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SENDETERMIN Do, 12.6.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Schweiß Dem Geruch auf der Spur

Endlich ist er da, der große Tag: Meeting beim Chef, große Präsentation. Der Anzug sitzt perfekt, doch dann das: Es müffelt nach Schweiß. Ist das vermeidbar? Forscher untersuchen dies - und lassen Menschen mit dem besonderen Riecher schnüffeln.

Supernasen für die Wissenschaft

Was hilft gegen Schweißgeruch? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler vom

Schweißflecken bei einer Frau unter den Achseln

Textilforschungsinstitut in Hohenstein bei Heilbronn. Zusammen mit der Industrie arbeiten sie an Geweben, die Schweißgeruch binden sollen. Das Problem: Es gibt bislang keine standardisierte Geruchsdiagnose. "Wir mussten daher selber Profinasen ausbilden, aber solche, die dem Durchschnitt der Bevölkerung entsprachen, also keine, denen Schweiß gar nichts ausmacht und auch keine, die schon beim kleinsten Düftchen reagieren", beschreibt Prof. Dirk Höfer die Herausforderung.

Kein Knoblauch, bitte

In monatelanger Arbeit wurden sowohl Mitarbeiter aus dem Institut, als auch Normalbürger im Riechen geschult. Sie mussten einen chemischen Stoff, N-Butanol, in verschiedenen Dosierungen erschnüffeln und jedes Mal einen Knopf drücken, sobald sie etwas rochen. "Angenehm war das nicht, das roch so nach Vergorenem", sagt Timo Hammer, ein Institutsmitarbeiter. "Aber für die Wissenschaft und neue Erkenntnisse mache ich das gerne. Es ist auch mal eine nette Abwechslung zum sonstigen Arbeitsalltag." Für die "Schnüffler" wurde ein Extraraum eingerichtet, ausgestattet mit einer Klimaanlage, die alle sonstigen Gerüche fern halten soll. Das Zimmer ist nur spärlich eingerichtet. Während der Geruchstests, die pro Durchgang etwa drei bis vier Minuten dauern, werden die Fenster zusätzlich mit Rollos abgedunkelt. Es soll nichts ablenken. "Natürlich dürfen wir am Abend vor einem Test zum Beispiel keinen Knoblauch essen, weil der sofort die Messung verfälscht", berichtet Hammer. "Und auch vor dem Test darf kein Kaffee getrunken werden, weil auch der den Geruchssinn beeinflusst."

Silberionen hemmen Gerüche in Textilien

Die Schnupperexperten werden momentan vor allem dann eingesetzt, wenn es um Textilien geht, die mit Silber lästigen Schweißgeruch binden sollen. Eine Möglichkeit: Im Garn des Stoffes ist Silber hineingearbeitet. Sobald Schweiß austritt, werden Bakterien aktiv. Sie wollen die Proteine wie etwa das Testosteron "knacken". Bei diesem Zerfallsprozess entsteht erst der unangenehme Geruch. Positiv geladene Silberionen docken an die Bakterien an und dringen in sie ein. Den negativ geladenen Bakterien fehlt somit die Energie, um weiterarbeiten zu können.

Umweltmediziner warnen vor zu häufigem Silbereinsatz

Immer öfter kommen solche Silbermaterialien im Alltag zum Einsatz, um Schweißgeruch zu binden. Das sehen Experten wie Armin Schuster vom Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Uniklinik Freiburg mit Sorge. Er warnt vor dem massenhaften Einsatz von Silbermaterialien. Denn die Bakterien könnten eines Tages Resistenzen bilden gegen das Silber. "Das wäre fatal angesichts der Tatsache, dass wir das Silber in der Krankenhaushygiene absolut notwendig brauchen. Eine Verwendung in Alltagsbekleidung lehne ich daher ab." Ebenso sieht es das Bundesamt für Risikobewertung. Denn es fehlen schlicht und einfach Studien, um beurteilen zu können, ob die Produkte harmlos oder gefährlich sind.

Außerdem: Nach 60 bis 70 Wäschen ist der Silbereffekt herausgewaschen. Dann muss ein solches Textil genauso oft in die Maschine wie ein herkömmliches Produkt.