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SENDETERMIN Do, 13.7.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Forensische Toxikologie Tod durch Gift – Mord oder Unfall?

Auf die Wissenschaft ist in jedem Fall Verlass! Sie hilft bei der Aufklärung nicht-natürlicher Todesfälle. Besuch bei den Toxikologen der Heidelberger Rechtsmedizin.

Während natürliche Todesfälle in der Pathologie landen, kommen die Leichen derer, bei denen ein nichtnatürlicher Tod nicht ausgeschlossen werden kann in die Rechtsmedizin. Hier werden die Leichen obduziert, es findet eine innere und eine äußere Leichenschau statt, bei der versucht wird, Todesursache, Todeszeitpunkt, Todesart und gegebenenfalls die Identität der verstorbenen Person herauszufinden.

Eine Abteilung der Rechtsmedizin ist die forensische Toxikologie. Die Toxikologen sind für die forensisch toxikologische Untersuchung verantwortlich. Hierfür werden Proben vom Körper entnommen, unter anderem können das Blut, Haare, Teile der Leber oder Urin sein, die dann in der toxikologischen Analyse auf Giftstoffe untersucht werden. In der Toxikologie werden nicht nur Leichen auf toxikologische Substanzen untersucht, auch versuchte oder selbst induzierte Vergiftungen werden untersucht. Zudem werden in der Toxikologie Drogen- und Alkoholtests durchgeführt, beispielsweise von Personen die aufgrund Fahrens unter Drogen- oder Alkoholeinfluss ihren Führerschein verloren haben und sich in den folgenden Monaten regelmäßiger Untersuchungen ihrer Haare, ihres Urins oder Bluts unterziehen müssen.

Das General Unknown Verfahren

Besteht bereits der Verdacht auf ein bestimmtes Gift, sucht der Toxikologe gezielt danach. Sofern nicht klar ist, wonach man sucht, wird mit Hilfe der Gaschromatographie und Massenspektrometrie eine ungerichtete Suchanalyse durchgeführt, ein sogenanntes General Unknown-Screening. Mit diesem Verfahren können mehr als Tausend Substanzen und deren Abbauprodukte nachgewiesen werden. Der Nachweis von biologischen Giften wird nach einer gewissen Zeit allerdings schwierig. Sie werden vom Körper abgebaut und sind dann nicht mehr nachzuweisen.

Giftmorde früher und heute

Bereits in der Antike war Gift eine beliebte Mordwaffe. Damals waren es meist Extrakte von Pflanzen, die zur Vergiftung eingesetzt wurden. Später sollten die heute weltbekannten Gifte wie Arsen, Zyankali, Polonium, E605 oder Thallium die Pflanzenextrakte ablösen. Doch die modernen Methoden der forensischen Analytik werden immer besser, die genannten Stoffe können die Toxikologen teils noch Jahre später im Körper nachweisen.
Heutzutage finden weniger Morde mit den "klassischen" Giften statt. Die aufsehenerregendsten Giftmorde der heutigen Zeit findet man meist im medizinischen Pflegebereich. So auch im Falle des Serienmörders Nils H. Der Krankenpfleger hatte während seiner Tätigkeit an Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg zahlreiche Patienten mit überdosiert verabreichten Medikamenten ermordet. Rund 30 Tötungen und 60 Mordversuche hat er bereits zugegeben, die Polizei vermutet dass es weit mehr waren. H. hatte Patienten unter anderem das Medikament Gilurytmal gespritzt, eine Überdosis kann Herzrhythmusstörungen verursachen.

Das Pflanzenschutzmittel Parathion (E605)

Parathion, 1944 vom deutschen Chemiker Gerhard Schrader entwickelt, wurde ab 1947 in den USA und ab 1948 in Europa als Pflanzenschutzmittel vermarktet, nachdem man herausgefunden hatte, das die chemische Verbindung extrem toxisch für Insekten und Warmblüter ist, jedoch keinerlei giftige Wirkung auf Pflanzen hat. Im Reinzustand ist E605 zwar eine geruchs- und farblose Flüssigkeit, seit den bekannt gewordenen Morden von Christa Lehmann jedoch wird das Mittel aus Sicherheitsgründen gelb eingefärbt und mit einem scharfen Geruch aromatisiert verkauft. Die von Christa Lehmann verübten Morde sind die weltweit ersten dokumentierten Tötungen mit dem Pflanzenschutzmittel. Aufgrund der Bekanntheit die das Gift durch den großen Presserummel um die Taten von Christa Lehmann erlangte, wurde es zu einem regelrechten Modegift und in den folgenden Jahren von zahlreichen Mördern und Selbstmördern eingesetzt. Trotz seiner drastischen Wirkung, bei der der Tod auf Schweißausbrüche, Erbrechen, Muskelzuckungen, Atemlähmungen und schwere Krämpfe folgt. Seit 2002 ist das Pflanzenschutzmittel in Deutschland verboten.

aus der Sendung vom

Do, 13.7.2017 | 22:00 Uhr

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