder zugänglich gemacht worden. Mit dem pharmazeutischen Wissen unserer Zeit und modernen Analysemethoden ergeben sich für die Forscher neue Chancen, was gerade die Entwicklungen von Pflanzen-Medikamenten als Antibiotika-Alternative zeigen. Dabei ist die Entwicklung bis zum zugelassenen Medikament mit klinischen Studien zur belegten Wirksamkeit eine Investition von vielen Millionen Euro. Einige Hersteller von Phytomedikamenten sind mit Präparaten wie Prospan, Echinacin, Sinupret oder Angocin und vielen mehr erfolgreich diesen Weg gegangen.

Gleichbleibende Qualität

Der Unterschied moderner Pflanzenmedikamente zu den alten Rezepten ist vor allem die Qualität. Die Hersteller wählen heute Sorten mit hoher Wirkstoffkonzentration, kultivieren diese in kontrolliertem Anbau und messen die Inhaltsstoffe schon auf dem Feld um den perfekten Erntezeitpunkt zu treffen. Aus den Kräutern stellen sie einen Extrakt her, der immer die gleiche und zudem eine viel höhere Wirkstoffkonzentration enthält, als es eine Handvoll gemörserter oder getrockneter Kräuter haben können.

aus der Sendung vom

Do, 24.5.2018 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.