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SENDETERMIN Do, 13.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Windenergie Flaute am Windrad

Bei der Windkraft ist Baden-Württemberg Entwicklungsländle. Ein Prozent tragen Windkraftanlagen hier zur Stromerzeugung bei. Bis 2020 sollen es zehn Prozent werden. Das Ziel ist ambitioniert: denn statt einer steifen Brise weht an vielen Stellen nur ein laues Lüftchen.

Leuchtturmprojekt in der Krise

Erwin Bäuerle und Hans Waidelich hatten vor zehn Jahren vergeblich gegen den ersten Windpark des Landes protestiert.

Windräder

Auch sie befürworten bis heute den Ausbau erneuerbarer Energien. Aber eben nicht bei ihnen am Ort. Gemeinsam mit dem Ortsförster Klaus Oelßner kannten sie die Gegend des geplanten Windparks als Heimstätte zahlreicher Vögel, wollten die Landschaft nicht von gigantischen Windrädern zerstören lassen. Und sie hatten Zweifel, ob auf der Höhe tatsächlich so viel Wind zu ernten wäre.
Es kam anders bei Simmersfeld im Nordschwarzwald. Gegen den Widerstand der Menschen vor Ort peitschten Investoren hier 2004 den größten Windpark in Baden-Württemberg durch. Vierzehn 100-125 Meter hohe Windräder sollten ein Zeichen setzen für erneuerbare Energien. Jedoch wohl ohne realistische Planung.
2007 gingen die Windräder in Betrieb. Hier auf den Schwarzwaldhöhen werde schon genug Wind wehen. Doch die Windprognosen waren viel zu optimistisch. 40 Prozent weniger Ertrag wird hier erzielt, weil einfach die durchschnittliche Windgeschwindigkeit überschätzt wurde.
Tatsächlich können sich heute die Kritiker bestätigt fühlen. Das Windangebot von unter fünf Metern pro Sekunde reicht nicht aus, um rentabel Strom zu erzeugen.

Laues Lüftchen

Auch an anderen Orten gibt es enttäuschte Erwartungen. In der Gemeinde Kleines Wiesental im Südschwarzwald hatte man sich zu sehr auf die Angaben des Windatlas verlassen. Der Windatlas ist ein computergestütztes Simulationsmodell mit begrenzter Auflösung, der einen Überblick über die zu erwartende mittlere Windgeschwindigkeit liefern soll. Lokale Strömungen werden nicht abgebildet.
Exakte Nachmessungen brachten dann das Aus für das Projekt. Es stellte sich heraus: der Landeswindatlas ist wohl nicht mehr als ein grober Anhaltspunkt für die jeweilige Windgeschwindigkeit vor Ort.
Der Windatlas kann auch nicht genauer sein, da zu wenige Wetterstationen auf Bergspitzen, an Flughäfen oder Messtürmen ausreichend Daten liefern. Da es kaum Windkraftanlagen im Land gibt, sind hier lokale Langzeitmessungen des Windangebotes rar.

Bernhard Mühr vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung

Bernhard Mühr vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung

Der Meteorologe Bernhard Mühr vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruher Institut für Technologie beschäftigt sich seit langem mit der Windsituation im Südwesten. Er schlägt vor, lokale Windströmungen stärker zu beachten: "Generell ist im Südwesten die Windausbeute nicht so groß, wie sie in Norddeutschland sein kann, in flachen oder Küsten nahen Gebieten. Je mehr Messungen zur Verfügung stehen, umso besser ist es, um eine flächendeckende Aussage machen zu können. Speziell in unserem süddeutschen Geländeraum, wo sich Berge und Täler abwechseln und wir alle möglichen Geländekonfigurationen haben, Täler, über 1000 Meter hoch aufregende Berge, wo der Wind natürlich und die Strömungsverhältnisse auch sehr komplex sind im Einzelfall, da ist es von Vorteil, man hätte mehr Messungen."
Insbesondere Wald drosselt die Windgeschwindigkeit. Die Windräder müssen dort also noch höher gebaut werden. Zudem muss man sich für jedes neue Projekt zunächst mit den örtlichen Windverhältnissen vertraut machen.

Aus Fehlern lernen

So zum Beispiel in Vöhrenbach im Südschwarzwald. Eine Bürgergruppe plant dort einen neuen Windpark auf den umliegenden Höhen. Die Fehler anderer Projekte wollen sie nicht wiederholen. Gerhard Kienzler ist seit 15 Jahren Projektentwickler im Bereich Windkraft. Für ihn war klar, dass hier nur der Erfolg haben wird, der das heute technisch mögliche an Windmessungen und Auswertungen ausschöpft. Das heißt ganz klar eine Windmessung auf mindestens 100 Metern Höhe.
Und so baute Benjamin Kienzler, der örtliche Zimmermeister, einen Windmessturm auf die Linacher Höhe. 100 Meter hoch, aus Holz. Der trägt die Windmessfühler in 60, 80 und in 100 Metern Höhe, gerade um den Effekt der Bäume auf den Wind vor Ort zu verstehen. Über ein Jahr lang werden die Winddaten gesammelt.
Im Mai 2013 war der Turm fertig. Im Umfeld des Turms, auf der über 1000 Meter hohen Linacher Höhe sollen die meisten der Windräder errichtet werden. Die Winddaten werden in die Zentrale des geplanten Bürgerwindparks übertragen. Im Durchschnitt wurden 5,8 bis 6,5 Meter pro Sekunde gemessen. Wenn die Rahmenbedingungen des EEG stabil bleiben, würde das ausreichen um im Betrieb wirtschaftlich zu sein.

Windangebot und politische Großwetterlage sind also entscheidend für den Erfolg neuer Windkraftanlagen. Ökologisches Verlangen allein hilft nicht weiter. Doch langfristige Messungen und umsichtige Projektentwicklung vor Ort könnten ein Modell sein, um die Flaute am Windrad im Südwesten zu überwinden.