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SENDETERMIN Do, 19.3.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso Grundwasser in Gefahr - Düngerbelastungen in Fluss- und Grundwasser

Die Landwirtschaft belastet mit ihrem Dünger unser Wasser heißt es, aber welches Ausmaß hat das Problem wirklich?

Wie groß die Verschmutzung des Wassers durch die Landwirtschaft ist, zeigt sich vor allem an unseren Flüssen. Deswegen ist Wissenschaftsjournalist Axel Wagner unterwegs zu einem Termin auf dem Neckar. Im Auftrag der Landesregierung von Baden-Württemberg erforscht die Besatzung des Beprobungsschiffes "Max Honsell" den Zustand unserer Gewässer im Südwesten.

Zustand der Fließgewässer

Wie ist der Zustand des Neckars? "Es ist schon viel besser geworden", sagt Uwe Bergdolt vom Referat Gewässerschutz der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) sagt: "aber in gewisser Hinsicht ist er immer noch unser Sorgenkind, nämlich was das Phosphat betrifft, die Nährstoffe". Diese stammen zu rund 50 Prozent aus der Landwirtschaft, haben aber auch einen zweiten Haupteintragspfad - nämlich die Kläranlagen.
Lässt sich der Eintrag aus den Kläranlagen denn reduzieren? "Da hat sich jetzt gerade in den letzten zehn Jahren einiges getan", sagt Uwe Bergdolt vom LUBW, aber: "unsere Modelle zeigen halt, es reicht nicht, an einer Schraube, dieser Kläranlagen-Seite zu drehen, sondern sowohl die Landwirtschaft muss reduzieren, als auch die Kläranalgen".
Der Eintrag durch die Kläranlagen ist berechenbar, denn sie werden überwacht. Die Belastungen durch die Landwirtschaft aber sind "diffus" - und daher unberechenbar.

Überschuss an Nährstoffen

Das Beprobungsschiff "Max Honsell" hat mittlerweile Halt gemacht und nimmt eine Bodenprobe. Sie wird - wie viele andere Proben zuvor bestätigen - dass das Leben im Neckar unter der Landwirtschaft leidet. Anhand der vorgefundenen Algenarten ist zu erkennen ob der Neckar "eutrophiert", also einen Überschuss an Nährstoffen bietet. Dies kann wiederum für andere Organismen zu Problemen führen, wie zum Beispiel den Fischen, die dann unter Sauerstoffmangel leiden und es bis hin zu einem Fischsterben kommen kann.
Das Problem ist: Die Landwirte bringen mehr Dünger auf ihre Äcker als die Pflanzen aufnehmen. Das bringt zwar Maximal-Erträge, aber der nicht aufgenommene Dünger wandert in den Boden und so auch in das Wasser. Bislang konnten auch Gesetze das kaum ändern - sehr zum Frust der Forscher. Die sehen fast landesweit Handlungsbedarf: "Wir müssen Nährstoffe reduzieren in den Fließgewässern", sagt Uwe Bergdolt.
Die Wasserrahmenrichtlinie fordert auch eigentlich, bereits 2015 einen "guten" Wasserzustand zu erreichen - spätestens jedoch 2027. Und auch bis dahin ein anspruchsvolles Ziel.

Zustand des Grundwassers

Der Einfluss auf die Fließgewässer ist also sehr stark - wie ist jedoch der Einfluss der Landwirtschaft auf das Grundwasser? "Wir haben großen Einfluss der Landwirtschaft auf das Grundwasser", sagt Emil Hildenbrand vom Referat Grundwasser des LUBW, "bei den Fließgewässern spielt Phosphat eine große Rolle, im Grundwasser ist es Nitrat. Da haben wir große Probleme, denn über 70 Prozent des Trinkwassers in Baden-Württemberg wird aus Grundwasser gewonnen".
Die Trinkwasserverordnung erlaubt einen Höchstwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter, ein Wert der an vielen Stellen überschritten wird - besonders in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft. "Im Mittel über Baden-Württemberg gesehen ist jede zehnte Messstelle mit über 50 Milligramm pro Liter belastet", stellt Emil Hildenbrand fest, "und wenn wir nur in den landwirtschaftlichen Bereich gehen, dann ist es sogar jede fünfte Messstelle." Ein deutliches Indiz dafür, dass die Landwirtschaft zu diesen hohen Werten beiträgt.