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SENDETERMIN Do, 20.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Falsche Früchte Wie Lebensmittelhersteller tricksen

Eine Fruchtschnitte - das klingt gut, gesund und vor allem lecker. Doch was ist drin? SWR-Odysso hat auf der Straße Verbraucher gefragt und festgestellt: Was abgebildet ist, steckt noch lange nicht drin. Die Lebensmittelindustrie wirbt oft mit falschen Früchtchen.

Retorten Lebensmittel

Konzentrat statt Frucht

Oliver Huizinga von Food-Watch in Berlin beschreibt einen typischen Trick der Lebensmittelindustrie. "Mit großen Bildern von Heidelbeeren und Himbeeren wird besondere Qualität suggeriert. Im Kleingedruckten sieht man allerdings: Die Himbeeren sind nur im Konzentrat enthalten, gerade mal zu drei Prozent. Hauptzutaten sind Sultaninen und Apfel."

Kein Einzelfall. Es gibt ähnliche Produkte. Müslimischungen etwa, wo viel Frucht versprochen wird, aber fast nur Rosinen drin sind statt Blaubeeren und Himbeeren. Auch bei Smoothies wird oft mit Früchten auf den Verpackungen geworben, etwa mit Himbeeren und Granatapfel. Enthalten sind aber vor allem Apfelsaftkonzentrat und Apfelpüree. Der Anteil der Himbeeren: gerade mal sieben Prozent.

Die Verpackung beeinflusst die Kaufentscheidung

Fallen Verbraucher wirklich auf Bildertricks herein? Wir besuchen in Wuppertal einen Psychologen, der sich mit diesen Fragen beschäftigt - Ralf Stürmer. Er wendet Analyseverfahren an, die genau zeigen, wie Verbraucher auf Werbeversprechen reagieren. "Kaufentscheidungen sind häufig unbewusste, emotionale Entscheidungen, die innerhalb von nur wenigen Millisekunden getroffen werden", erklärt Stürmer.

SWR-Odysso macht einen Test: Um herauszufinden, wie Probanden auf Frucht-Mogelpackungen reagieren, bekommen sie Mess-Elektroden an Gesicht, der Hand und dem Brustkorb angelegt. Stürmer: "Wir erfassen die Herz-Rate, die Schweißdrüsenaktivität und die Aktivität der Gesichtsmuskulatur. Mit diesen Daten lässt sich hinterher beurteilen, ob die Reaktion auf die Verpackung positiv oder negativ ist."

Testrunde 1: Müsli

Eine Müslimischung. Bevor die Probanden unsere Mogelpackung sehen, zeigen wir ihnen zwei andere Müsliverpackungen, damit wir die Ergebnisse besser miteinander vergleichen und einschätzen können. Das erste Produkt enthält zwar Früchte. Sie sind auf der Verpackung aber nicht abgebildet. Die Mess-Elektroden unseres Probanden reagieren kaum. Der Ausschlag der Kurve ist daher gering. Stürmer: "Diese Verpackung hat nicht besonders viel Aufmerksamkeit erzeugt, und die emotionale Bewertung war auch nicht besonders positiv."

Fruchtmüsli Verpackung

Verpackungen versprechen oft mehr als ihr Inhalt.

Das zweite Müsil: Auf dieser Verpackung sind viele Früchte abgebildet. Die Probanden reagieren positiver. Der Ausschlag der Gesichtsmuskulaturkurve zeigt das.

Dann ist unsere Packung dran. Hier ist die Reaktion der Gesichtskurve am positivsten. Das beweist Stürmer mit der Messung: "Diese Verpackung symbolisiert dem Verbraucher glaubhaft, hochwertig und gesund zu sein, durch die Darstellung der Früchte auf der Verpackung. Nicht außer Acht zu lassen ist das Sichtfenster in der Verpackung, wo das eigentliche Produkt zu sehen ist." Eine Verpackung, die den Verbraucher zum Zugreifen verleitet.

Testrunde 2: Smoothies

Wir untersuchen Smoothies. Einer wirbt mit großen Früchten, eines mit wenigen. Ein weiterer hat keine Fruchtbilder auf der Verpackung. Im Test wird den Probanden zunächst der Smoothie ohne Fruchtbilder gezeigt. Das Ergebnis: Die Kurve für die Gesichtsmuskulatur schlägt zwar aus, aber auch die Schweißdrüsen-Aktivitätskurve. Der Proband findet das Produkt also nicht nur interessant, er setzt sich mit ihm auch auseinander.

Dann ist der Smoothie von Chiquita dran. Eine Himbeere ist drauf abgebildet. Hier reagiert der Proband nur marginal. Zum Schluss wird unser Schummel-Smoothie untersucht. Die Reaktion: Die Gesichtsmuskelaktivitäts-Kurve schlägt am massivsten aus. "Bei diesem hier mussten sich die Probanden länger mit der Abbildung beschäftigen", erklärt der Psychologe. "Letzten Endes ist das eine glaubhafte Verpackung für ein gesundes Produkt. Bei diesem Produkt mit den vergleichsweise wenigen Früchten waren die Reaktionen nicht besonders stark ausgeprägt. Hier springen einem intuitiv die bunten Früchte an und lösen sofort positive Emotionen aus."

Das Ergebnis fällt also klar zugunsten der Früchtchen aus. Aber wie aussagekräftig sind solche Messungen? Stürmer: "Unsere Studie ist nicht die erste Studie, die gezeigt hat, dass man über eine ansprechende Verpackungsgestaltung die Aufmerksamkeit des Verbrauchers auf sich lenken kann."

Das ärgert nicht nur Verbraucher, sondern auch Verbraucherschützer. Oliver Huizinga von Food-Watch: "Wenn mit großen Fruchtabbildungen geworben wird, dann sollten die auch wesentlich im Produkt enthalten sein und nicht nur in Alibimengen vorkommen." Doch solange solche Verpackungen in den Regalen stehen, heißt es: Nicht den Fruchtbildern auf den Leim gehen, sondern genau durchlesen, was auf der Verpackung steht.