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SENDETERMIN Do, 2.7.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso Die Ökonomisierung der Natur - Flächenverbrauch

Eine intakte Natur wünscht sich jeder. Aber wenn wir uns entscheiden müssen zwischen Investitionen, Arbeitsplätzen, Steuereinnahmen oder Naturschutz, ist fast immer klar, wer gewinnt.

Grün ist die vorherrschende Farbe unserer Landschaft - aber dieses Grün ist trügerisch. Es ist ein Grün der Landwirtschaft. Von echtem Grün der Natur ist bei uns nur wenig zu sehen. Unsere Welt liegt in der Hand des Menschen. Wie sich dieser Flächenverbrauch auswirkt untersucht Prof. Rüdiger Glaser mit seinem Team.

Mit Luftaufnahmen wollen die Freiburger Geografen die Landnutzung am Ufer der Kinzig untersuchen. Ein Fluss, der einst begradigt wurde. Nun soll er durch Renaturierung ökologischer werden. "Wir machen hier eine Detailaufnahme", sagt Prof. Glaser, "und vergleichen die Aufnahme der Situation hier mit den Zuständen vor 100 Jahren und vor 200 Jahren." Sind diese Maßnahmen ein Zugeständnis? Ein bisschen Renaturierung an dieser Kulturlandschaft, die der Mensch sich mehr und mehr nimmt? "Das kann man gut so sagen, es ist sicherlich eine Kompromiss-Situation", erklärt Prof. Glaser, " Wir sind ein dicht besiedeltes Land, wir haben sehr viele Ansprüche". Raum wieder zu geben ist ein schwieriges Unterfangen, denn mehr und mehr Natur-Landschaft wird von uns Menschen in Beschlag genommen.

Zwei Männer unterhalten sich, daneben lieben Leitplanken

Der enorme Flächenverbrauch des Menschen ist nach Prof. Glaser ein eher stilles Thema. Klimawandel und Artenverlust ist nahezu allen Menschen als Problem bekannt, aber das in Deutschland - und damit auch im Südwesten - 100 Hektar pro Tag an Fläche verbraucht werden, für Infrastrukturmaßnahmen, für Gewerbeflächen, für Siedlungsflächen zersiedelt werden ist den Menschen in der Regel nicht bewusst.

"Die Natur spielt immer die zweite Geige heutzutage", bedauert Prof. Glaser, "Wir haben hohe Nutzungsansprüche an den Raum - und da verbleibt der Natur oft nur so ein Nischendasein". Und oft wird die Natur völlig sinnlos geopfert, wie die Forscher der Uni Freiburg überall beobachten können, denn häufig werden geplante und erschlossene Gewerbegebiete überhaupt nicht genutzt. In Deutschland werden so viele Flächen vorgehalten, dass man die nächsten 30 Jahre keine zusätzlichen Flächen mehr ausweisen müsste.

Der größte Naturverbrauch fällt aber der Landwirtschaft zum Opfer. Im ganz großen Stil hat sie heimische Tiere und Pflanzen verdrängt. Wir sind ein Agrarland - kein Naturland. 50 Prozent der Landschaft von Deutschland wird von der Agrarlandschaft eingenommen. Die Monokulturen haben zusammen mit Bioziden und Dünger nahezu alles verdrängt, was dort eigentlich zuhause ist.

Und doch können wir zuhause einiges tun: vielleicht im Vorgarten wieder mehr Pflanzen zulassen, die man als Unkräuter früher herausgerupft hat, die Blumenwiese mal aufwachsen lassen, Fassadenbegrünung und wenn möglich eine Dachbegrünung - all das sind kleine aber wichtige Schritte gegen eine weitere Zurückdrängung der Natur.

aus der Sendung vom

Do, 2.7.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.