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SENDETERMIN Do, 17.12.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Neuroleptika Gefährliche Überdosierung

Studienergebnisse zeigen, dass Neuroleptika etwa zur Behandlung von Schizophrenie, das Gehirn schrumpfen lassen. Die Folgen für die Patienten sind fatal. Trotzdem werden die Mittel in der Praxis zu oft und zu hoch dosiert eingesetzt.

Als Hans Jürgen Hechtfischer an Schizophrenie erkrankte, verordnete man ihn in der Psychiatrie hochdosierte Neuroleptika. Die halfen zwar gegen die Krankheitssymptome, hatten aber drastische Nebenwirkungen. Er bekam Körperkrämpfe, einen krankhaften Bewegungsdrang und nahm stark an Gewicht zu. Deshalb setzte er nach seiner Entlassung die Medikamente ab und erlitt prompt einen Rückfall. Die Folge: Er landete wieder in der Psychiatrie und musste noch mehr Neuroleptika schlucken. Ein Teufelskreis, in den viele Schizophrenie-Patienten in Deutschland geraten.

Fehlende psychologische Begleitung

Erst nach dem dritten Klinikaufenthalt suchte Hans Jürgen Hechtfischer sich auch psychologische Unterstützung. Es verging aber über ein Jahr bis er einen Therapieplatz ergatterte. Als es ihm schließlich gelang, die Dosierung seiner Medikamente herunterzuschleichen war es bereits spät. Die Neuroleptika haben bei ihm bleibende Schäden hinterlassen: Krämpfe und Zuckungen, die er nicht kontrollieren kann. Weltweit, so wird geschätzt, leiden mittlerweile bis zu 86 Millionen Menschen an solchen Spätfolgen von Neuroleptika.

Erfolgsmodell: Soteria

Ein Leid, das nicht sein müsste. Denn es gibt alternative Behandlungskonzepte. Etwa sogenannte Soteria-Stationen, wie die des Alexianer St. Hedwig Krankenhauses in Berlin. Hier arbeiten Psychiater, Psychologen und Pfleger Hand in Hand. Sie betreuen rund 12 Patienten, die auf der Station in reizarmen, freundlichen Räumen in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben. Die engmaschige Begleitung erlaubt es, die Patienten mit nur wenig Neuroleptika, zum Teil sogar gänzlich ohne Medikamente, zu behandeln. Mit großem Erfolg. Viele Patienten kommen langfristig besser mit ihrer Krankheit zurecht und finden leichter in den Alltag zurück. Allerdings gibt es bislang erst 5 Soteria-Stationen in Deutschland. Bei rund 700.000 Schizophrenie-Erkrankten ein winziger Tropfen auf dem heißen Stein!

aus der Sendung vom

Do, 17.12.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.