Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 30.10.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Körper Faszination Herz

In Ruhe schlägt ein Herz zwischen 60 und 80 Mal pro Minute. Frauen haben meist einen höheren Puls als Männer, die haben oft einen größeren Herzmuskel und mehr Schlagvolumen. Doch was bringt Herzen eigentlich zum Schlagen?

Ein Herz mit einer EKG Linie im Vordergrund

Wie Nerven und Hormone unser Herz antreiben

Es passiert, wenn wir unter Stress stehen: Der Mund wird trocken, der Schweiß läuft in Strömen - und das Herz pocht wie verrückt. Die meisten Menschen haben das schon einmal erlebt, zum Beispiel bei einer schwierigen Prüfung oder einem Auftritt vor großem Publikum. Unser Herzschlag beschleunigt sich in solchen Situationen dramatisch.

Verantwortlich dafür ist das vegetative Nervensystem. Ohne dass wir es willentlich beeinflussen können, steuert es den Herzschlag. In Stresssituationen wird der Sympathikus-Nerv aktiv. Er treibt den Sinusknoten an, den Taktgeber des Herzens. Es schlägt schneller und kräftiger und kann so unseren Körper mit mehr Blut - und damit Sauerstoff – versorgen: ein extremer Kick für unsere Leistungsfähigkeit!

Doch nicht nur der Sympathikus-Nerv wirkt als Antreiber auf unser Herz. Unterstützt wird er von den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin. Sie werden ausgeschüttet, wenn wir uns körperlich belasten, also zum Beispiel beim Joggen. Aber auch seelischer Stress, wie ein heftiger Streit, führt zur Freisetzung dieser Botenstoffe. Sie wirken innerhalb von Sekunden: Der Herzschlag beschleunigt und verstärkt sich, die Muskulatur wird besser durchblutet, die Atemwege erweitern sich, der Blutdruck steigt.

Evolutionär betrachtet ist diese Reaktion sinnvoll. Denn je schneller unser Körper seine Energiereserven abrufen kann, umso schneller können wir bei drohender Gefahr flüchten oder kämpfen. Das hat der US-amerikanische Stressforscher Walter Cannon bereits 1915 erkannt und als "fight-or-flight-response" ("Flucht- oder Kampf-Reaktion") bekannt gemacht.

Muckibude fürs Herz

Unser Herz ist ein Muskel - und lässt sich genau wie jeder andere Muskel trainieren. Besonders effektiv sind dabei Ausdauersportarten. Wer viel läuft oder Rad fährt, der erarbeitet sich nicht nur eine dickere Beinmuskulatur. Auch der Herzmuskel passt sich mit der Zeit an die wachsende Belastung an.

Abbild eines menschlichen Herzens im Torso

785 Milliliter Fassungsvolumen, 300 Gramm schwer: das Männerherz

Ein durchschnittliches Männerherz wiegt in der Regel etwa 300 Gramm und fasst ein Volumen von circa 785 Millilitern. Bei trainierten Ausdauersportlern wächst das Herz und kann ein Gewicht von bis zu 550 Gramm erreichen. Bei dieser Größe kann es mit jedem Schlag rund 1.400 Milliliter Blut auswerfen.

Das ist das Erfolgsgeheimnis von Radrennprofis und Marathonläufern. Ihr "Sportlerherz" schlägt viel langsamer als das von Untrainierten - und kann den Körper trotzdem optimal mit Sauerstoff versorgen. So kam der ehemalige spanische Radrennfahrer Miguel Indurain im Ruhezustand mit 28 Herzschlägen pro Minute aus - ein Wert, der bei normalen Menschen lebensgefährlich wäre.

Schreck lass nach!

Und was, wenn das Herz gleich ganz aussetzt? So zumindest fühlt es sich für viele Menschen an, wenn sie sich stark erschrecken. Wenn wir in der Achterbahn sitzen, und es steil abwärts in den nächsten Looping geht, bleibt uns "vor Schreck das Herz stehen" - zum Glück nur im übertragenen Sinn.

Denn ein gesundes Herz kann nicht vor Schreck stehen bleiben. Allerdings kann es tatsächlich zu Rhythmusstörungen und kleinen Extraschlägen kommen. Eigentlich bringt der Sinusknoten alle Herzmuskelzellen dazu, sich koordiniert zusammenzuziehen. Er sitzt im rechten Vorhof des Herzens. Bei extremem Stress können sich die Herzmuskelzellen aber auch ohne seinen Befehl zusammenziehen. Dann entsteht an einer ganz anderen Stelle ein Extraschlag. Das Herz setzt dann tatsächlich kurz aus - bis der Sinusknoten in den normalen Takt zurückfindet. Diese kleine Pause nehmen die Betroffenen oft als bedrohliches "Herzstolpern" wahr. In den meisten Fällen sind die Extraschläge aber unbedeutend und harmlos.

Warum wir dem Herz Ruhe gönnen sollten

Stress, körperliche Belastung, starke Gefühle, Kaffee. All diese Dinge aktivieren den Sympathikus-Nerv und bewirken, dass unser Herz schneller schlägt, durchschnittlich rund 100.000 Mal am Tag und das 80 Jahre lang.

Arm mit Pulsuhr

Im Schlaf schlägt unser Herz durchschnittlich nur noch 50 Mal pro Minute.

Zum Glück für unser Herz hat der Sympathikus-Nerv einen Gegenspieler: den Vagus-Nerv. Er gehört zum parasympathischen Nervensystem und wirkt beruhigend auf unseren Körper ein. Über entspannende Botenstoffe verlangsamt er den Herzschlag, senkt den Blutdruck, regt den Speichelfluss und die Verdauung an.

Er kommt immer dann ins Spiel, wenn keine äußeren oder inneren Stressreize auf uns einwirken. Besonders aktiv ist er natürlich nachts, wenn wir schlafen. Dann schlägt unser Herz deutlich langsamer, im Durchschnitt nur noch etwa 50 Mal pro Minute.

Diese Ruhephase ist wichtig, damit das Organ kräftig und gesund bleibt. Je langsamer das Herz schlägt, desto länger ist auch die Phase der Eigendurchblutung des Herzens. Der Herzmuskel selber wird nämlich nur im entspannten Zustand durchblutet, in der sogenannten Füllungsphase. Je schneller der Herzschlag, umso kürzer ist diese Füllungsphase und umso schlechter wird das Herz mit Nährstoffen versorgt. Das ist eine mögliche Erklärung, warum sich ein langsamer Herzschlag positiv auf Gesundheit und Lebensdauer auswirkt. Eine Beobachtung, die Forscher nicht nur bei Menschen gemacht haben, sondern auch im Tierreich. So schlägt zum Beispiel ein Mäuseherz rund 500 Mal pro Minute; die Tiere leben nur wenige Jahre. Das Herz eines Pottwals dagegen kommt mit etwa 30 Herzschlägen pro Minute locker aus; und die Giganten können über 80 Jahre alt werden.