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SENDETERMIN Do, 15.10.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Biologie Wunderwerk Virus

Viren haben bei der Evolution des Menschen tüchtig mitgeholfen. Manche Forscher sehen in ihnen sogar die geheime Supermacht des Lebens. Was steckt hinter dem "Mysterium Virus"?

Form und Größe

Der Begriff "Virus" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Saft, Schleim oder Gift, was auf den Speichel zurückgeht, der das Tollwutvirus überträgt. Viren können die unterschiedlichsten Formen annehmen. Manche sehen aus wie ein Wurm, andere sind rund wie ein Ball. Es gibt sogar Viren, die ähneln der Mondlandefähre der Apollo Missionen. Einige tragen eine zusätzliche Hülle, manche haben Stacheln oder Dornen. Viren sind deshalb so unterschiedlich, weil jedes Virus auf eine bestimmte Art von Zellen spezialisiert ist. So kann das Virus - sei der Wirt nun ein Bakterium, eine Pflanze oder ein Mensch - an die Zelle andocken, wie ein Schlüssel ins Schloss, um sie zu befallen. Viren sind winzig klein. Selbst die größten sind etwa 4 Millionen Mal kleiner als der Mensch. Das entspricht etwa dem Größenverhältnis zwischen Mondlandefähre und Erde oder einem Sandkorn und dem Empire State Building. Ein Virus ist wie eine Schallplatte oder ein Buch. Es hat eine Hülle und enthält ein Stück Erbinformation. Die Zahl der Gene reicht dabei von wenigen bis 2.500. Zum Vergleich: Der Mensch hat rund 22.000 Gene!

Tot oder lebendig?

Ein Mann hält in einem Labor eine Petrischale mit einer Bakterienkultur hoch.

Bakterien sind eigenständige Lebewesen, Viren nicht.

Bakterien und Viren werden häufig in denselben Topf geworfen, da sie beide krank machen können. Doch Bakterien sind eigenständige Lebewesen, bestehen aus Zellen, haben einen Stoffwechsel und benötigen Nahrung. Viren hingegen haben keinen eigenen Stoffwechsel. Viren sind aber auch nicht tot, jedenfalls nicht so tot wie ein Stein. Sie sind an der Schnittstelle zwischen lebendig und tot. Ein guter Vergleich ist ein Apfel. Ein Apfel allein wird nicht von selbst zu zwei Äpfeln. Auch zwei Äpfel können sich nicht fortpflanzen. Tot ist der Apfel aber nicht: In der Erde, wird er zum Baum. Wie der Apfel braucht das Virus zum Überleben Hilfe. Um sich zu vermehren, benötigt es einen Wirt. Dabei ist die Art, wie sich das Virus vermehrt im Detail sehr unterschiedlich. Grob gesehen ist das Prinzip aber gleich: Das Virus dringt in eine Zelle ein - und einmal drin, bringt das Virus die Zelle dazu, es zu reproduzieren. Es geht dabei nicht um die Zerstörung der Zelle, sondern allein um Vermehrung, dem Fortbestand des eigenen Erbguts. Viren gehören zu den einfachsten biologischen Einheiten. Wahrscheinlich waren sie schon bei der Entwicklung des Lebens von Anfang an dabei und haben sich noch vor den ersten Einzellern auf der Erde ausgebreitet. Doch das ist nur eine Theorie.

Gute Seiten, schlechte Seiten

Viren sind Meister der Gestaltung: Ingenieure, Künstler, Architekten. Sie können Gene aufnehmen, abgeben, mutieren, transferieren, rekombinieren - und nicht nur ihre eigene Gestalt sondern auch das Erbgut ihrer Wirte verändern. Genau das macht sie so unberechenbar und gefährlich. Doch sie besitzen eine ebenso verblüffende Kehrseite. Viren sind immer dabei, wenn die Entwicklung des Lebens neue Wesen hervorbringt - zum Beispiel die Säugetiere. Erst ein Virus machte das Eierlegen überflüssig. Denn normalerweise stößt das Immunsystem Fremdkörper ab - also auch den Embryo im Bauch der Mutter. Doch ein Virus - das sich in das Erbgut eingeschlichen hat - hat diese Immunreaktion im Laufe der Evolution ausgeschaltet. So bleibt das Kind im Bauch der Mutter sicher und versorgt.

Die Urkraft des Lebens

Viren gibt es überall und es gab sie bereits vor Milliarden Jahren. Sie haben die Evolution beeinflusst und sich selbst immer wieder neu erfunden. Und sind dabei unsagbar erfolgreich: Denn es gibt mehr Viren auf der Erde als Sterne am Himmel. Da bleibt die Frage: Wer ist der eigentliche Herrscher des Lebens?

aus der Sendung vom

Do, 15.10.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.