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SENDETERMIN Do, 24.9.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso Flächendeckend ökologisch - geht das überhaupt?

Wäre ein flächendeckender Anbau von Bioprodukten in Deutschland möglich und würden wir damit alle satt? Wie konkurrenzfähig ist der ökologische Landbau? Dieser Frage geht odysso-Reporter Axel Wagner nach.

Produkte aus biologischen Anbau zu finden fällt nicht schwer - Biohöfe jedoch muss man in Deutschland suchen, denn die sind selten. Über 90 Prozent der Landwirtschaft in Deutschland wird konventionell betrieben, nur rund 6 Prozent sind ökologischer Anbau. Woran liegt das? Sind diese Höfe zu wenig effizient und ertragreich?

Erträge durch Nutzungskreisläufe

Für Biobauer Sepp Braun ist das wichtigste, mit dem Boden richtig umzugehen, damit er ausreichend gedüngt ist. Auf den Feldern des Landwirtes ist der Weizen geerntet, doch zwischen den Stoppeln sprießt schon der Klee und reichert kräftig Nährstoffe an. Das Kleegras selbst wird verfüttert, die Wurzeln bleiben als natürlicher Dünger im Boden.
Doch wie sehen die Erträge im Vergleich mit der konventionellen Anbauweise aus? Sie sind laut Biobauer Braun beim Weizen deutlich geringer, aber durch die Kombination von Weizen plus Kleegrasernte - die er für die Kühe braucht - kommt er auf durchaus vergleichbare Erträge.
Zusätzlich bepflanzt Sepp Braun manche Felder mit Bäumen, da diese mit ihrer großen Blattoberfläche das Licht der Sonne effektiv in Biomasse verwandeln. Das Holz der Bäume kommt als günstiger Brennstoff in den Holzvergaser und die Asche gibt er als kostenlosen Dünger auf die Äcker zurück. Durch solche Nutzungs-Kreisläufe kann der Biohof mit konventionellen Betrieben mithalten.

Gesunde Milchkühe

Eine Kuh blickt in die Kamera.

Auch die Milchvieh-Haltung unterscheidet sich. Eine Milchkuh wird auf Sepp Brauns Hof mit rund acht Jahren doppelt so alt wie in einem konventionellen Hochleistungsbetrieb. Das bedeutet, der "Verschleiß" an Tieren ist wesentlich geringer - was wiederum auch Kosten spart. Auch bestätigt der Tierarzt des Biohofes, dass die Tiere dort deutlich gesünder sind als, die in Hochleistungsbetrieben. Und das ohne Medikamente oder Futtermittel, denn im Heu ist alles enthalten, was eine gesunde Kuh braucht: Spitzwegerich, Kümmel, Schafgarbe, Bibernelle, Wilde Möhre und Wiesensalbei sind zum Beispiel in natürlichem Heu enthalten und schaffen die Voraussetzung, dass die Kühe einfach gesund bleiben.

Könnte komplett auf ökologische Landwirtschaft umgestellt werden?

Für Kurt-Jürgen Hülsbergen, Professor für ökologischen Landbau an der Technischen Universität München, ist der Hof von Sepp Braun ein wissenschaftliches Freilandlabor. Er hat diesen Hof und 80 weitere erforscht und versucht, die konventionelle und ökologische Landwirtschaft in ihrer Effektivität zu vergleichen. Sein Ergebnis: Die ökologisch geführten Betriebe können durchaus mithalten.
Aber könnte denn nun zum Beispiel mit ökologischer Milchproduktion ganz Deutschland versorgt werden? Laut Prof. Hülsbergen wäre dies bei der Milchproduktion kein größeres Problem, da die industrielle Milchproduktion den realen Bedarf bei weitem übersteigt. Durch eine vollständige Umstellung auf ökologische Produktion würde keine Gefahr für die Versorgung ausgehen.
Skeptischer ist Prof. Hülsbergen jedoch bei der Frage, ob Deutschland einzig mit ökologischer Landwirtschaft versorgt werden könnte. Das Problem ist die Fleischproduktion, denn Schweine oder Rinder in Massen als Fleischlieferanten zu züchten ist extrem energieaufwändig. Unseren bisherigen Extrem-Bedarf von etwa 60 Kilogramm pro Kopf und Jahr zu decken geht nur industriell, nicht ökologisch. Nur wenn wir bereit sind diesen Konsum einzuschränken würden die Anbauflächen ausreichen, um den Bedarf zu decken.
Was ist der Grund dafür, dass es so wenig ökologischen Landbau gibt? Sepp Braun ist der Meinung, dass jungen Menschen in der Landwirtschaft ausschließlich konventionelle Landwirtschaftsmethoden vermittelt wird und nur in industrieller Richtung ausgebildet werden. Auch im Bauernverband sei das Angebot für Biolandbau leider sehr gering. Dennoch gibt Sepp Braun nicht auf und wirbt dafür, dass ökologisches Know-How in die Ausbildung junger Landwirte integriert wird und die Agrarwissenschaft endlich die vielen unbekannten Potentiale der Biolandwirtschaft weiter erforscht.
Wenn der ökologische Landbau aus seiner Nische heraustreten soll, dann müssen Politik und Forschung aber auch wir Verbraucher mithelfen.

aus der Sendung vom

Do, 24.9.2015 | 22:00 Uhr

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