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SENDETERMIN Do, 5.3.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Brandmittelspürhunde Experten mit feiner Nase

Wenn es für die Spezialisten von Feuerwehr und Polizei schwierig wird eine Brandstiftung zu beweisen, dann kommen speziell ausgebildete Hunde zum Einsatz.

Nahaufnahme einer Hundenase

Mehr als 10.000 Fälle von Brandstiftung hat es in Deutschland im vergangenen Jahr gegeben. Wurden die Fälle aufgeklärt, so hat es sich in den meisten Fällen um Versicherungsbetrug oder Vertuschung anderer Straftaten, wie Einbruch, Unterschlagung und manchmal sogar Mord gehandelt. Es gibt kein klares Täter-Profil. Manch einer ist ein krankhafter Pyromane, andere sind krankhaft neidisch, eifersüchtig oder rachsüchtig, oder sie wollen einfach zerstören. Dafür riskieren sie viel, und auch Menschenleben sind dann in Gefahr. Vor allem dann, wenn Brandbeschleuniger eine Rolle spielen. In manchen Fällen ist es sogar für die Spezialisten von Feuerwehr und Polizei schwierig, auf den ersten Blick zu erkennen, ob es sich um Brandstiftung handelt, oder ob es vielleicht doch ein Unfall war.

Ausbildungsprinzip: Spielen und Beuten

Im Jahr 1996 hatten die Hundeführer am Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei in Nordrhein-Westfalen eine ungewöhnliche Idee: Sie setzen erstmals in Deutschland Brandmittelspürhunde zur Aufklärung an Brandorten ein. Zunächst wurden zwei Spürhunde für den Einsatz an Brandorten ausgebildet. In der Folgezeit wurde die Arbeit dieser und weiterer Spürhunde in einer gemeinsamen Projektstudie mit dem Kriminaltechnischen Institut des BKA auf ihren praktischen Einsatzwert hin untersucht. Nicht zuletzt wegen der überaus positiven Ergebnisse dieser Studie hielt der Einsatz von Brandmittel-Spürhunden vielerorts Einzug in den Arbeitsalltag von Brandermittlern und Sachverständigen. Hund und Hundeführer sind dabei ein untrennbares Team. Die Hundeführer machen sich ein einfaches Prinzip zunutze: Das Spiel- und Beuteverhalten ihrer Hunde. Nur so gelingt es, die Tiere dazu zu bewegen, jene Dinge zu tun, die ihr Herrchen oder Frauchen gerne hätten. Besonders prädestiniert für diese Arbeit sind Belgische Schäferhunde. Sie haben sich im harten Polizeialltag als ausdauernd, belastbar und effizient erwiesen.

Spielerische Konditionierung

Schon mit wenigen Monaten machen die Hundeführer ihre vierbeinigen Spezialisten mit ungewöhnlichen Umweltbedingungen vertraut. Das sind zum Beispiel laute Geräusche, viele Menschen oder auch andere Hunde. Wenn es an einem Tatort einmal etwas turbulenter zugeht, sind die Tiere nicht so leicht gestresst. Wenn zum Beispiel einmal Steine herunterfallen oder Mauern zusammenstürzen, können die Tiere trotzdem weiterarbeiten. Außerdem lernen bereits die jungen Hunde, Brandbeschleuniger wie Benzin und Spiritus aufzuspüren. Fertig ausgebildet, können sie schließlich alle Brandbeschleuniger erkennen. In einem ganzen Gebäude, das nur an einer einzigen Stelle mit einem Tropfen, zum Beispiel Benzin, präpariert wurde, gelingt es ihnen, diese Stelle aufzuspüren. Dabei durchsucht der Hund, angeleitet von seinem Herrchen, systematisch Raum für Raum, solange, bis er erfolgreich war. Sobald er die Flüssigkeit wittert, legt er sich vor die präparierte Stelle. Belohnt wird er nicht mit Leckerli, sondern mit einem Spielzeug und dem Spiel mit dem Hundeführer.

Der Besser-Riecher

An Brandstellen hat die sensible Hundenase viel zu tun. Mit etwa 220 Millionen Riechzellen ist sie aber deutlich besser aus gestattet als der Mensch. Der hat lediglich 6 Millionen.
Die Fläche der Riechschleimhaut ist beim Hund rund 150 Quadratzentimeter groß. Beim Menschen sind es gerade mal 5 Quadratzentimeter. Deshalb ist ein Großteil des Hundehirns für die Nase zuständig. Unzählige Gerüche strömen auf die Brandmittelspürhunde an einer Brandstelle ein. Könnte ein Hund sprechen, so könnte er alle Gerüche differenzieren und sogar benennen. Wir Menschen könnten lediglich sagen: Es stinkt.

Hunde-Marathon

Im Einsatz atmet ein Hund etwa 300 Mal pro Minute. Er erschnüffelt sozusagen seine Beute, in diesem Fall den Brandbeschleuniger. Das ist Schwerstarbeit. Ein Mensch würde bereits bei einer deutlich niedrigeren Atemfrequenz hyperventilieren.
Ein Brandmittelspürhund sucht etwa 20 Minuten, was in etwa vergleichbar ist damit, wenn ein Mensch einen Marathon laufen würde. Dann braucht der Hund nur etwa 20 Minuten Pause und läuft dann noch einmal einen Hunde-Marathon. Für einen Menschen nahezu unvorstellbar.