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SENDETERMIN Do, 18.10.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Geschichte Der Wert des Alters

Früher war alles besser, heißt es oft. Da genoss das Alter noch Respekt und Würde. Aber stimmt das?

Respekt vor dem Alter? Bei Naturvölkern in kargen Regionen nicht selbstverständlich. Unproduktive Alte: eine Last. Manche verhungern – oder man empfiehlt ihnen Suizid. Ohne Nutzen für die Sippe kein Lebensrecht.

Die Alten kultivieren daher gern ihr Wissen – etwa über Waffen- und Fallenbau. Oder machen sich als Medizinmann unentbehrlich. Auch der „Ältestenrat“ ist so eine lebensverlängernde Erfindung.

Eltern verprügeln im alten Griechenland verboten

Würde im Alter hängt aber auch von Besitz ab. Im antiken Griechenland zum Beispiel sind Eltern rechtlich gezwungen, noch zu Lebzeiten den Hof an ihre Kinder zu übertragen. Damit verlieren sie ihren Status. Ein Gesetz muss erlassen werden, das Kindern verbietet, ihre alten Eltern zur Arbeit zu prügeln.

Bei den Römern verfügen dagegen die Alten bis ans Lebensende über Haus und Hof. Das verbessert ihre Position gegenüber den Jungen und sichert würdevolles Altern.

Rente ab 70 für sozialen Frieden

Bis in die Neuzeit gilt: Wer alt und arm ist, hat verloren. Das Industriezeitalter verschlimmert die Lage der Alten noch.

Ende des 19. Jahrhunderts führt Bismarck dann im deutschen Reich die Rentenversicherung ein. Vor allem, um den sozialen Frieden zu sichern.

Um eine Mini-Rente zu bekommen, müssen Arbeiter das 70. Lebensjahr erreichen – damals eher die Ausnahme, aber immerhin ein Anfang.

“Nutzlose Volksgenossen“ in Zeiten des Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten versprechen zwar mehr Rente, aber das bleibt eher Blendwerk. Sofern nicht vermögend oder hochdekoriert, gelten alte Menschen hier als “Nutzlose Volksgenossen“. Sie werden nicht systematisch verfolgt – eher ignoriert, ausgeblendet.

In der Bundesrepublik geht es dann wieder voran: Mit höherer Rente und Konsumkraft der Älteren steigt ihr Ansehen. Auch die Sprache wird sensibler: „Die Alten“ werden zu „Senioren“. Und doch: Die Alten zu ehren ist in modernen Gesellschaften eher sozial erwünschte Norm als gelebter Alltag.

In modernen Gesellschaften herrscht ein Jugend-Kult

In Japan etwa wird zwar hoher Respekt vor alten Menschen gefordert; es gibt den „ Keiro no hi“, den „Achtung-vor-dem-Alter-Tag“. Real herrscht aber ein rigider Leistungskult, bei dem die Älteren oft entwürdigt und isoliert werden.

Dazu trägt auch der Jugend-Kult in modernen Gesellschaften bei: Die Alten wollen und dürfen gar nicht mehr alt werden. Es gilt, bis ultimo dabei zu sein, bei der Party des Lebens. Auch das untergräbt die Würde des Alters.

Würde des Alters als Aufgabe der Politik

Und dann wird das „gute Altern“ in der Leistungsgesellschaft auch noch als Belohnung für die richtige Lebensführung verstanden. Kluge Vorsorge treffen, sich gesund und fit halten! Dagegen ist nichts einzuwenden, und doch wird das Thema so auch entpolitisiert.

Dabei müsste gerade die Politik hier gestalten: Die Rechte und soziale Teilhabe alter Menschen fördern, um Altersarmut und Alterseinsamkeit zu bekämpfen. Die Würde des Alters nur zu beschwören, das zeigt die Geschichte, hat noch nie gereicht.

aus der Sendung vom

Do, 18.10.2018 | 21:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.