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SENDETERMIN Do, 3.12.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Drei Wochen ohne Dusche Hygiene

Immer wieder liest man Schlagzeilen wie "Warum häufiges Duschen krank macht" oder "Duschen schadet der Haut". Kann man auf die Dusche verzichten? odysso macht den Test.

Schadet häufiges Duschen der Haut?

Für Laura Blumenthal beginnt fast jeder Morgen mit einer ausgiebigen Dusche. Doch ist das wirklich gesund? Laura ist ganz zufrieden mit ihrer Haut: "Nur im Gesicht hab ich manchmal Pickelchen". Für odysso lässt sich die Studentin auf ein ungewöhnliches Experiment ein: Drei Wochen lang wird sie sich nur ein Mal pro Woche duschen. Und auch dann nur mit Kernseife. Immerhin, Katzenwäsche ist auch an den restlichen Tagen erlaubt - wenn auch nur an den prekären Stellen. Denn dort entsteht besonders viel Schweiß. Ihr Freund Kevin darf dagegen weiterhin täglich duschen. "Mit unserem Experiment wollen wir prüfen, inwieweit das Waschverhalten einen Einfluss auf die Besiedlung der Haut mit Mikroben hat. Und ob bestimmte Hauterkrankungen und Ekzeme durch häufige Wäsche sogar gefördert werden können", erklärt Dermatologe Prof. Dr. Rudolf Schopf von der Mainzer Universitätsklinik.

Mikroben auf der Haut

Mit jeder Türklinke, die wir anfassen, mit jedem Menschen, den wir küssen, nehmen wir neue Bakterien auf. Doch das klingt schlimmer als es ist, weiß Schopf: "Die meisten Mikroben sind sehr nützlich für uns, wie zum Beispiel Staphylococcus epidermidis. Dieser Keim bildet Eiweiße, die in der Lage sind, andere krankmachende Bakterien abzuwehren". Wir profitieren von den Bakterien auf unserer Haut: Indem sie sich selbst vor Eindringlingen schützen, schützen sie auch uns.

Eine Frau steht in einem Badezimmer und wäscht sich.

Mehr Krankheitserreger durchs Waschen?

Und doch gelangen manchmal auch krankmachende Bakterien auf die Haut - wie zum Beispiel Staphylococcus aureus. "Dieses Bakterium kann Hautkrankheiten auslösen. Oder eine Sepsis, eine Blutvergiftung, wenn es in die Blutbahnen gerät." Die Frage ist, welchen Einfluss die tägliche Dusche auf unseren Mikrobenhaushalt hat: Schaffen wir durch unsere Reinlichkeit erst den Platz für krankmachende Bakterien?

Das Experiment wird Alltag

Laura Blumenthals Tag ist eng getaktet: Sie versorgt und bespaßt ihren einjährigen Sohn, sie hält die Wohnung sauber und meistert sogar noch ihr Studium an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zu diesem schweißtreibenden Alltag kommt jetzt unser Experiment hinzu. Schon nach drei Tagen würde sie am liebsten unter die Dusche springen: "Heute bin ich wach geworden und dachte, jetzt muss ich endlich duschen." In der zweiten Woche zeigt sie sich schon entspannter: "Ich darf in zwei Tagen wieder duschen, da freu ich mich auch drauf. Aber es ist normal geworden. In der ersten Woche hab ich mich noch unwohl gefühlt. Da habe ich Kevin oft gefragt, stinke ich? Jetzt mache ich mir keine Gedanken mehr darüber. Und ich lasse mich auch nicht einschränken: Ich gehe einkaufen und treffe mich mit Freunden." Das Experiment ist für Laura Blumenthal Alltag geworden. Und auch die dritte Woche bewältigt Laura mit links: "Morgen geht’s ab zum Arzt, der dann feststellt, ob die Haut besser oder schlechter geworden ist - ich bin gespannt!"

Das Ergebnis - Haben sich die Mikroben verändert?

"Optisch habe ich keine Veränderung meiner Haut festgestellt", erzählt Laura Blumenthal. Prof. Dr. Schopf nimmt wie vor dem Experiment Abstriche der Haut. Erst von Laura, dann auch wieder von Kevin. Im Labor werden die Proben schließlich ausgewertet und das überraschende Ergebnis verkündet:"Laura Blumenthal hat zwei neue Bakterien auf ihrer Haut, nämlich Acinetobacter iwoffii und Pseudomonas stutzeri - das sind Bakterien, die normalerweise in Spuren bei jedem Menschen vorkommen. Aber hier hatten sie günstige Bedingungen sich zu vermehren und diese Bakterien helfen uns gesund zu bleiben", so Prof. Dr. Schopf. Und nicht nur Laura Blumenthal hat diese neuen Bakterien auf der Haut, trotz täglichen Duschens ist auch ihr Lebensgefährte davon besiedelt. Durch den engen Kontakt der beiden konnten sie auch auf ihm wachsen. Denn nicht nur jedes Individuum, sondern auch Familien haben einen mikrobiellen Fingerabdruck: Je näher sich Menschen stehen, desto ähn¬licher auch die Mikroben der Haut. Laura beeindruckt das Ergebnis. Sie ist froh wieder frei über ihre Hygiene entscheiden zu können, hat für sich aber auch entschieden: "Ich werde nicht mehr jeden Tag duschen." Mit der Hygiene sollte man es nicht übertreiben - auch hier gilt wie so oft: Weniger ist manchmal mehr.