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SENDETERMIN Do, 16.7.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Heilung ohne OP Das Kreuzbandwunder?

Der Kreuzbandriss ist die häufigste Verletzung am Knie und wird oft operiert. Doch die Verletzung lässt sich auch erfolgreich mit bloßen Händen heilen. Wissenschaftler haben die Khalifa-Methode untersucht.

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Markus Kaiser reißt sich das vordere Kreuzband

Vor etwa zwei Monaten hatte Markus Kaiser einen Sportunfall. Seitdem humpelt er unter Schmerzen und braucht eine Orthese zur Stabilisierung des Knies. Jede kleine Kante wird zum Hindernis. Es ist ein vorderer Kreuzbandriss. Es war seine erste Verletzung. Markus hofft, dass er seinen Sport wieder betreiben kann wie vorher. Er will wieder Snowboard fahren und Fußballspielen. Wäre eine Operation gut? Er wird zum Internetdoktor und entdeckt im Netz die Therapie von Mohamed Khalifa.

Mohamed Khalifa therapiert einen Kreuzbandriss in einer Stunde

Mohamed Khalifa ist kein Unbekannter. Seit mehr als 40 Jahren behandelt er erfolgreich selbst schwere Muskel- und Gelenkverletzungen – nur mit seinen Händen. Seit einigen Jahren hat er sich in seiner Salzburger Praxis auf die Therapie von Kreuzbandrissen spezialisiert. Und vollbringt anscheinend Wunder. Roger Federer, Boris Becker und Franziska von Almsick haben sich ihm deshalb schon anvertraut. Bei Markus ist das vordere Kreuzband kaputt und beide Menisken. Sein Innenband ist angerissen. Khalifa massiert, drückt, zieht. Etwa eine Stunde lang. Seine Finger graben sich tief in die Strukturen des Knies. Das schmerzt. Markus leidet. Doch ihm geht es sofort nach der Behandlung sichtbar besser. Khalifa: "Dann laufen Sie mal, links hüpfen, rechts hüpfen. Knie beugen." Markus kann sein Knie frei bewegen, ohne Schmerzen. Markus: "Das ist ein Wahnsinn. Sensationell. Das ist ein Traum!"

Wirkt diese Therapie?

Kreuzbandwunder

Diese Frage treibt den Sportmediziner Dr. Michael Ofner um. In einer Studie hat er 30 Patienten mit gerissenem Kreuzband begleitet. Kernfrage: Können die Patienten sich wieder so bewegen wie davor? Wächst das Kreuzband tatsächlich nach? Die eine Gruppe hat nur Physiotherapie bekommen. Und die andere Gruppe hat einmal die Khalifatherapie bekommen und danach Physiotherapie. Bei der Khalifa-Gruppe konnten 90 Prozent der Patienten das Knie ohne Einschränkung bewegen und Sport treiben. Bei 50 Prozent der Patienten wuchs das Kreuzband vollständig nach. Bei der Vergleichsgruppe bei niemandem.

Wie wirkt die Therapie?

Die Massagen lösen im Körper offenbar verschiedene Prozesse aus. Fünf Universitäten erforschen das in einer großen interdisziplinären Studie. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich während der Therapie die Herzfrequenz der Patienten verändert. Knie und Bein erwärmen sich. Außerdem steigt nach der Behandlung die Sauerstoffsättigung im Blut und der Körper schüttet verschiedene Hormone aus, die die Heilung unterstützen. Im Knie verändern Khalifas Handgriffe etwa die Faszien. Dazu gehören alle Bänder, Sehnen und Knorpel des Knies. Das setzt Stoffwechselprozesse in Gang, bei denen alte Bindegewebsfasern aus Kollagen ab- und neue aufgebaut werden. Das Knie wird beweglicher. Außerdem hat sich während der Khalifatherapie die Zahl der Stammzellen erhöht. Stammzellen fördern den Heilungsprozess, weil sie kranke Zellen ersetzen. Doch auch das ist nur ein Teil der Lösung.

Hat Markus ein neues Kreuzband?

Khalifa: "Wir haben jetzt ein Team, das erforscht, wie kann man einen andern Weg gehen. Verstehen Sie? Wir erforschen nicht, wie man ein Kreuzband behandelt, sondern wir erforschen das Regenerationssystem." Khalifas Behandlung löste bei Markus auch eine Blockade im Kopf. Drei Monate nach der Khalifa-Behandlung fährt Markus Kaiser Fahrrad, er joggt und arbeitet. Ein Kontroll-MRT soll zeigen, wie es innen im Knie aussieht. Der Orthopäde Dr. Markus Kessler erkennt, dass sich neue Kreuzbandfasern gebildet haben. Allerdings kein komplettes neues Kreuzband. Aber auch der Meniskus ist gut, Außenbänder und Innenband sind gut, und der Knorpel hat auch keinen Schaden erlitten. Der Teil der Fasern reicht aus, um Stabilität fürs Kniegelenk zu gewährleisten. Markus Knie wird ziemlich sicher ohne Operation wieder voll gesund.

Nicht Operieren ist eine sehr gute Alternative zur Operation

Dr. Markus Kessler: "Was letzten Endes den Heilerfolg zustande gebracht hat, das weiß ich nicht. Es gibt viele Aspekte bei einem Kreuzbandriss, die wir bis heute nicht verstanden haben. Warum wird ein Knie stabil? Warum wird es instabil? Letzten Endes muss man alles versuchen. Das Knie muss stabil werden, das ist es was zählt." Es scheint eine gute Alternative, auf den Körper zu vertrauen.

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