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SENDETERMIN Do, 4.9.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Reportage mit Lena Ganschow Fahrsicherheits-Training

Ein Fahrsicherheits-Training kann lebensrettend sein. SWR odysso-Reporterin Lena Ganschow will wissen, ob sie nach einem Fahrsicherheits-Kurs ihr Auto wirklich besser im Griff hat.

Lena Ganschow Reportage: Fahrsicherheits-Training

Kostet Überwindung: die Vollbremsung

Früh morgens auf einem Verkehrsübungsgelände des ADAC: Fahrsicherheitstrainer Martin Sasse verlangt etwas scheinbar Harmloses von Lena Ganschow - eine Vollbremsung.

Ihr Auto: ein Golf-Kombi. Anfahren mit 50 km/h, bei einer mit Pylonen markierten Stelle hart auf die Bremse und gleichzeitig die Kupplung treten, das ist ihre Aufgabe. Zwei Mitarbeiter haben inzwischen eine Papiertapete quer über die Fahrbahn gespannt. Wenn sie alles richtig macht, muss sie noch davor zum Stehen kommen. Erster Versuch: Der Golf durchbricht die Barriere, erst einige Meter weiter hinten steht das Fahrzeug. Wäre statt der Tapete ein Fußgänger auf der Straße gewesen, hätten wir jetzt einen folgenschweren Unfall, mahnt Trainer Sasse. Er weiß, dass es die meisten Autofahrer Überwindung kostet, mit voller Kraft in die "Eisen" zu steigen. Um Hemmungen erst gar nicht aufkommen zu lassen, empfiehlt der Fachmann regelmäßige Trockenübungen im Stand. Ein Kopfproblem also, das auch Lena Ganschow erst mal überwinden muss. Der zweite Versuch gelingt, geht doch…

Richtiges Sitzen bringt Sicherheit

Sicheres Fahren, so lernt die Reporterin, beginnt mit der richtigen Sitzposition. Klingt trivial und doch machen es viele falsch. Fachmann Sasse zeigt, worauf es ankommt: den Sitz so hoch wie möglich einstellen, wegen der besseren Übersicht. Aber Achtung: zum Dach sollte noch etwa eine Faustbreit Luft sein.

Sitzentfernung: die Beine dürfen nicht gestreckt sein, wenn man in die Pedale tritt. Leicht gebeugt ist es richtig, das vermindert auch das Verletzungsrisiko bei einem Frontalaufprall. Lenkrad: Arme nicht gestreckt, sondern ebenfalls angewinkelt. Optimal ist der so genannte "Viertelvordrei-Griff", einhändiges Fahren ist tabu. Kopfstütze: deren Oberkante soll gleich hoch sein wie die Kopfoberseite. Darauf achten, dass der Sicherheitsgurt eng anliegt.

Ausweichmanöver

Jetzt geht es auf die Slalomstrecke. Lena Ganschow soll unter Anleitung des Profis die richtige Dosis und das perfekte Timing fürs Lenken finden. Jedes Auto reagiert etwas anders, deswegen sollte man herausfinden wie sich das Eigene bei abrupten Richtungswechseln verhält - ohne dabei außer Kontrolle zu geraten.

Lena Ganschow im Slalomparcours

Lena Ganschow im Slalomparcours

Der Slalomparcours ist als Vorübung für ein Ausweichmanöver gedacht. Bei einem plötzlich auftauchenden Hindernis müssen Autofahrer im Bruchteil einer Sekunde den Schrecken überwinden, blitzschnell entscheiden und handeln. Mit 60 km/h soll die SWR odysso-Reporterin einem Hindernis ausweichen - ohne zu bremsen! Dass sie ihr Auto inzwischen ganz gut kennt hilft ihr jetzt, und natürlich das Stabilitätsprogramm ESP. Doch Vorsicht: die Elektronik ersetzt nicht fahrerisches Können!

Gefährliche Kurven

Wer zu schnell in eine Kurve fährt fliegt raus. Auf diese simple Formel lässt sich der häufigste Fehler bei Kurvenfahrten bringen. Um überhöhte Geschwindigkeit zu vermeiden rät Trainer Sasse, den Blick immer auf das Kurveninnere zu richten. Lena Ganschow biegt mit ihrem Fahrzeug in den Fahrkreis ein. Mit 40 km/h ist ihre Kurvenfahrt sicher. Doch nur 10 km/h mehr machen die Sache gefährlich: das Auto nähert sich bedrohlich dem Fahrbahnrand. Die Fliehkräfte werden so hoch, dass das Auto über die Vorderachse wegrutscht. "Untersteuern" nennen Fachleute diesen Effekt. Fast alle Fahrzeugtypen reagieren so bei überhöhter Kurven-Geschwindigkeit. Das ist Absicht, aus Sicherheitsgründen, denn "Übersteuern" ist wesentlich gefährlicher. Dabei bricht das Heck des Fahrzeugs aus, und das ist für Durchschnittsfahrer viel schwerer zu beherrschen. Ist man in der Kurve zu schnell, rettet einen auch das ESP nicht. Fängt das Auto an wegzurutschen, gibt es nur eine richtige Reaktion: Lenkrad eingeschlagen halten und sofort durch Bremsen Tempo wegnehmen.

Wenn‘s rutscht: Kontrolle behalten!

Martin Sasse startet die Sprinkleranlage für die Abschlussübung. Wasser macht die Gleitfläche zu einer Rutschbahn. Kurz davor ist eine bewegliche Platte im Boden die das Fahrzeugheck beim Überfahren abrupt wegdrückt. Ein Effekt, ähnlich einem harten Ausweichmanöver bei glatter Fahrbahn oder bei Aquaplaning.

Lena Ganschow fährt durch eine Wasserfontäne

Bremsen auf rutschigem Untergrund

Lena Ganschows Aufgabe: das schleudernde Auto wieder stabilisieren. Mit rund 50 km/h geht es zur Sache. Die ersten Versuche sind ernüchternd. Der Wagen dreht sich um 180 Grad - Fehleranalyse. Der Blick soll immer weit voraus und dahin gehen, wo ich hin möchte, erklärt Trainer Sasse. Sehr schnelle Lenkbewegungen müssen dabei der Drehbewegung des Fahrzeugs entgegenwirken. Da hilft nur üben, üben, üben…

Nach ein paar Versuchen hat die Reporterin das Prinzip verstanden und sie bringt das schlingernde Gefährt unter Kontrolle.

Warum Winterreifen?

Zum Schluss noch Argument für Winterreifen in der kalten Jahreszeit. Lena Ganschow macht mit 50 km/h eine Vollbremsung auf der Gleitfläche. Bremsweg: fast 40 Meter. Dann werden Winterreifen aufgezogen. 4 Millimeter Profil sollten die mindestens noch haben. Die besseren Reifen gehören übrigens immer nach hinten, egal ob Front- oder Heckantrieb. Dann die Vollbremsung mit Winterpneus: schon nach rund 20 Metern steht das Auto. Für Fußgänger kann der wesentlich kürzere Bremsweg lebensrettend sein.

Fazit

Ein Fahrsicherheitstraining hilft Autofahrern auf alle Fälle, ihr Fahrzeug in Gefahrensituationen besser im Griff zu haben. Das reicht aber nicht für alle Zeiten. Experten empfehlen, das Training alle drei bis fünf Jahre zu wiederholen um das Gelernte aufzufrischen. Auch ein Fahrzeugwechsel sollte Anlass sein, einen weiteren Kurs zu machen.

aus der Sendung vom

Do, 4.9.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.