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SENDETERMIN Do, 17.9.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Daunen Das blutige Geschäft mit den Daunen

Die Daune ist ein kleines Wunderwerk der Natur. Federleicht - mit hoher "Bauschkraft". Sie bietet überragende Wärmedämmung. An vielen Federn klebt jedoch Blut. Sie stammen aus verbotenem Lebendrupf.

Das weiß man auch beim Verband der Daunen und federnverarbeitenden Industrie, VDFI. Dr. Juliane Hedderich ist seit über dreißig Jahren Geschäftsführerin. Und distanziert sich von dieser illegalen Praxis: "Beim Lebendrupf empfinde ich Ekel und Abscheu und ich finde es sehr gut, dass die EU den Lebendrupf unter Strafe gestellt hat."
Offiziell verdammen deutsche Bettenhersteller Lebendrupf. Doch vor wenigen Jahren filmte Report Mainz verdeckt ein vorgetäuschtes Verkaufsgespräch mit einem führenden deutschen Bettenhersteller. Die Aufnahmen legen nahe, dass die Bettenhersteller in Wirklichkeit weiter an Daunen aus Lebendrupf interessiert sind. Der Geschäftsführer erklärte - so stellt es Report Mainz dar - dem angeblichen Daunenhändler:
"Ich kaufe von ihnen offiziell immer nur Schlachtrupf. Lebendrupf niemals offiziell. Das ist Quatsch. Wir wissen, dass die gerupft werden müssen. Aber ich darf das offiziell nicht kaufen. Bitte, wenn sie was erzählen, sagen sie immer nur Schlachtrupf. Wer kann das schon nachprüfen?"

Dr. Martina Stephany von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten weiß, warum Daunen aus Lebendrupf bei den Bettenherstellern so begehrt sind.
"Wir wissen, dass die Qualität der Daune besser wird je älter das Tier ist, bzw.je öfter es schon gerupft wurde. Das bedeutet, wenn auf einer Verpackung draufsteht, dass die Daune eine besonders hohe Qualität hat, dann sollte ich auf jeden Fall als Verbraucher aufmerksam werden und nachfragen, wo die Daune herkommt."

Etikette mit dem Traumpass-Siegel.

Traumpass-Siegel verspricht "Sicherheit durch zertifizierte Qualität"

Der Verband der daunen- und federverarbeitenden Industrie, VDFI, erklärt, seine Mitglieder würden den Tierschutz achten und kein illegales Füllmaterial verwenden. Als Hinweis für den Verbraucher hat der Verband schon vor ca. 40 Jahren das "Traumpass"-Siegel eingeführt. Es soll garantieren, dass die verwendeten Federn und Daunen ethisch korrekt sind und nicht aus Lebendrupf stammen.

Doch Dr. Martina Stephany, Kampagnenleiterin bei der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten", erklärt, diese Garantie existiert nur auf dem Papier.
"Bisher hat sich Traumpass einfach nur unterschreiben lassen, dass Tiere nicht gerupft werden. Das reicht aber nicht. Wir haben immer wieder festgestellt, dass man die Lieferkette auditieren muss, das heißt, genau kontrollieren muss. Und erst dann, wenn eine dritte Partei unabhängig kontrolliert, kann ich sicher sein, dass Tierschutzaspekte berücksichtigt werden."

Es ist ein langer Weg von der Farm auf der die Tiere leben, über die Konfektionierung der Federn und Daunen und den Transport von Osteuropa bis nach Deutschland. Wie verlässlich kann da sichergestellt werden, dass das Füllmaterial für unsere Betten nicht doch aus zweifelhaften Quellen stammt.

Dr. Juliane Hedderich, Geschäftsführerin des Industrieverbandes, ist überzeugt, dass ihr Zertifizierungssystem dazu ausreicht.
"Wir haben das Zertifizierungssystem mit dem Siegel entwickelt. Das heißt, wir sagen, die Federn und Daunen, die in den gesiegelten Betten sind, stammen nicht von lebenden Tieren. Das hört beim Schlachthof auf." .

Warum dieses Zertifizierungssystem jedoch nicht ausreicht, um dem Tierschutz wirklich Rechnung zu tragen, erläutert die Kampagnenleiterin von "Vier Pfoten":
"Wenn man sich einfach am Schlachthof ein Papier zeigen lässt, dann ist das nicht ausreichend. Aus Tierschutzsicht ist ganz wichtig, dass von der Elternfarm an kontrolliert wird. Weil gerade da ganz viel Lebendrupf passiert, weil diese Elterntiere natürlich viel länger leben als die Tiere, die direkt zum Schlachter gehen nach der Mast."
Von da an gehe es schließlich immer weiter. Es seien viele verschiedene Stationen, bis die Daune am Ende im Kissen lande. Vier Pfoten votiere dafür, dass diese Stationen alle kontrolliert werden müssten. Und zwar von einer unabhängigen Partei.
Die Geschäftsführerin des Industrieverbandes erklärt dagegen, man müsse berücksichtigen, dass die Federn nur ein Nebenprodukt der Gänsemast seien.

Eine Pinzette hält eine einzelne Daune.

"Nur ein Nebenprodukt zur Quersubventionierung."

"Bei der Farm, wie auch bei dem Schlachthaus ist ja das primäre Ziel, Fleisch zu produzieren. Wenn man jetzt noch kommt und eine Überprüfung bezüglich der Federngewinnung unternimmt, ist es ja so, dass die uns nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen."
Da sei sehr viel Überzeugungsarbeit nötig. Man wolle den Kreis des Einflusses ausweiten, und habe inzwischen ganz gute Mitstreiter, erklärt sie etwas nebulös. Um dann mit einem Lächeln zu bemerken: "Es geht vorwärts. Aber es dauert seine Zeit."

Outdoor-Ausrüster wie Patagonia zeigen jedoch: Lückenlose Kontrolle ist schon heute möglich. Tierschützer haben das Siegel kontrolliert und bestätigt. Strenge Auflagen verpflichten alle Lieferanten im In-und Ausland, ethisch korrekte Ware zu liefern. Weitere Hersteller wollen sich diesem System anschließen.
Nicht so der VDFI. Der Verband entwickelt ein eigenes neues Siegel. Der "Downpass" soll Tierschutz garantieren. Auf der Website steht, ein Institut namens IDFL solle das kontrollieren. Doch das IDFL - das International Down and Feather Laboratory - ist ein Institut, in dem die Qualität der Federn getestet wird. Von Tierschutz ist hier gar keine Rede. So scheint der "Downpass" des VDFI in seiner jetzigen Verfassung nur ein schwaches Ablenkungsmanöver des VDFI zu sein. Um die Tatsache zu bemänteln, dass der Verband außer Absichtsbekundungen bisher kein hinreichendes Zertifizierungssystem für Gänsedaunen zuwege gebracht hat. Der Verdacht liegt nahe, dass gar nicht ernsthaft daran gearbeitet wird. Vermutlich, weil wegen der höheren Kosten Nachteile für die Deutsche Bettenindustrie im internationalen Wettbewerb befürchtet werden.

Dr. Juliane Hedderich vom VDFI verteidigt den Verband: "Man darf auch nicht vergessen, Deutschland ist auch nicht der Nabel der Welt was das Federnaufkommen betrifft und auch was den Federnverbrauch betrifft. Es kommt sehr viel aus anderen Ländern. Das heißt, man muss auch in die Kulturen anderer Länder eintauchen, auch dort Überzeugungsarbeit leisten. Wir tun es, aber wir können es halt nur begrenzt tun. Aber wir tun es."
Die Tierschützerin Dr. Martina Stephany von "Vier Pfoten" beharrt dagegen auf dem Standpunkt, dass volle Kontrolle schon heute möglich ist: "Firmen wie "The North Face" oder "Patagonia", die Outdoorbekleidung herstellen, haben ja schon gezeigt, dass es geht, die ganze Kette zu kontrollieren. Und jetzt ist es an der Bettenindustrie, das auch für ihren Bereich umzusetzen."

Kunden wollen nicht auf Gänsedauen in ihren Betten und Jacken verzichten. Doch solange der Handel nicht mit einer umfassenden Kontrolle ernst macht, hat die wohlige Wärme einen hohen Preis für die Tiere.

aus der Sendung vom

Do, 17.9.2015 | 22:00 Uhr

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