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SENDETERMIN Do, 5.3.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Portrait Die Feuerwehrfrau

Sie galt lange als Männerdomäne: die Feuerwehr. Nur etwas für hartgesottene Kerle. Das stimmt nicht mehr. Die Frauen entdecken das spannende Feld für sich. odysso traf eine von ihnen.

Feuerwehrfrau in Berufskleidung mit Helm.

Sie galt lange als Männerdomäne: die Feuerwehr. Nur etwas für hartgesottene Kerle. Das stimmt nicht mehr. Die Frauen entdecken das spannende Feld für sich. odysso traf eine von ihnen.
Abteilung fünf der freiwilligen Feuerwehr von Freiburg ist im "Spritzenhaus" am Rieselfeld zur Übung angetreten. Zugführer Asal übergibt nach einer knappen Begrüßung das Wort an Deutschlands jüngste Feuerwehrfrau, die eine Gruppe führt: Christine Kaiser. Die 23jährige erklärt in entspanntem Ton: "Wir werden einen Küchenbrand fahren. Der wird hier im Gebäude stattfinden. Alles Weitere erfahrt Ihr dann vor Ort."
Im Nu sind die Feuerwehrleute in Ihren Fahrzeugen. Die Gruppe von Christine Kaiser umfasst sechs Männer. Die legen ihre Ausrüstung an und sind gespannt auf das Einsatzszenario. Ihre Gruppenführerin schätzt an der Feuerwehr den spannenden Mix: "Technik, Gemeinschaft, Verantwortung und Engagement, das ist eigentlich eine sehr gute Kombination, die sehr viel Spaß macht."

Technik, Gemeinschaft, Verantwortung, Engagement

Am Einsatzort gilt es, so schnell wie möglich Informationen einzuholen. Wie ist die Schadenslage? Sind Personen zu retten? In dieser Übung spielt Christines Vater einen Hausmeister, der diese Informationen übermittelt: Wohnungsbrand im ersten Stock. Zwei Personen müssen gerettet werden. Christine Kaiser erzählt, ihr Vater habe viel dazu beigetragen, dass sie zur Feuerwehr gegangen ist: "Weil er Kommandant von einer anderen Abteilung war. Und mich dann immer überall hin mitgenommen hat, auf Bewegungsfahrten, auf Veranstaltungen. Ich war ganz oft im Gerätehaus."
Ihr Vater kann das nur bestätigen: "Für sie war ich eigentlich immer der Feuerwehrmann. Denn solange sie auf der Welt ist, kannte sie von mir nichts anderes als die Feuerwehr. Deshalb wusste sie auch schon immer gut Bescheid und war auch eine der ersten weiblichen Jugendfeuerwehr-Frauen."
Vor Ort ist schnell klar: die Gruppe von Christine Kaiser wird die Personenrettung mit der Drehleiter übernehmen. Sie gibt entsprechende Anweisungen an "ihre" Männer. Und die setzen die Anweisungen umgehend um. Auf die Frage, ob das für ihre Kollegen, von denen die meisten auch noch deutlich älter sind, nicht ein Problem sei, lacht die junge Feuerwehrfrau.

Feuerwehrleute löschen am 08.02.2013 in Dresden (Sachsen) eine brennende Wohnung in einem Mehrfamilienhaus. Dort ist am Freitagnachmittag ein Feuer ausgebrochen.

"Eigentlich nicht. Nein. Ich denke nicht. Ich empfinde es nicht als Problem."
Bernhard Asal, Zugführer und Vorgesetzter von Christine Kaiser, sieht das genauso. "Das ist überhaupt kein Problem. Respekt hat nichts mit Mann oder Frau zu tun. Sondern den muss man sich verdienen. Und den hat sie sich verdient in den Jahren die sie bei uns ist."
Mittlerweile ist der Korb der Drehleiter vor dem Fenster angekommen, aus dem weißer, ungefährlicher Kunstrauch quillt. Ein Mitglied der Jugendfeuerwehr spielt den Bewohner der brennenden Wohnung und klettert - assistiert vom Feuerwehrmann - in den Rettungskorb.

Respekt hat nichts mit Mann oder Frau zu tun

Die andere Gruppe muss eine Person über das Treppenhaus retten. Alles muss zügig gegen, Aber nicht hastig. Die Feuerwehrleute dürfen sich nicht selbst gefährden. Im Ernstfall sind solche Einsätze natürlich nicht ungefährlich. Aber für die Feuerwehrleute auch ein Abenteuer, das sie lieben. Christine Kaiser allerdings blieb der erste richtig große Einsatz bisher verwehrt.
"Es ist eher so ein persönliches Gefühl, dass ich eine Notfallbremse bin und dass einfach nichts passiert, wenn ich Zeit habe. Es sind immer nur Einsätze, wenn ich verhindert bin, wenn ich nicht in der Stadt bin. Und wenn ich denke, jetzt könnte was kommen, jetzt habe ich Zeit, dann sind natürlich keine Einsätze oder nur sehr selten Einsätze."
Vom Treppenhaus her arbeitet sich der Angriffstrupp zum Brandort vor. Hier vor der Wohnungstür herrschen noch recht gute Sichtbedingungen. Damit das auch so bleibt, montieren die Männer einen Rauchschutz an der Wohnungstür.
Dann geht´s hinein in die verqualmte Wohnung. Unter schwierigen Sichtverhältnissen in unbekannter Umgebung eine bewusstlose Person zu finden, ist immer wieder eine Herausforderung.

Christine Kaiser am Funkgerät

Die Gruppenführerin hält von außen den Kontakt zu ihren Männern, ist für deren Sicherheit verantwortlich. Reißt der Funk dauerhaft ab, muss sie ein Notfallteam hinterherschicken, um die Retter zu retten.
Der Angriffstrupp hat die bewusstlose Person gefunden. Sie muss so schnell wie möglich aus dem Rauch geschafft werden. Über Funk gibt Christine Kaiser weitere Anweisungen: "In der Küche gibt es eine Abluftöffnung. Findet ihr die und könnt die öffnen?"
Damit geht die Übung dem Ende entgegen. Und die Gruppenführerin sagt, sie ist sehr zufrieden mit dem Ablauf: "Die Menschen wurden gerettet. Das war das Ziel. Der Brand wurde bekämpft, das war das zweite Ziel. Diese Ziele wurden erfüllt und alle sind unbeschadet herausgekommen."

Vater und Tochter sind sich einig

Mit Ihrem Vater geht Christine Kaiser noch einmal die Übung durch. Schließlich verfügt der über dreißig Jahre Feuerwehrerfahrung. Werner Kaiser ist ganz glücklich, dass seine Tochter dieselbe Begeisterung für die Feuerwehr hegt wie er: "Wenn ich jetzt hier sehe, wie meine Tochter in die gleichen Fußstapfen tritt, und wenn sie ihren Weg weiter verfolgt und später vielleicht sogar in den beruflichen Zweig der Feuerwehr eintritt, dann erfüllt mich das mit einem gewissen Stolz und mit einer unheimlichen Freude."
Tatsächlich schätzt seine Tochter die Gemeinschaft bei der Feuerwehr genauso wie ihr Vater: "Weil man hier viele Freunde hat, auf die man sich verlassen kann. Man kennt die Macken, die Stärken und Schwächen von jedem. Aber das macht ja auch die Gemeinschaft aus."
Die Trupps der Abteilung fünf sind zum Schluss der Übung noch einmal vor Ihrem Zugführer Bernhard Asal angetreten. Auch er ist mit dem Verlauf des simulierten Rettungs- und Löscheinsatzes sehr zufrieden:
"Unterm Strich so ganz zum Schluss. Es hat eigentlich alles gut geklappt. Danke für die Übung, Ich fand´s gut."

aus der Sendung vom

Do, 5.3.2015 | 22:00 Uhr

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