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SENDETERMIN Do, 13.9.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Die deutsche Autobahn Zahlen und Fakten

Sie ist das größte Bauwerk in unserem Land, bietet eine Menge an Superlativen. Aber immer häufiger gerät die Autobahn an ihre Belastungsgrenze, denn Verkehr und Anfälligkeit des Asphalts steigen.

Die deutsche Autobahn ist einzigartig

Sie bildet das Rückgrat der deutschen Mobilität:

  • 75 Prozent aller Transporte von Menschen und Gütern werden in Deutschland über die Straße abgewickelt. Die Autobahn spielt hierbei eine zentrale Rolle, da auf ihr ein Drittel aller Fahrleistungen stattfinden.
  • Mit 13.000 Kilometern bildet sie ein dichtes und schnelles Fernstraßennetz und das ohne ein generelles Tempolimit. Das ist abgesehen von Afghanistan und Burundi weltweit einzigartig.
  • In keinem anderen Land der Welt ist außerdem der Weg zur nächsten Autobahn kürzer als bei uns. Und das Netz wird ständig enger, wie der Vergleich zwischen 1950 und 2000 zeigt. Allein nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung bis heute sind vor allem durch den Netzausbau im Osten 2.500 neue Autobahnkilometer entstanden.
Straße in Burundi

In Deutschland gibt es kein allgemeines Tempolimit. Das ist weltweit nahezu einmalig. Nur im afrikanischen Burundi (wie hier im Bild) oder in Afghanistan gibt es auch keine einheitliche Regelung der Geschwindigkeit.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die Anzahl der KFZ steigt in Deutschland weiter an. Im Moment haben wir einen Bestand von 56,5 Millionen (Quelle: Destatis). Auch die gefahrenen Kilometer nehmen ständig zu. Um die automobile Mobilität dennoch möglichst flüssig am Laufen halten zu können, setzt die bisherige Strategie des Bundesverkehrsministeriums auf den weiteren Ausbau des bestehenden Autobahn-Netzes.

Nach dem aktuellen Bundesverkehrswegeplan für 2030 sollen weitere 900 Kilometer Autobahn dazukommen und auf 1.685 Kilometern soll die Autobahn verbreitert werden (Quelle: BMVI). Allerdings spielt nicht nur die Erweiterung des Netzes eine große Rolle, sondern auch die Instandhaltung des bestehenden Netzes wird mit jedem Jahr aufwendiger.

Über 17 Prozent der deutschen Autobahnkilometer bedürfen einer intensiven Beobachtung und bei 10 Prozent davon ist der Zustand so schlecht, dass der Verkehr beschränkt werden muss oder Baumaßnahmen geprüft werden (Verkehrsinvestitionsbericht 2015).

Vor allem die Autobahnbrücken sind hier zu erwähnen. Im Moment sind etwa 46 Prozent der Brücken im Bundesfernstraßennetz nicht mehr befriedigend und 12 Prozent nicht mehr ausreichend oder ungenügend (Quelle: BMVI). Auf der anderen Seite steigt jetzt schon jedes Jahr die Anzahl der Autobahn-Baustellen, die laut ADAC-Staubericht 2017 neben dem wachsenden Verkehrsaufkommen die wichtigste Stauursache sind. 2017 gab es rechnerisch jeden Tag 4.000 Kilometer Stau auf deutschen Autobahnen. Jeden Tag!

Was wäre wenn?

Die Frage ist also was passieren würde, wenn man die Planungen des Bundes-Verkehrswegeplans in den kommenden 12 Jahren wirklich umsetzt. Das heißt: 900 neue Autobahnkilometer baut, 1.685 Autobahnkilometer verbreitert, eine vierstellige Zahl von Brücken renoviert und 1.300 Autobahnkilometer im bestehenden Netz saniert? Würde der Verkehr dann wirklich flüssiger laufen?

Eine Konsequenz würde sich auf jeden Fall einstellen: Abgesehen von der enormen Kostensteigerung (plus 49 Prozent), die vielleicht teilweise durch eine Autobahnmaut aufgefangen werden könnte, würden wir auf jeden Fall eine riesige Anzahl von Baustellen auf den Autobahnen bekommen, die sicher alles andere als zu einer Verflüssigung des Verkehrs beitragen würden.

Und falls die Ziele des Bundesverkehrswegeplans wirklich irgendwann umgesetzt werden könnten, ist die Frage, ob die Vergrößerung des Netzes nicht bis zu diesem Zeitpunkt schon wieder durch den noch schneller wachsenden Autobestand hinfällig geworden wäre. Denn Wissenschaftler beobachten seit geraumer Zeit den Effekt, dass mehr Straßen und breitere Straßen, immer mehr Straßenverkehr generieren. Wie lange noch macht der immer weitere Ausbau der Autobahn also Sinn?