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SENDETERMIN Do, 21.6.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso Was bringt Moorrenaturierung?

Im Nationalpark Hunsrück-Hochwald soll ein Moor entstehen. Wertvoller Torfboden soll dorthin zurückkehren, wo er einst die Natur prägte. Sinnvoll oder Aktionismus?

Eigentlich sollte ein Nationalpark möglichst unberührt bleiben aber: im Nationalpark Hunsrück-Hochwald wird gebaut. Ein Moor soll entstehen. Wertvoller Torfboden soll dorthin zurückkehren, wo er einst die Natur prägte. Der Grund für die Zerstörung liegt in der Geschichte der Region. Fichtenforsten im Dienste der Holzindustrie musste vielerorts das Moor weichen. Das Gebiet wurde vor rund 200 Jahren trockengelegt, die wertvolle Torflandschaft verschwand. Das will man nun durch die Renaturierungs-Arbeiten rückgängig machen.

Ein Moor entsteht neu

Für Nationalparkleiter Harald Egidi ist die Moor-Renaturierung Chefsache. Hauptaufgabe ist es, die Entwässerungsgräben von damals zu füllen. Dazu muss neuer Torfboden eingebracht werden. Denn durch die Trockenlegung wurde der alte Boden zerstört. „Das ist damals aus guten Gründen weil man Holz brauchte so angelegt worden“, sagt Harald Egidi „heute wissen wir aber, dass diese Flächen sehr labil sind, also bei jedem Sturmfall kippen hier weitere Fichten um die Wurzeln sind nicht so verankert, dass sie dem Sturm auch stand halten könnten und wir wollen jetzt einen Impuls geben, dass das Moor sich wieder entfalten kann. Das sieht im ersten Augenblick etwas brachial aus, aber nach diesem Maßnahmen lassen wir los und die Natur kann walten auf diesen Flächen.“ Holzkonstruktionen werden das Rückgrat für die neue Moorlandschaft sein. Ohne das geht es nicht, sagt Nicole Fournier, denn das Wasser muss in den Torfboden zurück. Sonst läuft es in den Hunsrücker Hang-Mooren ab. Und ein Moorboden ohne Wasser geht nicht. „Die Wänd sorgen dafür, dass das Wasser nicht mehr ablaufen kann und in die Fläche verteilt wird.“

Ein Millimeter pro Jahr wächst Torfboden

Nur einen Steinwurf entfernt blieb ein Moor erhalten. Eine ganz besondere, schützenwerte Landschaft. Konrad Funk ist Ranger im Hunsrück-Nationalpark. Er wirbt für den Erhalt der wertvollen Moorböden. Mit Vorträgen und in einem Fotobildband. Denn nur auf Moorböden gedeiht diese für die meisten Menschen fremde Welt, die Konrad Funk gut kennt: „Hier haben wir die Wasserlinse, im Zentrum befinden sich Torfmoose. Am Rand kommt das gewöhnliche Frauenhaarmoos dazu, Binsen stehen hier. Dann haben wir Vordergrund den Sonnentau als Rarität. Die fleischfressende Pflanze, die ihren Stickstoffbedarf über das aufnehmen von Insekten steuert, zeigt er sich hier auf dem Präsentierteller perfekt, also die Szenerie ist einfach wunderschön.“ Bis so die Renaturierungs-Baustelle nebenan aussieht, werden noch viele Jahre vergehen müssen Denn erst muss das wieder eingebrachte „Torfmoos“ gedeihen, eine besondere Art, die das so wichtige Wasser im Moorboden hält.

„Wenn man sich hier ausnahmsweise mal so ein Stück Torfmoos einfach rausnimmt, dann kann man sehr schön sehen, wie viel Wasser das Torfmoos in der Lage ist zu speichern.“ sagt Nicole Fournier und drückt das Moos aus. „Sie wirkt wie ein Schwamm, und genau das ist auch der Wunsch oder das Ziel. Die Pflanzen oder überhaupt alles organische Material wird in der Erde im Wasser konserviert und dadurch entsteht auch das Torfwachstum, das aber ganz langsam nur von statten geht. Denn Torf wächst nur ein Millimeter pro Jahr.“

Naturschutz und Klimaschutz

Durch die Entwässerungsgräben verschwand das Torfmoos und damit das Moor, eine Landschaft die gerade in Zeiten des Klimawandels sehr bedeutsam geworden ist, wie Nationalpark-Leiter Harald Egidi, meint: „Moore haben eine ganz wichtige Funktion mit Blick auf den Klimawandel. Zum einen speichern sie erhebliche Mengen an Kohlenstoff. Diese Torfmoose wachsen ja von Jahr zu Jahr wenn auch sehr langsam. Aber sie sind die größten Kohlenstoffspeicher überhaupt in terrestrischen Ökosystemen. Zum anderen leisten sie auch mit Blick auf klimawandel-bedingte Witterungsereignisse ganz wichtige Funktionen etwa bei Starkregen. Wir haben hier sehr starke Niederschläge, wir haben hier Extremereignisse und Torfe wirken hierbei wie ein Schwamm. Sie saugen das Wasser auf, sie halten es zurück oder geben es später langsam ab und es kann langsam abfließen und darüber verhindern sie Hochwasser in den tieferen Lagen.“

Die aufwändige Renaturierung hin zu Moorböden ist also auch für den Menschen wichtig, nicht nur für die Natur. Doch es wird Jahrzehnte dauern, bis die Baustelle nebenan zu einer gewachsenen Moorlandschaft werden kann, um dann all ihre wichtigen Funktionen wieder erfüllen zu können. Die Moore im Hunsrück zeigen uns, wie schwierig es ist, einen Boden wieder herzustellen, wenn er einmal zerstört worden ist. Wir sollten also unsere Böden nicht mit Füßen treten, sondern sie schützen – nicht nur in unseren Mooren.

aus der Sendung vom

Do, 21.6.2018 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.