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SENDETERMIN Do, 27.11.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Jagd gestern und heute Eine kurze Zeitreise durch die Geschichte der Jagd

Ein Streifzug durch die verschiedenen Epochen der Jagd: Von der Notwendigkeit zur Nahrungsbeschaffung in der Steinzeit bis zur heutigen Regulierung der Wildbestände war es ein weiter Weg.

Die Geschichte der Jagd. Ein altes schwarz-weiss Foto auf dem man mehrere Jäger mit erlegten Fasanen sieht

Die Jagd in der Frühzeit

Der Urmensch musste jagen um zu Überleben. Wildtiere waren Grundnahrungsmittel und Hauptlieferant von Proteinen. Die weiteren Bestandteile wie Fell und Knochen wurde zu Kleidung und feinen Werkzeugen verarbeiten. Das Überleben der Sippe hing von einer erfolgreichen Jagd ab. Auch damals verfügte der Mensch schon über Jagdmethoden und Jagdtechniken. Schnelllaufendes Wild wurde in den Abgrund getrieben. Für gefährliches und Großwild baute man Grubenfallen und erlegte die Beute mit Speeren oder erschlug es mit Steinen.
Mit der Sesshaftwerdung kam der Ackerbau und die Viehzucht. Die Jagd verlor an Bedeutung. Wildtiere wurden eher zum Konkurrenten um die angebaute Nahrung.
Die ersten Jagdkulturen
In der Antike erhielt die Jagd den Charakter des männlichen, des heroischen, der Stärke der Menschen über die Natur. Sie wurde zu einem mystischen Ritual, eine Erziehung zum Krieg und zur Tugend. Das Jagdglück war eine heroische und göttliche Angelegenheit. Die berühmteste Göttin der Jagd ist wohl Diana. Bis zu Beginn des frühen Mittelalters war die Jagd ein allgemein zugängliches Nutzungsrecht. Erst das erlegte Wild wurde zum Eigentum des Jägers.

Die Jagd im Mittelalter

Als im siebten Jahrhundert sich das mittelalterliche Herrscherprinzip heraus bildete, änderten sich die Jagdrechte. Könige und Fürsten beanspruchten zunehmend die wildreichsten Wälder und belegten sie mit einem Jagdverbot, den so genannten "Bannforsten". Die Anfänge der deutschen Jagdgesetzgebung gehen vermutlich auf König Dagobert I. im Jahre 638 zurück. Spätestens der passionierte Jäger Karl der Große erklärte in seiner Landgüterverordnung die herrenlosen Wälder zum Besitz der Krone, in denen nur noch Adlige von seinen Gnaden jagen durften. Folglich wandelte sich die Jagd zum reinen Adelsprivileg. Dies war das Ende der freien Jagd. Daraus entwickelte sich ein Jagdstrafrecht, das unberechtigt erlegte Jagdbeute als Wilddieberei verurteilte. Im Laufe der Zeit teilte sich der Adel in den so genannten Hochadel, wie Kaiser, Könige und Fürsten und dem niederen Adel, auch Landadel genannt, wie den Grafen und Baronen.

Malerei einer Jagdszene aus dem Mittelalter

Jagdszene aus dem Mittelalter: Hochwild für den Hochadel

So wurde auch das jagdbare Wild unterschieden. Hochwild, wie Hirsch und Wildschwein für den Hochadel und das Niederwild, wie Hase, Reh und Fasan, für den niederen Adel. Das ungezügelte Jagdfieber der Feudalherren dezimierte nicht nur den Wildbestand sondern verwüstete zunehmend die Äcker und Ernten der Bauern. Von Entschädigung des Adels keine Spur. Stattdessen forderten die Herren ihren Tribut von den Bauern. Darüber hinaus musste die Landbevölkerung Frondienste leisten und das jagdbare Wild den Jagdgesellschaften zutreiben. Das einfache Volk hungerte. Die Bauernkriege des 16. Jahrhunderts waren die Folge.

Der Absolutismus und die Jagd

Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte die höfische Jagdkultur einen Höhepunkt. Es werden Jagdschlösser errichtet, oft prächtiger als die eigentlichen Herrschaftssitze. Die Jagd diente nun als Zeitvertreib und Vergnügen der aristokratischen Gesellschaft. Man nutzte den gesellschaftlichen Treffpunkt auch um die Gunst des höheren Ranges zu erhalten. Die bürgerliche Revolution von 1848 beendete die Feudaljagd. Jetzt änderte sich das Jagdrecht zu Gunsten aller Bürger. Die Parlamentarier der Paulskirche binden das Jagdrecht an den eigenen Grund und Boden. Nur Eigentümer mit einer zusammen hängenden Mindestgröße durften die darauf befindlichen Tiere erlegen.

Durch diese neue Jagdfreiheit werden allerdings die Tierbestände von den Grundbesitzern stark dezimiert. Erst durch eine Neuregelung im Jagdrecht, welche Tiere bejagbar sind und dem Jagdausübungsrecht, das bestimmt, wer jagen darf, ist dieser Zustand beseitigt.

Das Reichsjagdgesetz

Die Jagd und das Trophäen sammeln war auch für den Reichsjägermeister Hermann Göring das höchste Vergnügen. Inspiriert vom Leiter des Jagdbundes Ulrich Scherping veranlasst er 1934 das Reichsjagdgesetz. Die Hege und Pflege, festgelegte Jagd- und Schonzeiten und eine strenge Jägerprüfung wurden Pflicht. Das spätere Bundesjagdgesetz hat viele Elemente des Reichsjagdgesetzes übernommen.

In den 1970er Jahren wurde das Bundesjagdgesetz novelliert. Der Schutz des Forstes und der Artenschutz werden wichtiger. Die Jagd steht immer im Wandel der Zeit. War es die reine Nahrungsbeschaffung, das Vergnügen der Aristokraten oder der Trophäenkult. Die Jagd steht auch immer in der Kritik. Heute wird eine ökologische Jagd gefordert.

aus der Sendung vom

Do, 27.11.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.