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SENDETERMIN Do, 28.5.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Was ist dran an Detox? Entgiftungsmythos auf dem Prüfstand

"Detox" heißt Entgiften und ist zurzeit besonders trendy. Mit speziellen Säften sollen Leber und Nieren entlastet werden. Funktioniert das?

Eva will’s wissen

Sie hat alle Prüfungen hinter sich und will sich jetzt etwas gönnen. Die Studentin Eva Damm aus Mannheim wird für uns eine Woche lang eine Detox-Kur machen: "Ich hab mich die ganze Zeit schlecht ernährt und jetzt bin ich total erschöpft. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren und hab oft Kopfschmerzen", sagt die 24-Jährige. Eva hat sich informiert und zahlreiche Artikel in der Frauenpresse zum Detox-Trend entdeckt: "Das klingt alles sehr positiv und ich gehe davon aus, dass mein Darm und meine Entgiftungsorgane sich erholen werden. Dann geht es mir insgesamt bestimmt bald besser".

Die "bösen Schlacken"

In einschlägigen Medien wird der Entgiftungstrend lauthals angepriesen. Dort ist von "Schlacken" die Rede, die das Ergebnis eines jahrelangen Bombardements mit schlechter Ernährung, Abgasen und Medikamenten seien. Diese "Schlacken" seien verantwortlich für fahle Haut, Müdigkeit und eine belastete Psyche. Damit die Entgiftungsorgane endlich einmal alles heraus schaufeln können, müssten sie durch eine Detox-Kur entlastet werden. Dafür gilt es, quasi zu fasten. Nur Obst und Gemüse sind erlaubt; am besten in Form von pürierten Säften, sogenannten Smoothies. Diese wird unsere Probandin zum Teil selbst mixen. Sie will sich aber auch unterstützen lassen und bestellt einige Detox-Produkte im Internet. Über die Preise ist sie geschockt: "Drei Säfte und ein veganes Abendessen am Tag kosten 50 Euro. Das gebe ich sonst in einer Woche für Essen aus."

Leber-Forscher ist skeptisch

Den Test begleitet der Leber-Forscher Prof. Helmut Karl Seitz. Damit wir herausfinden, ob die Detox-Kur etwas bringt, werden zu Beginn und am Ende der Woche einige Blutwerte überprüft: "Daran können wir sehen, ob die Entgiftungsorgane sich durch die Kur verändern. Ich bin da skeptisch, denn bei jungen Menschen sind diese Werte sowieso in Ordnung", so der Mediziner. Zudem wundert sich Seitz über die Vorstellung, man sei irgendwie verdreckt: "Diesen Begriff der "bösen Schlacken" gibt es in der Medizin überhaupt nicht", erklärt der Professor. Wird in punkto Detox etwas verkündet und verkauft, was nicht der Realität entspricht? Wir werden sehen.

Harte Woche

Eva führt über die Woche ein Videotagebuch. Dabei wird deutlich, dass die Detox-Kur ein echtes Opfer ist. Sie leidet, hat Hunger und vor allem die Säfte, die am Anfang noch gut schmeckten, machen ihr auf Dauer zu schaffen: "Die sind alle gleich. Ob rot oder grün oder lila: Alles schmeckt nach Apfelsaft mit Mint-Aroma. Wie soll ich das bloß durchhalten." Doch jede Woche geht einmal vorbei und so auch diese. Am Ende interessiert uns vor allem eins: Haben sich die Blutwerte verändert? Das Ergebnis ist niederschmetternd: Sowohl Leber- als auch Nierenwerte sind quasi gleich geblieben. Für Prof. Seitz kein Wunder: "Über Jahrmillionen haben sich die Enzyme der Leber immer wieder angepasst. Da gibt es für fast jeden Giftstoff ein Enzym, das diesen zerlegen kann. Da brauchen wir nichts Zusätzliches."

Zu viel Kalium

Im Gegenteil: Weil Obst und Gemüse viel Kalium enthalten, sind vor allem diese Werte im Blut der Probandin gestiegen. Hätte Eva ein unerkanntes Herz- oder Nierenproblem, dann wären diese Werte sogar gefährlich. Denn zu viel Kalium im Blut kann Herzrhythmusstörungen verursachen. In den Beschreibungen der Detox-Anbieter wird dies nicht erwähnt. Fazit: Die teuren Mahlzeiten und Säfte sehen zwar toll aus, bringen aber nichts. Eine Kur gegen das schlechte Gewissen, teuer erkauft. Prof. Seitz resümiert: "Hinterher sind Sie genauso dran, wie vorher auch. Lebensstil-Änderung mit gesunder Ernährung und ausreichend Ruhepausen wäre viel sinnvoller - auf die lange Sicht gesehen."

aus der Sendung vom

Do, 28.5.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.