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SENDETERMIN Do, 30.1.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Zu Gast beim TÜV Rheinland Brillen im Härtetest

Mehr als 40 Millionen Deutsche tragen heute eine Brille, das sind fast zwei Drittel der erwachsenen Bundesbürger. Moderne Gläser und Fassungen sind sehr leistungsfähig. Doch nicht alle Brillen erweisen sich als sicher. Das zeigen Tests vom TÜV Rheinland.

Ein Mann hält vier Brillengestelle in der Hand.

Folterinstrument für Fassungen

Dr. Patrick Niklaus ist nicht nur selbst Brillenträger, sondern Tester im Prüflabor für Augenschutz vom TÜV Rheinland. Er weiß, was Brillen im Alltag, bei der Arbeit oder in der Freizeit aushalten müssen. Das fängt schon damit an, dass eine Brille mehrfach am Tag auf- und abgesetzt wird. Da muss die Fassung einerseits stabil, andererseits aber auch flexibel sein. Um das zu prüfen, haben die Tester vom TÜV Rheinland ein wahres Folterinstrument entwickelt. Darin wird die Brille wie in einen Schraubstock eingespannt und die Bügel in rotierenden Bewegungen malträtiert. 400-mal müssen sie dieser Prozedur standhalten, und dürfen dabei nicht wesentlich verbiegen und schon gar nicht brechen.

Mit einem Sandsturm auf Brillengläser

Wer kennt das nicht? Die Brille ist beschlagen, Spritzer sollen rasch entfernt werden, damit man wieder einen guten Durchblick hat. Doch ausgerechnet jetzt ist das Brillenputztuch nicht zur Hand. Schnell erfolgt der Griff zum Wollpullover oder zur Fleece-Jacke - ist ja weiches Material, denkt man. Was dabei mit den Gläsern passiert, simuliert TÜV-Tester Niklaus mit seinem speziellen Versuchsaufbau. Dabei rieseln drei Kilogramm Quarzsand aus knapp zwei Metern Höhe auf das rotierende Brillenglas herab. Dieser Test macht klar: Kunststoffgläser sind zwar leichter als echtes Glas. Doch sie sind deutlich empfindlicher. Sind Kunststoffgläser allerdings mit einer guten Hartschicht überzogen, gleichen sie dieses Defizit aus. Solche Gläser überstehen die Prüfprozedur ohne größere Schäden. Handelt es sich aber um eine minderwertige Beschichtung, geht das ganz klar auf Kosten des Durchblicks. Nach dem Test nämlich sind solche Gläser nahezu blind.

Brillengläser unter Beschuss

Immer wieder gibt es Alltagssituationen, in denen eine Brille aus Unachtsamkeit gegen Kanten stößt oder auf einen harten Untergrund fällt. Noch schlimmer ist es, wenn einem als Radfahrer vom vorausfahrenden Auto Steinchen entgegen geschleudert werden, und das Brillenglas getroffen wird. Um herauszufinden, ob Brillengläser diesen physikalischen Belastungen standhalten, hat Dr. Niklaus ausgetüftelte Versuchsaufbauten in seiner Werkstatt. Um zu simulieren, was bei einem Stoß gegen eine harte Kante passiert, lässt er aus 1,30 Meter Höhe eine 43 Gramm schwere Stahlkugel auf das Brillenglas fallen. Für eine gute Brille kein Problem. Immerhin 85 Prozent überstehen diesen Test schadlos.

TÜV-Tester Dr. Patrick Niklaus

TÜV-Tester Dr. Patrick Niklaus

Doch was passiert bei Steinschlag mit einem Brillenglas? Dafür fährt Dr. Niklaus schwere Geschütze auf. Er füttert seinen Versuchsaufbau mit 6-Millimeter-Kugeln, lädt durch wie bei einem Gewehr, und drückt ab. Mit 160 Kilometern in der Stunde trifft die Kugel auf das Glas. Im Bruchteil einer Sekunde zerspringt das Glas in zig Einzelteile. Sogar die Verzierung an der Fassung platzt. Diese Sonnenbrille wäre zwar ein nettes, modisches Accessoire, aber sie böte den Augen noch nicht einmal bei normalem Radfahren ausreichend Schutz.

Sonnenbrillen im Test

Für einen Test kauften die Prüfer des TÜV Rheinland in Deutschland, Italien, Spanien und den Niederlanden insgesamt 60 Sonnenbrillen und prüften den UV-Schutz, die Straßenverkehrstauglichkeit sowie die Verarbeitung und die Stoßfestigkeit. Die Ergebnisse erschreckten: Bei fast jeder zweiten Brille fanden sich zum Teil gravierende Mängel. 40 Prozent der getesteten Brillen fielen durch.

Manche Brillengläser waren so schlecht verarbeitet, dass die Brillenträger das Gefühl hatten, durch verschmutzte Gläser zu sehen. Der Grund: Die Verunreinigungen befanden sich im Glas selbst. Auch die Verarbeitung oder das Design der Gläser waren zum Teil so schlecht, dass es zu optischen Verzerrungen kam. Dies kann im Extremfall zu Kopfschmerzen oder Übelkeit führen. Die Gläser von sieben Brillen wurden außerdem beim Kugelfalltest zerstört. Geraten die dabei entstehenden Splitter in die Augen kann es zu irreparablen Schäden kommen. Manchmal boten die Sonnenbrillen noch nicht einmal den versprochenen 100-prozentigen UV-Schutz. Brillentester Niklaus kommt zu dem traurigen Fazit: "Viele der Brillen aus diesem Zufallskauf verschlechtern das Sehvermögen. Die meisten der Mängel könnten durch bessere Materialien und bessere Produktion vermieden werden. Hier wird am falschen Ende gespart."

aus der Sendung vom

Do, 30.1.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.