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SENDETERMIN Do, 20.9.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Cholesterin Das Ei und seine wechselhafte Geschichte

Von der beliebten Delikatesse bis zur verschmähten Cholesterinbombe. Eine Ei-Chronologie.

Wunderwerk Ei

Eigentlich ist das Ei ein echtes Superlativ. Doch das wurde in der Vergangenheit häufig übersehen. Mit circa 0,4 Millimeter ist die Eierschale sehr dünn, aber extrem stabil. Sie kann einen Luftdruck von 2,5 Bar aushalten, genauso viel wie ein Autoreifen. Auch das Innenleben ist beeindruckend: Sämtliche Vitamine und Mineralstoffe mit Ausnahme von Vitamin C, finden sich im Ei. Hinzu kommt das Eiweiß. Es hat eine sehr hohe biologische Wertigkeit. Das bedeutet, unser Körper kann es besonders gut verarbeiten, wesentlich besser als das Eiweiß von Fisch oder Fleisch. Außerdem hält es lange satt und kann in allen möglichen Varianten verspeist werden. Süß oder salzig, als Spiegel- oder Rührei, in Kuchen oder Soßen. Zum Verhängnis wurde dem Ei allerdings der hohe Cholesteringehalt. Dies führte zu der wechselhaften Geschichte des Eis.

Das Ei als Delikatesse

Zu Zeiten des Mangels, nach dem Krieg, ist das Ei eine begehrte Delikatesse und nur selten auf dem Frühstückstisch zu finden. Häufig müssen sich mehrere Familienmitglieder ein Ei teilen. In den 1950er Jahren essen die Deutschen im Schnitt rund 120 Eier im Jahr. Mit dem Aufschwung in den 60er Jahren kommt der Wohlstand auf den Esstisch. Das Ei wird zur begehrten Mahlzeit zwischendurch und ziert die Partybüffets. Zehn Jahre später ist es beliebt wie nie, denn in den siebziger Jahren verspeist der Durchschnittsdeutsche rund 300 Eier im Jahr.

Das Märchen vom bösen Cholesterin

Doch in den 1980er Jahren gerät das Ei in Verruf und wird zur Cholesterinbombe diskreditiert. Der Grund: Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass ein hoher Cholesterinspiegel im Blut zu Schlaganfall und Herzinfarkt führen kann. Die Grenzwerte für Cholesterin im Blut werden deswegen immer weiter herabgesetzt. In großem Maße warnen Ärzte vor Cholesterin in Lebensmitteln und predigen ihren Patienten nicht zu viele Eier zu essen. Bis 2005 sinkt der Eierkonsum stetig und erreicht mit einem Durchschnittswert von 205 Eiern im Jahr, einen neuen Tiefpunkt seit den 1970er Jahren.

Der Freispruch für das Ei

Doch in den letzten Jahren ist das Ei wieder beliebter geworden, denn Studien zeigen, dass das Cholesterin aus der Nahrung, kaum einen Einfluss auf den Cholesterinspiegel im Blut hat. 2015 empfiehlt das US-Berater-Komittee für die offiziellen Ernährungsrichtlinien (DGAC) den Grenzwert für Cholesterin im Blut abzuschaffen. Jahrzehntelang wurden Milliarden US Dollar für Medikamente zur Cholesterin-Senkung ausgeben und das Gerücht vom Blutfett steigernden Hühnerei hält sich bis heute. Nur langsam wird der Freispruch für das Ei bekannt und der Konsum steigt wieder: 220 Eier essen die Deutschen heute im Schnitt. Bei den Japanern ist das Ei übrigens besonders beliebt, sie verspeisen durchschnittlich 330 pro Jahr.

aus der Sendung vom

Do, 20.9.2018 | 21:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.