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SENDETERMIN Do, 27.4.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Mein Diesel Wie belastend bin ich? (Teil 2)

Autor Frank Wittig klärt die Frage, ob er als Diesel-Fahrer mitverantwortlich ist für die Schädigung unserer Gesundheit und unserer Umwelt.

Beim Skoda-Händler

Termin bei meinem Skoda-Händler in Mainz. Die Schummel-Software soll entfernt werden. Nachdem Sachbearbeiter Mario Franco meine Daten aufgenommen hat, steht dem Update meines Diesels nichts mehr im Weg. Im gesamten VW-Konzern waren die Motoren dieser Generation so programmiert, dass sie die Abgasreinigung nur auf dem Prüfstand erledigten und sie im normalen Fahrbetrieb ausschalteten. Der Mechatroniker Marco Arnold drückt unter der Armatur auf der Fahrerseite einen vielpoligen Stecker in meinen Skoda, stellt die Verbindung zwischen seinem Computer und der Motorsteuerung meines Skodas her. Gerne hätte ich gewusst, wie viel sauberer ich durch das Update werde. Aber die Mitarbeiter von Skoda sagen, dass sie sich hierzu nicht äußern wollten. Der Motor käme von VW. An die sollte ich mich wenden. Die ganze Prozedur dauert nur 4 Minuten. Ich habe gelesen, dass einige Fahrzeuge mit der neuen Steuerung Leistung verloren, nicht mehr rund liefen, mehr Sprit brauchten. Was sich allerdings mit einem Update des Updates wieder korrigieren ließ. Nach der Neuprogrammierung bekommt mein Skoda vom Mechatroniker Marco Arnold noch eine Plakette, die anzeigt, dass mein Diesel von jetzt an nicht mehr schummelt.

Nur 30 Prozent sauberer!

Von VW hab ich erst nach langem Hin-und-Her die Information bekommen: vor der Umrüstung etwa ein halbes Gramm und nach der Umrüstung etwa ein Drittel Gramm Stickoxid pro Kilometer. Das ist eine Verbesserung um 30 bis 40 Prozent. Nimmt man allerdings die aktuellen strengen Euro6-Grenzwerte zum Maßstab, dann liege ich um einen Faktor vier darüber. Dieser Euro6-Grenzwert ist zwar auf dem fragwürdigen Rollenprüfstand genommen worden und nicht wie meine realistischen Werte im Verkehr. Trotzdem: Um den Faktor vier darüber. Damit fühle ich mich nicht wirklich gut. Immerhin, so wie es aussieht hat mein Skoda das Update ohne Leistungseinbußen oder sonstige Komplikationen verkraftet. Er fährt sich so ruhig und rund wie vor dem Update.

Als nächstes mache ich mich auf den Weg nach Stuttgart zum Institut für Kraftfahrzeugwesen und Fahrzeugmotoren. Hier wird zu allen erdenklichen Aspekten an Motoren geforscht. Oft im Auftrag der Autoindustrie. Was ich wissen möchte: mein Diesel ist vier Jahre alt. Ich könnte mit ihm sicher noch 250.000 Kilometer fahren. Aber: er stößt dabei siebenmal so viel Stickoxide aus, wie ein Benziner. Wäre es unter umweltgesichtspunkten nicht sinnvoll, das Auto stillzulegen? Prof. Michael Bargende, Experte für Verbrennungsmotoren soll mir helfen, das belastete Verhältnis zwischen mir und meinem Diesel zu klären. Die Idee, meinen Diesel stillzulegen, hält er für abwegig: „Naja, wenn sie sich die ganze Ökobilanz anschauen, dann hieße das ja – wenn alle so denken wie sie – dass wir jetzt Millionen Fahrzeuge verschrotten müssten. Das würde ja überhaupt keinen Sinn machen.“ Außerdem würden dann die CO2-Werte deutlich ansteigen, ganz einfach, weil der Diesel-Motor derjenige sei, der am wenigsten CO2 emittiere. „Von der Seite ist es auch von der Ökobilanz her das richtige, dass Sie weiterfahren.“

Und dann sagt der kräftige Mittfünfziger mit dem 6-Tage-Bart etwas, das ich bisher gar nicht bedacht hatte: „Wenn sie Erdöl in die Raffinerie tun, dann bekommen sie nicht nur Benzin heraus, sondern in etwa dem gleichen Ausmaß auch Diesel. Und dieser wertvolle Saft ist am besten zu verarbeiten in Motoren. Weil das das günstigste, für die Kunden beste Paket ist. Nämlich ein flüssiger Kraftstoff mit einem Verbrennungsmotor.“

Neueste Dieseltechnik ist „sauber“

Und die neuesten Dieselmotoren bekommen offenbar auch das Problem mit den schlechten Abgaswerten in den Griff. Prof. Bargende zeigt mir ein Balkendiagramm aus einem Testbericht des Kraftfahrzeugbundesamtes, das deutlich macht, dass der neueste Dieselmotor von VW selbst unter realen Verkehrsbedingungen kaum mehr als ein Drittel des strengen Euro6-Grenzwertes von 0,08 Gramm Stickoxid pro Kilometer erreicht. „Das heißt, es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis allmählich die alten Diesel aus dem Markt gehen und durch die neueren sauberen Diesel ersetzt werden.“ „ Aber was ist mit dem Feinstaub?“, war natürlich sofort meine nächste Frage.
„Wir haben einen geschlossenen Partikelfilter, der keine Partikel nach hinten mehr raus lässt. Und im Gegenteil sogar aufgewirbelte Partikel von voraus fahrenden Fahrzeugen praktisch ansaugt und im Luftfilter oder spätestens dann im Partikelfilter festhält. Das heißt, wenn sie so wollen, heute reinigt ein Dieselfahrzeug aufgewirbelte Partikel von der Straße weg.“

Wie schädlich bin ich?

Beim Feinstaub – das lerne ich hier – müsste mein Skoda schon recht gute Filterleistung bringen. Aber wie soll ich mit meinen hohen Stickoxidemissionen umgehen. Ich bin immer noch in Sorge und bitte den Motorexperten um Rat. Der schmunzelt bei so viel ökologischem Gewissen. „Also wenn sie für ihr Umweltgewissen noch wirklich was tun wollen, dann lassen Sie doch ihren Diesel, wenn sie in die Stadt fahren, stehen und fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und außerhalb der Stadt verdünnen sich die Abgase so stark, dass sie nun wirklich keinerlei Problem darstellen.“ Meine Recherchereise neigt sich dem Ende. Für mich war das eine interessante Tour. Vor allem mit einem schönen Ergebnis. Wir wohnen nämlich tatsächlich auf dem Land. Und ich fahre immer mit der Bahn zur Arbeit nach Mainz. Und unser Diesel ist meistens auf dem flachen Land unterwegs, wo die Luft alles verdünnt. Ich hab also gelernt: Ich bin gar nicht so schädlich. Ich muss mir keine Sorgen machen. Auch wenn es manchmal etwas beschwerlich ist: ich bin schon immer gerne mit der Bahn gefahren. Und jetzt hab ich noch einen Grund mehr dafür.