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SENDETERMIN Do, 2.7.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso Die Ökonomisierung der Natur - Zerschneidung

Der Südwesten Deutschlands ist extrem zerschnitten und zersiedelt. frag odysso-Reporter Axel Wagner hat nachgefragt, wie Amphibien und Wildtiere da noch eine Chance haben?

Unsere Mobilität schadet der Natur. Das zeigt sich ganz direkt auf unseren Straßen. Um gefährdete Tierarten zu schützen betreut Johannes Ebert vom Bereich Naturschutz der Stadt Baden-Baden die alljährliche Krötenwanderung. Nur 60 Autos pro Stunde genügen, um eine Krötenpopulation nahezu auszulöschen. "Und es reicht sogar schon die Druckwelle", erklärt Johannes Ebert, "wenn die Tiere zwischen den Reifen sind um sie zu töten. Um Amphibien wie Kröten und Salamander vor einem solchen Schicksal zu bewahren wurden Schutzzäune und Sammelbehälter installiert. Freiwillige und Mitarbeiter der Stadt bringen die Amphibien sorgsam über die Straße, die das Revier der Tiere zerschneidet - dringend notweniger Artenschutz, denn den Amphibien geht es schlecht in Deutschland. Und auch dieses Engagement kann das Problem nur lindern.

Wie zerschnitten ist Baden-Württemberg?

Eine Karte von Baden-Württemberg die die Durchgängigkeit von Landscahft zeigt

Man muss kein Experte sein um zu erkennen, dass unsere Landschaft zerschnitten ist. Wir unterwerfen sie der Mobilität und opfern dabei jede Menge Natur. Am Institut für Landschaftsplanung und Ökologie der Uni Stuttgart untersucht Hans-Georg Schwarz von Raumer seit vielen Jahren die Probleme der Landschaftszerschneidung. "Ja, wir sind ein sehr zerschnittenes Land. Baden-Württemberg ist da in gleicher Situation wie die Niederlande oder Belgien", erläutert Dr. Schwarz-von Raumer, "Und es ist unbedingt Zeit hier, sozusagen, Einhalt zu gebieten, wenn es um weitere Zerschneidung geht."

Dennoch wird gerade im Südwesten gerade kräftig geschnitten - wie zum Beispiel beim Ausbau der A8 bei Pforzheim. Doch neben all den Erdarbeiten im Dienste der Mobilität will man hier den Tieren mit einer speziellen Grünbrücke helfen. Diese geplante Brücke soll den Tieren wie dem Hirsch, Wildschwein, Reh aber auch die Wildkatze und sogar dem Luchs helfen, die ansonsten tödliche Barriere überwinden zu können.

Der General-Wildwege-Plan

Doch woher weiß man, welche Arten hier zu erwarten sind? "Es gibt den sogenannten General-Wildwege-Plan", sagt Dr. Schwarz-von Raumer, "Das ist wie ein Straßennetz für Wildtiere". Der Wildwege-Plan zeigt wahrscheinliche Bewegungsbahnen der Wildtiere bei ihrem Gang durch die Landschaft. Die geplante Grünbrücke soll eine Unterbrechung der Bewegungsbahn verhindern und die Durchgängigkeit von Norden nach Süden an dieser Stelle wieder gewährleisten.

Lange zeit war nicht bekannt, wie wichtig die Verbindung zwischen Teilpopulationen ist. Doch langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Wildtiere - um sich zu vermehren und überleben zu können - Grünbrücken brauchen. 12 dieser Grünbrücken will das Land Baden-Württemberg nun bauen - zumindest ein Anfang.

aus der Sendung vom

Do, 2.7.2015 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.