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SENDETERMIN Do, 27.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Bioethik Dürfen wir Tiere töten?

Feinfühlig, empfindsam und intelligent: Tiere sind eigenständige Wesen. Der Mensch tötet sie, weil sie ihm gut schmecken. Ist das moralisch vertretbar?

Dürfen wir Tiere töten?

Mit allen Kräften versuchen sie dem Tod zu entrinnen und geben dabei Laute von sich, die für empathiefähige Menschen nur schwer zu ertragen sind: Schlachttiere sind empfindungsfähige Wesen mit einem starken Überlebenstrieb – und einem Recht auf Leben, so die Philosophin Hilal Sezgin: "Das Leben ist ein essentielles Gut aller Lebewesen." Ihnen dieses Gut zu nehmen, sei ein Übel an sich.

Geboren, um zu sterben

Ganze Wirtschafts- und Industriezweige hat der Mensch erschaffen, um Tiere hervorzubringen, die nach einem kurzen Leben geschlachtet und gegessen werden. Das perfide dabei: Während mehr als 750 Millionen Nutztiere jedes Jahr hinter verschlossenen Türen brutal geschlachtet werden, leben andere wie Hund und Katze als verhätscheltes Familienmitglied ein gutes Leben. Was entscheidet über Leben und Tod: Sprache, Selbstbewusstsein, eine eigene Biographie?

Macht der Gewohnheit

Der Mensch ist daran gewöhnt, Tiere in Stücke zu zerlegen und sich damit über ihr Lebensrecht hinwegzusetzen. Manch einer versucht diese Tradition mit dem Überlebenskampf zu rechtfertigen. Dieser laufe in der zivilisierten Welt zwar anders ab als zu Urzeiten, stecke aber irgendwie immer noch im Menschen drin, so die gängige Argumentation. Aber warum sollte der Mensch ausgerechnet beim Fleischverzehr in der Steinzeit stehen geblieben sein? In anderen Dingen orientiert er sich ja auch nicht an dem, was seine Vorfahren früher getan haben.

Vernunft und Verantwortung

Auch das Argument, dass ein Löwe einen Menschen in der freien Natur schließlich auch töten würde, hält nicht stand. Denn, so Sezgin: "Vom Löwen können wir kein moralisches Verhalten erwarten." Im Unterschied zum Menschen könne der Löwe sich nicht von seinen Wünschen distanzieren und es anders machen. Allein der Mensch stehe als Vernunftwesen in der Verantwortung, sein eigenes Handeln zu reflektieren und die Bedürfnisse der Tiere zu respektieren. Diese brauchen zwar keinen Führerschein und kein Recht auf Bildung. Sie haben andere Bedürfnisse als Menschen. Wie Menschen haben sie aber ein starkes Bedürfnis, am Leben zu bleiben.

Den Schaden begrenzen

Zwar kann der Mensch nicht leben, ohne anderen zu schaden. Schon ein Schritt von ihm in freier Natur tötet Kleinstlebewesen. Daraus folgt aber nicht, dass er beliebig viel Schaden anrichten darf. Sezgin: "Nur weil mir im Sommer ein Insekt gegen die Windschutzscheibe ballert, heißt das nicht, dass ich deswegen ein Schwein abstechen darf. Manche Schäden geschehen, manche Schäden kann man nicht vermeiden. Aber die, die ich vermeiden kann, über die muss ich nachdenken."