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SENDETERMIN Do, 17.5.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Zeitreise Geschichte des modernen ÖPNV

1895 fuhr der erste Omnibus. Fast genauso alt ist das Phänomen des Berufspendlers. Die Geschichte des ÖPNV ist eng mit der Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands verknüpft.

Im Jahr 1835 beginnt in Deutschland eine neue Ära des Personentransports mit der Fahrt der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth. Diese Technik entwickelt sich atemberaubend schnell. Nur 15 Jahre später – im Jahr 1850 - umfasst das Schienennetz schon fast 5.700 Kilometer und ist damit das drittgrößte Eisenbahnnetz der damaligen Welt. In den Städten dominiert zu dieser Zeit noch der Pferdebus. Die organischen Abfälle dieser Antriebstechnik stellen ein erhebliches Problem dar. Doch die Tage dieser Transporttechnik sind gezählt. In der Landwirtschaft sind damals noch 80 Prozent der Arbeitskräfte gebunden. Doch auch das sollte sich bald ändern.

Dampfmaschine setzt Arbeitskräfte frei

Die Dampfmaschine hält Einzug und macht ganze Heerscharen von Landarbeitern überflüssig. Gleichzeitig boomt die Industrie und giert nach Arbeitskräften. Wie passend! Die Arbeiter ziehen vom Land in die Stadt. Dort etabliert sich Ende des 19. Jahrhunderts die elektrische Straßenbahn, um den wachsenden Bedarf an öffentlichem Personennahverkehr zu bewältigen. Die Erfindung des Automobils 1885 führt schon zehn Jahre später zum ersten deutschen Omnibus. Das Phänomen des Berufspendlers verbreitet sich.

Zwei Weltkriege

Zwei Weltkriege lähmen die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs. Bomben zerstören Schienen und Trassen. Die Infrastruktur für den Nahverkehr wird um Jahrzehnte zurückgeworfen. Der Wiederaufbau kommt zunächst nur schleppend voran. Trümmerfrauen leisten in Handarbeit Erstaunliches in dieser Zeit. Doch schon zehn Jahre später hält das Wirtschaftswunder Einzug.

Siegeszug des Automobils

Und mit ihm beginnt der Siegeszug des Automobils. Wer es sich leisten kann kauft sich nun einen eigenen Wagen und genießt die neue Freiheit ganz für sich zu sein. Der Reportertext gibt Einblick in eine längst vergangene Zeit. Der Reporter hält sein Mikrofon einem stolzen Autobesitzer unter die Nase und fragt: „Darf ich mal Fragen, wie viel er gekostet hat?“ „Eintausendfünfhundert Mark.“ „Bezahlen sie denn den ganzen Preis auf einmal oder machen Sie Raten?“ „Nein, ich hab´s auf zwei Raten abgezahlt.“

Niedergang des ÖPNVs

Der Erfolg des Automobils hat allerdings auch seine Schattenseiten. Zu voll sind oft die Straßen, andererseits fahren auf den Schienen häufig leere Geisterzüge durch das Land. Der ÖPNV gerät in eine Krise. Das reflektiert auch dieser Bericht aus der Mitte der 1970er Jahre. „1950 betrug der Anteil der Schiene am Personenverkehr 40 Prozent. Im Jahr 1975 aber nur noch 7 Prozent. Der Anteil des Individualverkehrs stieg dagegen im etwa gleichen Zeitraum auf fast 80 Prozent.“ Die Folge: Massive Streckenstillegungen im Schienen- und Busverkehr.

Die Renaissance

Doch dann der Ölschock: In den Tagesthemen begrüßt der Specher die Zuschauer mit folgenden Worten: „Guten Abend meine Damen und Herren. Das Fahrverbot für den motorischen Verkehr in der Bundesrepublik und in Westberlin tritt wie erwartet am kommenden Sonntag in Kraft.“ Gespenstische Bilder von Autobahnen und Innenstädten ohne fahrende Autos. Durch ein Embargo der arabischen Förderstaaten war der Ölpreis um 70 Prozent gestiegen. Die Freude am PKW bekommt einen erheblichen Dämpfer. Und dann auch noch das: Auf der Suche nach den Ursachen für das Waldsterben durch den sauren Regen werden Autoabgase als Hauptverantwortliche identifiziert. Der Individualverkehr: Ein Umweltproblem. Das und die wachsenden Blechlawinen führen dazu, dass der ÖPNV wieder Aufwind bekommt.

aus der Sendung vom

Do, 17.5.2018 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.