Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 9.3.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Chronischer Mundgeruch Halitosis

Chronischer Mundgeruch ist ein Symptom für einen Bakterienherd im Mund-, Rachen- oder Nasenraum. Mediziner nennen die Krankheit dahinter Halitosis und werben für ihre Behandlung.

Frische Zwiebeln im Salat, extra viel Knoblauch auf der Pizza oder in den Nudeln – schmeckt gut und riecht vor allem lecker. Aber länger als einem vielleicht lieb ist. Ein anschließender Geschäftstermin ist dann eher nicht zu empfehlen. Zum Glück ist der unangenehme Geruch aus dem Mund in so einem Fall aber nur vorübergehend. Schlimmer ist dagegen, wenn stinkiger Atem dauerhaft verströmt wird und nichts mit Pizza und Salat zu tun hat. Schlechter Mundgeruch ist ein Symptom. Mediziner nennen die Krankheit dahinter Halitosis.

Ein Millionstel macht den Unterschied

Die ausgeatmete Luft enthält etwa 78 Prozent Stickstoff, 17 Prozent Sauerstoff, vier Prozent Kohlendioxid und ein Prozent andere Gase. Riecht nur ein Millionstel Teil des Atems übel, ist das für andere wahrzunehmen – und unangenehm. Menschen mit Halitosis merken oft nichts von Ihrem Leiden, erklärt der Münchner Zahnarzt Helmut Simon. Denn ihr Geruchssinn hat sich adaptiert, das heißt an die übelriechenden Substanzen gewöhnt. Es braucht vertraute Personen, Ehepartner oder gute Freunde, die auf das Problem aufmerksam machen. Oftmals folgt darauf eine soziale Isolation. Die Betroffenen schämen sich und meiden Nähe und Kontakt zu anderen. Obwohl es einfach wäre, etwas dagegen zu unternehmen.

Eingebildet oder echt?

Wer zu Helmut Simon in die Mundgeruchssprechstunde kommt, der muss zuerst einen Fragebogen ausfüllen. Der gibt dem Zahnarzt Aufschluss über Häufigkeit, Art, Tageszeit und Schweregrad der Halitosis – und über die psychische Belastung des Patienten. Noch immer glauben viele, übler Geruch aus dem Mund hätte in erster Linie etwas mit Problemen im Magen-Darmtrakt zu tun. Aber das ist nur in ein Prozent der Fälle so. Tatsächlich kommen auch Patienten in die Mundgeruchssprechstunde, die sich ihr Leiden nur einbilden. Experten nennen das dann Pseudohalitosis oder Halitophopie.

Bakterien machen schlechten Atem

Überall im Mund- und Rachenraum sind Bakterien. Sie besiedeln zu Milliarden die Schleimhäute. Darunter sind auch solche, die Sauerstoff nicht leiden können, sogenannte Anaerobier. Sie verstecken sich entsprechend in Zahnfleischtaschen, Zahnbelägen, Zahnzwischenräumen und unter schlecht sitzendem Zahnersatz und Füllungen. Die anaeroben Bakterien ernähren sich von abgestorbenen Zellen, Blut und auch von den Speiseresten im Mund und deren im Speichel gelösten Bestandteile. Ausscheidungsprodukt dieser Bakterien sind Schwefelverbindungen. Und die sind letztlich für den Mundgeruch verantwortlich.

Diagnose mit Geruchsstaubsauger

Die Nase von Dr. Simon kann wahrnehmen, wie stark der Mundgeruch seiner Patienten in etwa ist. Für eine objektive Messung allerdings, braucht er ein Halimeter. Mit dem kleinen Gerät saugt er ausgeatmete Luft des Patienten ein. Und zwar direkt an den Nasenöffnungen oder an den seitlichen Zahnreihen im Ober- und Unterkiefer. Das Gerät analysiert dann jeweils die Menge an Schwefelverbindungen in der ausgeatmeten Luft.

Zunge putzen nicht vergessen!

Bei über 90 Prozent der Patienten liegen die Ursachen für ihren Mundgeruch in der Mundhöhle. Meist sind dafür Zahnfleischentzündungen, Parodontitis marginalis, Zahnstein, schlecht gereinigte Zahnfleischtaschen und schlecht sitzender Zahnersatz verantwortlich. In diesem Fall kann der Zahnarzt direkt mit der Therapie beginnen. Tatsächlich sitzen aber zwei Drittel der Bakterien im Mundraum auf der Zunge. Und starker Zungenbelag ist eine Hauptursache bei Mundgeruch. Dabei liegt das Problem nicht im vorderen Bereich der Zunge. Der wird, so die Einschätzung von Helmut Simon, beim Sprechen und anderen Zungenbewegungen regelmäßig gereinigt. Der hintere Teil allerdings hat kaum Kontakt zu Zähnen oder Gaumen. Hier kann sich ein dicker Belag bilden. Der Zahnarzt reinigt die Zunge mit Ultraschall. Zuhause kann das der Patient mit einem Zungenschaber oder mit der Zahnbürste machen.

Mundgeruch aus der Nase

Findet der Zahnarzt keine Ursachen in der Mundhöhle, muss der Patient zu einem Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten. In fünf bis acht Prozent der Fälle ist eine chronische Stirnhöhlenentzündung oder eine chronische Mandelentzündung für den Mundgeruch verantwortlich. Auch dort sitzen die anaeroben Bakterien und verdauen organisches Material zu Schwefelverbindungen.

Morgenstund‘ hat Schwefel im Mund

Auch wenn rund um die Zähne und im Rachen alles sauber und gepflegt ist – es kann immer noch vorkommen, dass man am Morgen leicht unangenehm aus dem Mund riecht. Das ist aber fast normal. Denn im Schlaf fließt weniger Speichel (bis zu 1,6 Liter produzieren wir davon am Tag), der eine reinigende Wirkung hat und regelmäßig Bakterien und deren organische Nahrung in den Magen spült.

Sobald man ein Glas Wasser getrunken oder besser noch ordentlich gefrühstückt hat, sollte der Geruch wieder verschwunden sein.

aus der Sendung vom

Do, 9.3.2017 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

Das neue Odysso-Logo von 2019

Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.