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SENDETERMIN Do, 22.1.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Tierwohl Bist Du ein glückliches Schwein?

Künftig muss bei Nutztieren das Tierwohl gemessen werden. Bislang fehlen dafür aber praxistaugliche Instrumente. Klar ist: Kein Schwänze abschneiden und kastrieren mehr. Im Gegenteil: Das Schweineleben soll schöner werden!

Ein glückliches Schwein im Stroh?

Eine Gruppe Schweine in einer Bucht im Stall. Sind diese Schweine glücklich? Schwer zu sagen. Sie frieren nicht. Sie leiden weder Hunger noch Durst. Sind nicht krank, nicht verletzt. Damit sind die Mindeststandards erfüllt, sagt die Tierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, Dr. Cornelie Jäger. Tierwohl ist freilich ein bisschen mehr.
"Es ist auch die Freiheit sozusagen Normalverhalten ausleben zu können. Also es ist die Freiheit zu etwas, also nicht nur die Freiheit von etwas, irgendwelchen Einschränkungen, das ist vielleicht das, was im Tierschutz noch der gängige Maßstab war. Und das Plus, das sich für das Tierwohl dann ergibt, wäre eben, dass Normalverhalten tatsächlich ausgeführt werden kann", sagt Dr. Cornelie Jäger. "Und da haben wir in vielen Tierhaltungsbereichen, tatsächlich im Geflügelbereich, und auch in einigen Bereichen im Schweinebereich aber durchaus auch bei Rinderhaltung noch erheblich Einschränkungen."

Manches verstößt offensichtlich gegen das Tierwohl. Wenige Tage alte Ferkel etwa, bekommen zwar ein Schmerzmittel, doch dann werden ihnen die Schwänze kupiert. Damit sie sich die später nicht gegenseitig abbeißen.

Den männlichen Tieren werden zudem die Hoden abgeschnitten - ohne Betäubung.
Das wird vor allem gemacht, weil das Fleisch von Ebern mitunter ekelhaft stinkt.
Aber auch weil geschlechtsreife Eber schwieriger in der Haltung sind. Dr. Cornelie Jäger, Tierschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, sagt: "Es gibt ja auch in anderen Tierhaltungsbereichen ähnliche Eingriffe, wo man versucht Schwierigkeiten in der Tierhaltung damit zu kompensieren, dass man am Tier eine Veränderung macht. Und davon sollte man schon wegkommen. So dass man zunehmend das System ans Tier und nicht umgekehrt anpasst."

Portrait von der Tierschutzbeauftragten Dr. Cornelie Jäger

Dr. Cornelie Jäger, Tierschutzbeauftragte

Aber was muss konkret verändert werden, damit sich Schwein wirklich wohlfühlt? Es lebt gerne in Gruppen und liegt viel herum. Es muss sich abkühlen können, weil es nicht schwitzen kann. Es ist neugierig und braucht Beschäftigung. All das ist in den modernen Vorzeigeställen der Landesanstalt für Schweinezucht in Boxberg gegeben. Aber reicht das? Die EU fordert zwar mehr Tierwohl, was aber bisher fehlt sind handfeste und objektive Kriterien. Und die Tiere können leider nicht sprechen. Klar ist nur: Bald müssen die Halter das Tierwohl irgendwie messen. Vieles ist da bislang sehr subjektive Menschensicht. Braucht das Schwein beispielsweise Einstreu, um sich wohl zu fühlen?
Dr. Cornelie Jäger, Tierschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, beobachtet eine Gruppe Sauen, die im reichlich vorhandenen Einstreu wühlen und herumstöbern.
"Also man sieht ja ganz deutlich, dass die Schweine sich intensiv damit beschäftigen und immer was zu tun haben, auf die Art. Und sie dann eben einer ganz wichtigen Verhaltensweise besonders gut nachkommen können, halt alles was in Richtung wühlen, Futtersuche geht und in diesen Funktionskreis gehört."

Sehen ist nicht wissen. Aber egal wie wissenschaftlich fundiert sich das Tierwohl auch am Ende messen lässt - es verteuert die Haltung. Nur wenn wir Verbraucher bereit sind, dafür zu bezahlen, dann werden die Tiere in unseren Ställen auch tatsächlich ein besseres Leben haben - bevor wir sie essen.

aus der Sendung vom

Do, 22.1.2015 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.