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SENDETERMIN Do, 3.12.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Naturvolk Das Mikrobiom passt sich an

Forscher vergleichen Darmbakterien von Europäern mit denen des Jäger- und Sammler-Volks der Hadza in Tansania. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Verkümmertes Darm Mikrobiom

Krankheiten wie Diabetes, Adipositas und Morbus Crohn treten meist in sogenannten WEIRD Gesellschaften auf. WEIRD steht dabei für Western (westlich), Educated (gebildet) Industrialized (Industrialisiert) Rich (Reich) und Democratic (demokratisch). Als Grund für das Auftreten dieser Krankheiten in oben genannten Gesellschaften gilt unter anderem die Verkümmerung ihres Darm Mikrobioms. Ursachen dieser Verkümmerung liegen in unserer Lebensweise (Antibiotika, raffinierte Nahrungsmittel, Entfernung von Keimen durch übermäßiges waschen, etc.).
Bei dem bis heute als Jäger und Sammler lebenden Volk der Hadza im Norden Tansanias sind diese Krankheiten nicht zu finden. Um herauszufinden woran das liegt, haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie die Darmbakterien der Hadza untersucht und sie mit denen von Europäern verglichen.

Gute und schlechte Bakterien?

Beim Vergleich des Darm Mikrobioms der Hadza mit dem der Europäer stellten die Forscher fest, dass das bei uns als gesund geltende Bifido Bakterium im Darm der Hadza nicht zu finden ist. Bifido Bakterien unterstützen den Körper bei der Verarbeitung von Milch- und Getreideprodukten und sind damit unverzichtbar für uns. Die Hadza allerdings ernähren sich ausschließlich von Früchten, Wurzeln, Fleisch und Honig. Da sie keine Getreide- und Milchprodukte zu sich nehmen, brauchen sie auch keine Bakterien, die bei deren Verarbeitung helfen. Welche Bakterien gesund oder ungesund für uns sind, hängt also davon ab, wie wir leben und wovon wir uns ernähren.

Unterschiede der Geschlechter

Ein weiteres auffälliges Ergebnis bei der Untersuchung der Hadza Darmbakterien war, dass sich die der Männer und Frauen deutlich unterscheiden. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Arbeitsteilung bei den Hadza strikt getrennt ist. Die Frauen sind die Sammlerinnen, sie bringen Früchte und Wurzelgemüse auf dem Tisch. Die Männer sind Jäger, sie steuern das Fleisch bei. Da jeder mehr von den selbst beschafften Nahrungsmitteln zu sich nimmt, ergibt sich ein Unterschied in der Zusammensetzung der Darmbakterien. Doch das ist nicht der einzige Grund. Die Frauen der Hadza brauchen die ballaststoffreichen Früchte und Wurzeln, um kräftig genug für Schwangerschaften und Stillzeiten zu sein. Dabei helfen ihnen die Bakterien der Gattung Treponema, das Maximum an Kalorien aus ihrer Nahrung herauszuholen. Hierzulande müssen Frauen nicht auf die Aufnahme von genug Kalorien achten. In den weiterverarbeiteten Lebensmitteln der Industrienationen sind meist mehr Kalorien als wir brauchen.

Ballaststoffe braucht der Mensch

Die vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommenden Ballaststoffe sind ein wichtiges Mittel zum Erhalt des Mikrobioms in unserem Darm. Die Bakterien unserer Darmflora ernähren sich von ihnen und können sich so vermehren. Zudem wandeln sie die Ballaststoffe in kurzkettige Fettsäuren um, die wiederum zur Ernährung der Schleimhautzellen unseres Darms beitragen und dem Körper wichtige Energie geben. Bei jedem Schritt der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln gehen Ballaststoffe verloren. Schon der Saft einer Orange hat deutlich weniger Ballaststoffe als die Frucht selbst. Was wir also definitiv von den Hadza lernen können ist, dass wir mehr unverarbeitete Produkte zu uns nehmen sollten, die reichhaltig an Ballaststoffen sind. Diese sorgen für eine gesunde Darmflora und somit für ein artenreiches Darm Mikrobiom. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Am besten durch Vollkornprodukte, Nüsse, Obst, oder Gemüse.

aus der Sendung vom

Do, 3.12.2015 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.