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SENDETERMIN Do, 9.3.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Zähne bleichen Bleaching - nur schön oder schädlich?

Wird der Zahnschmelz beschädigt, welche Bleichverfahren gibt es und welche Zähne sind überhaupt für ein Bleaching geeignet? Zwei Professoren stehen Rede und Antwort.

Was weiß ist muss noch weißer werden

Brita Willershausen hat den Lehrstuhl für Zahnerhaltung in Mainz inne und versucht ihren Studenten der Zahnmedizin in der Vorlesung klar zu machen, was sie Ihren zukünftigen Patienten antun, wenn sie mit Wasserstoffperoxid deren Zähne bleichen. Sie weiß wovon sie redet, denn bevor sie sich für die Zahnmedizin entschloss, war sie Chemikerin und kennt deshalb das aggressive Potential dieser Substanz. Brita Willershausen: „Ich hab meine Zähne bisher nicht gebleicht und ich werde sie auch in Zukunft nicht bleichen. Aber die jungen Menschen wollen gerne gebleichte Zähne haben oder weiße Zähne und dann versuche ich auch gemeinsam, ein mildes Präparat zu finden.“ Natürlich kann auch Professor Willershausen sich letztlich nicht gegen diesen Trend aus den USA stellen, der strahlend weiße Zähne zum Schönheitsideal erhoben hat und dabei oft keine Grenze mehr kennt. Die Industrie stellt massenweise Produkte dafür zur Verfügung. Auch zur Do-it-yourself-Anwendung.

Bleaching: Nicht alle Zähne sind geeignet

Zähne mit Füllungen, Veneers, Kronen, usw. sollten auf keinen Fall gebleicht werden, da die Fremdmaterialien ihre Farbe nicht verändern können. Nach dem Bleichen der restlichen Zähne bleiben die Restaurationen als unschöne, dunkle Stellen im Gebiss zurück und müssen dann anschließend wieder entfernt und durch neue Materialien ersetzt werden. Oft sind zum Beispiel Füllungen, die vielleicht schon vor vielen Jahren vom Zahnarzt eingesetzt wurden, beim Patienten in Vergessenheit geraten. Deshalb muss jedem Bleaching-Interessenten dazu geraten werden, sich beim nächsten Zahnarztbesuch darüber beraten zu lassen, ob die eigenen Zähne für eine solche Behandlung geeignet sind. Einzelne dunkle Zähne zum Beispiel verweisen in der Regel auf einen wurzeltoten Zahn, der nur vom Zahnarzt gebleicht werden kann (Walking-Bleach-Technik).

Wurzeltoter Zahn, der nur durch den Zahnarzt mit einer Walking-Bleach-Technik gebleicht werden kann.

Wurzeltoter Zahn, der nur durch den Zahnarzt mit einer Walking-Bleach-Technik gebleicht werden kann. (Quelle: Prof. Brita Willershausen)

Vorsicht bei frei verkäufliche „Zahnaufhellern“

2012 wurde in Europa der freie Verkauf von Bleaching-Produkten mit Wasserstoffperoxid (H2O2) über 0,1 Prozent verboten. Es gibt aber nach wie vor „Zahnaufheller“ in der Drogerie zu kaufen, die jedoch schwächer in der Wirkung sind. Gewarnt werden muss allerdings vor Zahnpasten, die die Zähne aufhellen sollen. Sie enthalten abrassive Scheuerpartikel zum schnellen Entfernen der hartnäckigen Beläge aus zum Beispiel Kaffee oder Tee. Leider geht bei der Anwendung dieser „Zahnweißcremes“ immer auch Zahnschmelz verloren. Wer diese Pasten also zu häufig einsetzt, bürstet sich quasi den Zahnschmelz von den Zähnen, so dass irgendwann das dunklere Dentin unter dem Zahnschmelz durchleuchtet und die Zähne dann dunkler statt heller werden.

Die Schmelzoberfläche verliert beim Bleichen an Härte

Stärker wirkende Bleichgele gibt es nur beim Zahnarzt ab dem 18. Lebensjahr. Die Palette der Wirkstoffkonzentrationen reicht dabei von 6-7 Prozent für die Anwendung zu Hause mit Schiene, bis zu 40 Prozent H2O2 in der Zahnarztpraxis. Für Frau Willershausen sind gerade solche hohen Konzentrationen indiskutabel: „Manche Praxen, die gehen auf 30, 40 Prozent H2O2 hoch. Das ist wirklich eine Konzentration, da kriegt man Bauchschmerzen.“

In eigenen Studien konnte sie im Labor nachweisen, dass bei Anwendung solcher Bleichgele dem Schmelz massiv Mineralien wie Calcium und entzogen werden und der Schmelz deshalb an Härte verliert.

Calcium-Verlust in der Schmelzoberfläche nach einem sechs Stunden Bad in Apfelsaft oder einer 12prozentigen Wasserstoffperoxid-Lösung.

Calcium-Verlust in der Schmelzoberfläche nach einem sechs Stunden Bad in Apfelsaft oder einer 12prozentigen Wasserstoffperoxid-Lösung. (Quelle: Prof. Brita Willershausen/)

Home-Bleaching

Wenn schon Bleaching, dann rät sie Ihren Patienten deshalb zum sanfteren Homebleaching, bei dem der Zahnarzt eine passgenaue Schiene herstellt und dem Patienten ein circa sieben-prozentiges Gel mit nach Hause gibt. Während der Nacht oder circa vier Stunden am Tag kann der Patient dann für einige Wochen die Schiene mit etwas Gel gefüllt tragen und dabei letztlich selbst entscheiden, wann seine Zähne weiß genug sind. Die Therapie lässt sich mit der gleichen Schiene auch nach einigen Jahren wiederholen.

Power-Bleaching

Nicht jeder, der weiße Zähne will, möchte allerdings zu Hause eine Schiene tragen. Viele Patienten setzen deshalb auf das sogenannte „Power-Bleaching“ oder „In-Office-Bleaching“ in der Zahnarztpraxis. Bei diesem Verfahren arbeitet der Zahnarzt mit deutlich höheren Konzentrationen und kann so in kurzer Zeit eine stärkere Zahnaufhellung erreichen. Dieses Verfahren lehnt Brita Willershausen aufgrund der konzentrierten Bleichgele ab. Aber auch, weil es für den Patienten sehr schmerzhaft werden kann. Gleichwohl wird „in-Office-Bleaching“ in vielen deutschen Praxen angeboten. Der Patient muss deshalb vor der Behandlung über eventuelle Schmerzen aufgeklärt werden, die sich aber meist innerhalb wenige Tage anschließend wieder einstellen. Tatsächlich konnte in Studien gezeigt werden, dass die Bleichgele durch den Zahnschmelz bis zum Zahnnerven gelangen und dort erste Entzündungssymptome, wie eine Vergrößerung der Blutgefäße, hervorrufen (siehe Links). Prof. Claus-Peter Ernst, der selbst über Bleaching geforscht hat und trotzdem dieses Verfahren in seiner Praxis anwendet, weist darauf hin, dass bisher keine Studien bekannt sind, in denen es – abgesehen von anfänglichen Zahnschmerzen - zu klinischen Beschwerden bei den Patienten kam. Das heißt in den Untersuchungen konnte nicht gezeigt werden, dass nach einem Bleaching häufiger Karies entsteht oder die Zähne so spröde werden, sodass sie häufiger abbrechen.

Achtung bei hochkonzentrierten Bleichgels

Trotzdem müssen empfindliche Zahnhälse und das Zahnfleisch mit einem Schutz abgedeckt werden, bevor das hochkonzentrierte Gel aufgebracht wird, weil es sonst unmittelbar zu Schmerzen und Verletzungen des Zahnfleischs kommen kann. Um die Einwirkzeit der Bleichgele noch zu verkürzen, wurden Verfahren entwickelt, die die Bleichwirkung durch Wärme, Licht oder Laser beschleunigen. Hier ist die wissenschaftliche Datenlage noch relativ dünn. Während des Bleichvorgangs sollte aber immer jemand vom Praxisteam im Zimmer sein, der eingreifen kann, falls es zu Schmerzen kommt.

Verkürzung der Einwirkzeit von hochprozentigen Bleichgels durch Lichtaktivierung.

Verkürzung der Einwirkzeit von hochprozentigen Bleichgels durch Lichtaktivierung

Fazit

Mit beiden Verfahren, dem „Home-Bleaching“ und dem „Powerbleaching“ lassen sich deutliche Aufhellungen von dunklen und mittleren Zähnen erreichen. Sind die Zähne allerdings vor der Behandlung bereits mit einer A1, B1 oder C1 schon am oberen Ende der Helligkeit von natürlichen Zahnfarben, ist eine noch weitere Aufhellung nur schwer zu erreichen. Hier zeigen hochkonzentrierte Bleichgele mehr Chancen, allerdings auch mit den bekannten Risiken. Letztlich muss jeder selbst entscheiden, wie weit er gehen will und ob allzu helle Zähne nicht eher unnatürlich aussehen. Wie lange die Zähne hell bleiben, hängt unter anderem vom persönlichen Nikotin-, Kaffee-, Tee- oder Rotweingenuss ab. Vor einem Bleaching, macht auf jeden Fall eine professionelle Zahnreinigung Sinn, da sich durch die Entfernung der festen Ablagerungen, meist bereits eine deutliche Aufhellung erreichen lässt.