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SENDETERMIN Do, 5.2.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Sicherheit Einbrecher - So leicht kommen sie in Wohnungen und Häuser

Versuche in Europas größtem Testlabor für Einbruchsicherheit zeigen: Viele Fenster und Türen können Profis in wenigen Sekunden aufbrechen. Doch welche Maßnahmen bieten Sicherheit?

Ein kriminaltechnischer Angestellter der Polizei sichert Spuren an einer Eingangstür.

Frank Klopotowski hat einen ungewöhnlichen Beruf. Er ist Testeinbrecher. Er arbeitet in Europas größtem Testlabor für Einbruchsicherheit. Seine Versuche haben oft erschreckende Ergebnisse: Viele Fenster und Türen können Profis in wenigen Sekunden aufbrechen. Der bisherige Rekord von Frank Klopotowski: fünf Sekunden, bei einem Fenster.

Einbrecher benötigen oft nur wenige Sekunden

Einbrecher können sich in Deutschland ziemlich sicher fühlen - 85 Prozent der Täter werden nie gefasst. Und bei den meisten Wohnungen benötigen Einbrecher nur Sekunden, um reinzukommen. Dazu brauchen sie nicht einmal besonderes Werkzeug: In mehr als drei Viertel der Fälle reicht den Einbrechern ein ganz normaler Schraubenzieher, um Türen oder Fenster aufzubrechen.

In den meisten Fällen benutzen Einbrecher simpelste Werkzeuge

Manchmal geht es sogar noch einfacher: Mit einer alten Kreditkarte oder einer ähnlichen Plastikkarte. Der Trick ist bekannt aus dem Tatort - leider funktioniert er wirklich. In nur fünf Sekunden öffnet Frank Klopotowski eine Tür mit der Plastikkarte, und zwar fast geräuschlos. Das funktioniert immer dann, wenn die Tür nicht mit dem Schlüssel abgeschlossen wurde, sondern lediglich ins Schloss gefallen ist. Daher sollte man immer abschließen, und zwar mit zwei Umdrehungen des Schlüssels: Bevor man sich schlafen legt, aber auch, wenn man nur mal kurz weggehen möchte.

Riegel, Rahmen, Schließzylinder: Überall können Schwachstellen lauern

Doch auch abgeschlossene Türen sind für Einbrecher oft kein Hindernis. Im Labor führt Frank Klopotowski vor, welche Tricks Einbrecher anwenden, um Türen in Sekundenschnelle zu öffnen. Ein dieser Tricks: Die so genannte Ziehglocke. Zunächst dreht der Einbrecher eine Schraube aus zähem Stahl mitten in den Schließzylinder hinein. Dort, wo man normalerweise von außen den Schlüssel in den Zylinder steckt. Sobald die Schraube fest im Zylinder sitzt, wird die Ziehglocke aufgesetzt. Sie zieht mit gewaltiger Kraft an der Schraube. Ergebnis: Oft bricht der Schließzylinder einfach aus der Tür. Der Einbrecher benötigt dann nur noch einen Schraubenzieher, um das Schloss zu öffnen.
Gegen diesen Trick hilft ein besserer Schließzylinder aus besonders gehärtetem Stahl. Hat man ihn eingebaut, bricht nicht mehr der Zylinder ab, sondern die Schraube des Einbrechers.

Einbruchsversuch an Fenster

Nicht einmal ein Viertel der Einbrecher wird gefasst

Der nächste Trick, den Frank Klopotowski vorführt, ist noch erschreckender: Denn dazu braucht der Einbrecher keine Spezialwerkzeug, sondern nur einen ganz gewöhnlichen Schraubenzieher. Er ist mit Abstand das häufigste Einbruchwerkzeug. Warum? Weil sich der Schraubenzieher bei der Flucht blitzschnell verstecken lässt, zum Beispiel im Ärmel. Und weil der Schraubenzieher für die meisten Einbrüche völlig ausreicht - leider.

Einbruch in einer Sekunde

Testeinbrecher Frank Klopotowski führt es vor. Das Testobjekt: Eine fabrikneue Wohnungstür, direkt aus dem Fachhandel. Verkauft als Wohnungseingangstür. Sie wird mit zwei Umdrehungen abgeschlossen. Dennoch braucht Frank Klopotowski mit dem Schraubenzieher nur eine Sekunde, um die Tür aufzubrechen. Neue Rekordzeit für ihn: Kaum hat er den Schraubenzieher außen angesetzt, bricht schon der Türrahmen auseinander. Frank Klopotowski ist nur mäßig überrascht über das Ergebnis. Er warnt: "Es war eine Standard-Wohnungseingangstür. Wir haben schon viele davon geprüft, und die haben immer ähnliche Ergebnisse. Die sind nur aus Press-Span und die Schließbleche sind mit drei kleinen Schrauben in den Press-Span eingeschraubt. So etwas kann gegen einen Einbrecher nicht halten." Frank Klopotowskis Tipp: Niemals Standardware kaufen, sondern immer Türen und Fenster, die als einbruchhemmend ausgezeichnet sind, zum Beispiel mit dem VDS-Logo (der VDS betreibt auch das Einbruchslabor, in dem Frank Klopotowski arbeitet).
Auch an einem Fenster demonstriert Frank Klopotowski, wie wenig die Standardware schützt. Das Fenster ist ebenfalls fabrikneu, diesmal aus dem Baumarkt. Ein Schraubenzieher reicht: Schon nach vier Sekunden bricht die untere Hälfte auf. Insgesamt braucht der Test-Einbrecher nur 29 Sekunden, um das Fenster zu öffnen. Er hatte vorher sogar mit deutlich weniger gerechnet, denn meist ist er schneller.
Besonders alarmierend: Ein Einbruch ist nicht einmal laut. Im Labor nachgemessen sind Einbrüche selten lauter als 80 Dezibel. Das ist ungefähr die Lautstärke eines vorbeifahrenden Autos. Selbst direkte Nachbarn hören meist nichts, egal ob ein Fenster oder eine Tür aufgebrochen wird.

Mit einfacher Technik kann man sich vor Einbrechern schützen

Doch man ist den Einbrechern nicht hilflos ausgeliefert. Mit einfacher Technik kann man sich schützen. Auch das zeigen die Versuche im Einbruchslabor. Beispiel Wohnungstür: Frank Klopotowski attackiert noch einmal genau die Tür, bei der er vorher nur eine Sekunde gebraucht hat. Doch jetzt ist sie mit einem so genannten Querriegel ausgestattet: Das ist ein Metallbügel, der innen von der linken Seite des Rahmens bis zur rechten verläuft. Der Querriegel lässt sich bei den meisten Türen nachträglich einbauen. Mit überraschendem Ergebnis: Wo der Einbrecher vorher nur wenige Sekunden braucht, hält die Tür jetzt viele Minuten stand.
Ähnlich ist es bei Fenstern: Man kann sie nachträglich mit kleinen Zusatzschlössern sichern. Sie halten dann nicht nur einige Sekunden stand, sondern viele Minuten.
Und diese Minuten können entscheidend sein; denn die Polizeistatistik zeigt: Wenn ein Täter nicht innerhalb von zwei bis fünf Minuten reinkommt, gibt er auf. Und das passiert nicht gerade selten: Inzwischen wird die Hälfte aller Einbruchversuche abgebrochen. Denn die Deutschen schützen ihre Wohnungen und Häuser immer besser gegen Einbrüche.