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SENDETERMIN Do, 26.6.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Deutsche Windräder für die Welt Global denken, lokal bauen

Grüne Energietechnologie sei viel zu teuer, um international Akzeptanz zu finden, sagen Kritiker und fordern Grundlagenforschung. Ein deutscher Windradbauer macht vor, dass es auch anders geht. Seine Anlagen für windarme Regionen sind weltweit gefragt.

Die bisherige Klimapolitik sei wirkungslos, sagt der dänische Statistiker Bjørn Lomborg. Er tritt seit Jahren mit Büchern hervor, die die Klimapolitik der Vereinten Nationen und gerade die deutsche Ausrichtung auf den Klimaschutz durch den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien kritisiert. Milliarden US-Dollar würden verschwendet, urteilt Lomborg. Der Einsatz erneuerbarer Energiesysteme oder der CO2-Zertifikatehandel hätten die Klimaerwärmung bislang nicht bremsen können. "Erst einmal müssen wir verstehen, dass die bisherige Klimapolitik einfach nicht funktioniert", sagt Lomborg. "Wir treffen uns in Kyoto und an allen möglichen Orten in der Welt und versprechen, unsere CO2-Emissionen zu reduzieren. Aber was wir wirklich tun: Wir schaffen teure grüne Technologien an, um uns wohl zu fühlen. Und dann importieren wir alle möglichen Sachen aus China, die dort mithilfe von billigem Strom aus fossilen Energien produziert wurden."

Für Lomborg sind grüne Energietechnologien einfach noch zu teuer, um Verschmutzer wie China auf die Klimaschützerseite zu ziehen. Er fordert: "Wir sollten uns auf den technologischen Fortschritt konzentrieren." Wenn Solarpanels oder Windturbinen billiger wären als fossile Energien, müssten diese Technologien nicht mehr subventioniert werden und auch Chinesen und Inder würden sie kaufen.

Windräder für den Klimaschutz

Weltweit gäbe es tatsächlich erst einen durchschlagenden Effekt, wenn große CO2-Verschmutzer wie China von Kohle auf Wind umstiegen. Danach sieht es aber nicht aus - China hat gewaltige Mengen Kohle und ist dazu noch der weltgrößte Importeur von Steinkohle.

Im Norden Deutschlands stellt sich die Situation allerdings anders dar. Allein in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt es heute 8.500 Windräder, viele davon auf dem neusten technologischen Stand. In den windstarken Gebieten nahe den Küsten von Ostsee und Nordsee haben sie eine hohe Auslastung und sind für ihre Besitzer eine Goldgrube.

Portrait von Prof. Olav Hohmeyer

Umweltökonom Prof. Olav Hohmeyer

Prof. Olav Hohmeyer ist Experte für Energie- und Umweltmanagement an der Universität Flensburg und unter anderen an Studien zum Einsatz erneuerbarer Energien beim Klimaschutz beteiligt. Für ihn ist klar: Grundlagenforschung allein, wie von Bjørn Lomborg gefordert, führt nicht zum Ziel. Um beim Klimaschutz voranzukommen, müssten auch in windarmen Gebieten, wie im Südwesten Deutschlands, kostengünstige Windtechnologien genutzt werden. Die seien inzwischen vorhanden und fast konkurrenzfähig. Außerdem "haben wir nicht mehr die Zeit, weitere zehn Jahre fröhlich auf Kohle, Erdöl und auf Erdgas zu setzen", urteilt Hohmeyer.

Anlagen für den windarmen Südwesten Deutschlands

Das ist auch der Antrieb für Nordex, einen Hersteller von Riesenturbinen. Nur Forschungsgelder und die Hoffnung auf den großen technologischen Sprung würden nicht helfen, die Technologie billiger zu machen. Bloß ein realer Einsatz in großtechnischer Produktion schaffe die Kostendegression, heißt es hier.

Zwei Jahre hat allein die Entwicklung der Rotorblätter für die Riesenturbinen gedauert. 58 Meter sind sie lang, Karbonwerkstoffe haben die Rotoren stabiler und leichter gemacht. Erst die technologische Entwicklung hat die Anlagen auch für windarme Gebiete wie den deutschen Südwesten fit gemacht. Riesenwindräder würden nur dann gekauft und installiert, wenn sie auch in windärmeren Gegenden arbeiteten, sagt der Hersteller.

Deutsche Windkraftturbinen für Brasilien

Es scheint aber noch ein weiter Weg, um Länder wie China oder die USA von dieser Art Klimaschutz zu überzeugen. Die Lösung ist eine globale, sagt Prof. Hohmeyer. Die Frage ist nur, wie stark sind die Akteure in den jeweiligen Ländern, die ganz andere Interessen verfolgen. Chinas Industrie ist noch auf Kohle angewiesen; die USA sind weiter im Griff der Öl- und Gaslobby. Doch Länder wie Kanada, Brasilien, Japan und die Türkei importieren zunehmend technologisch weiterentwickelte deutsche Windkraftturbinen und leisten damit einen steigenden Beitrag zum Klimaschutz.