Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 24.5.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Was soll man essen? Ernährungskompass von Bas Kast

Ein Wissenschaftsautor wird herzkrank und heilt sich selbst mit gesundem Essen. Drei Jahre lang filtert er alle relevanten Studien zur Ernährung.

Im Dschungel der Ernährungsratgeber

Ratgeber für gesunde Ernährung, selbst ernannte Diätexperten, Artikel über Diäten in Zeitschriften, das kennen wir zur Genüge. Wo man hinschaut, wird einem suggeriert „Diese Ernährung ist die Beste!“ Und „Nur diese Diät führt dich zum Erfolg!“ – nämlich zu einem gesunden Leben in einem schlanken Körper – ohne Stress und Leiden versteht sich. Wer beginnt, all diese Ratschläge zu befolgen, ist bald genauso schlau oder dick wie vorher. Aber was gehört – wissenschaftlich durch Studien abgesichert – wirklich zu einer gesunden Ernährung? Der Wissenschafts-Journalist Bas Kast hat sich die Mühe gemacht, alle großen Studien zu lesen und einen „Ernährungskompass“ erstellt.

Herzattacke mit Vierzig

Dass er sich einmal größtenteils von Fastfood ernährt hat, kann er selbst kaum glauben: „Also teilweise mit Chips zum Abendessen, dass meinen kleinen Nichten sagten, ‚isst du wirklich Chips zum Abendessen?‘“ Für diese falsche Ernährung zahlte er den Preis. Der passionierte Läufer spürte plötzlich beim Laufen ein Herzstolpern und Schmerzen in der Brust. „Das hielt ich erstmal für harmlos, doch ein paar Monate später hatte ich dann so eine echte Herzattacke – wie eine Hand die mein Herz fest packt und blitzartig zusammendrückt.“ Die Krankheit weckt seinen Ehrgeiz als Autor. Was passiert mit mir? Wie kann ich es ändern?

Nicht nur Brokkoli knabbern

Schnell identifiziert er seine Ernährung als Ursache. Doch wie ernährt man sich gesund? Was ist wirklich wissenschaftlich gesichert? Die häufigste Ursache für Probleme mit dem Herzen ist eine schlechte Blutversorgung durch verstopfte Gefäße. Dafür werden neben Rauchen vor allem schlechte Ernährung verantwortlich gemacht. Der in den USA sehr bekannte Kardiologe Dr. Esselstyn rät seinen Patienten, zu denen auch der Ex-Präsident Bill Clinton gehört, die Ernährung radikal umzustellen. Nur noch pflanzliche Fette und Proteine, am besten Brokkoli. Doch den ganzen Tag eiweißreichen Brokkoli knabbern, „das fand ich auch nicht sehr erstrebenswert“, sagt Bas Kast heute. Drei Jahre später veröffentlicht er sein „Fazit aller Studien“, den „Ernährungskompass“. Was ist dran an seinen Schlussfolgerungen aus der Forschungsliteratur der letzten Jahre?

Bohnen, Erbsen, Linsen

Odysso hat dazu Prof. Dr. Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam gefragt. Auch er kennt die Studien, die Bas Kast in seinem Kompass zitiert. Was macht nun aus der Sicht der Experten wissenschaftlich abgesichert gesund, beziehungsweise was sollte man meiden? Bas Kast schwört vor allem auf Hülsenfrüchte wie Linsen. Auch für Andreas Pfeiffer sind das unterschätzte Lebensmittel, vor allem weil sie so „komplett“ sind: „Linsen mit den anderen Leguminosen, also Bohnen Erbsen sind Lebensmittel, die praktisch alles enthalten in einer sehr günstigen Mischung. Die haben viele Ballaststoffe, haben die Kohlenhydrate in der langsam verfügbaren Form, also einen niedrigen glykämischen Index. Sie haben viel Protein, haben viele Mikronährstoffe und Metalle also Zink Magnesium. Also davon kann man leben sozusagen, sich sehr gesund ernähren.“ Zu den Leguminosen zählen übrigens nicht nur Bohnen, Erbsen und Linsen sondern auch Kichererbsen, Lupinen und Erdnüsse.

„Transfette“ meiden

Nüsse, kaltgepresstes Oliven- oder Rapsöl und Fisch enthalten viele ungesättigte Fettsäuren, die man auch als einen Reiniger für unsere Gefäße bezeichnen kann. Eine eindrucksvolle Langzeitstudie (PREDIMED) in Spanien mit über 9.000 Risikopatienten zeigte eine deutliche Verbesserung der Lebenserwartung. Abzuraten ist von gesättigten Fettsäuren, die vor allem in Rind, Schwein und Schaf vorkommen. Vermeiden sollte man vor allem die sogenannten „Transfette“, das sind künstlich gehärtete Fette, die der Körper nur schwer verarbeiten kann. In vielen Ländern unterliegen sie einer Kennzeichnungspflicht, in Deutschland nicht. Sie werden, weil billig, gerne in industriell hergestellten Nahrungsmitteln, zum Beispiel in Backwaren, Pommes Frites oder Chips eingesetzt.

Iss nichts, wofür Werbung gemacht wird!

Wie sollen wir uns im Alltag orientieren? Wissenschaftler favorisieren eine einfache Dreiteilung. Danach sollte man verarbeitete Lebensmittel gänzlich meiden.
Das sind alle industriell hergestellten Produkte (Fertigprodukte aller Art, auch raffinierter Zucker). Sie enthalten in der Regel viel zu viel von den gefährlichen, also schnell ins Blut gehen Kohlehydraten (= hoher glykämischer Index). Daneben haben sie viele tierische oder künstlich gehärtete pflanzliche Fette. Sie enthalten dadurch bezogen auf Ihr Gewicht immens viel Energie. Mit anderen Worten: es sind Dickmacher und sie belasten unsere Gefäße. Sie werden für den weltweiten, starken Anstieg des Diabetes-Typ-II verantwortlich gemacht. Wem diese Unterscheidung im Supermarkt kompliziert ist, hier ist eine einfach Regel: Iss nichts, wofür Werbung gemacht wird!

Unverarbeitete und Halb-verarbeitete Lebensmittel

Kern der Ernährung sollten unverarbeitete Nahrungsmittel sein, also Gemüse, Obst, Getreide, Fisch, Fleisch und Geflügel. Das bedeutet notgedrungen auch, dass man selber kochen muss. Und dabei muss man eben auch halb-verarbeitete Helfer einsetzen, wie zum Beispiel Mehl, Milchprodukte oder Öl. Hülsenfrüchte, Fisch, kaltgepresstes Raps- oder Olivenöl und auch Nüsse wirken heilsam gegen Zivilisationskrankheiten, sagen die Studien. Warum aber dringen solche Erkenntnisse nur schwer an die Öffentlichkeit? Der Grund liegt einerseits im Medizinbetrieb. Ärzte werden nicht für präventive Ernährungsratschläge bezahlt, sondern für das Heilen von Krankheiten. Sie verdienen am Bypass und daran, dass der Patient wiederkommt. Andererseits: Was würden Sie sagen, wenn Ihr Arzt nach einem Herzanfall Pillen und Bypass strikt verweigert und stattdessen sagt „stellen Sie ihre Ernährung radikal um, essen Sie die Hälfte und machen Sie Sport.“

Buch

Bas Kast

Der Ernährungskompass. Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung

Verlag:
C. Bertelsmann
Genre:
Sachbuch
Länge:
320 Seiten
Bestellnummer:
978-3-570-10319-7
aus der Sendung vom

Do, 24.5.2018 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

Das neue Odysso-Logo von 2019

Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.