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SENDETERMIN Do, 10.4.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Arbeitsoptimierung Beschleunigung und Stress im Wandel der Zeit

Stress ist ein Massenphänomen geworden, immer mehr Menschen klagen darüber, ein Rückblick in die Vergangenheit zeigt: Stress ist kein aktuelles Problem - nur hatte man früher keinen Begriff dafür.

Stress ist ein Massenphänomen

In der Geschichte unserer Arbeitswelt gab es immer wieder Optimierungswellen, die den Menschen dazu bringen sollten, immer schneller immer mehr zu leisten. Von ersten Bewegungsstudien über Rationalisierung-Fachmänner der REFA, die mit Klemmbrett und Stoppuhr im Rücken von Fabrikarbeitern und Bürokräften auftauchten. Ein Rückblick auf die Geschichte der Optimierung. Schon um 1900 analysierte der US-Amerikaner Frank Gilbreth in seinen Bewegungsstudien insgesamt 17 Handgriffe von Arbeitern - mit Kamera und Stoppuhr. Sein Ziel war es, Arbeitsabläufe zu optimieren und genau zu erfassen, wie viel Zeit ein Arbeiter für welche Arbeit genau braucht. Das sollte die Produktion steigern. Doch nicht nur Stoppuhren waren längst in den Fabriken angekommen, auch das Fließband, geprägt vor allem durch den Automobilproduzent Henry Ford, ebnete schon früh den Weg für die Massenproduktion. Der Mensch geriet in immer schnellere Produktionsabläufe.

Unternehmensberatung mit Kittel und Klemmbrett

Im Deutschland Ende der 1960er Jahre lagen die Wirtschaftswunderjahre, aber auch eine Rezession hinter der Bevölkerung. In der Produktion kam die zunehmende Globalisierung hinzu, der Wettbewerb wurde härter. Ein Begriff machte zunehmend Schule: Rationalisierung. Maschinen sollten überall dort eingesetzt werden, wo der Mensch zu langsam war. Die Arbeiter mussten immer öfter unter den strengen Augen der sogenannten REFA-Fachmänner arbeiten. Mit Klemmbrett und Stoppuhr beobachteten diese die Arbeiter und Arbeitsprozesse. Der bereits 1924 gegründete "Reichsausschusses für Arbeitszeitverkürzung" hatte das Ziel, Prozesse zu vereinfachen, Produktions- und Personalaufwand zu verschlanken. Immer öfter tauchten die Unternehmensberater in Kittel und mit Klemmbrett unterm Arm in Fabriken und Betrieben auf.

Die Technik zieht ins Büro ein

In den 1970er und 1980er Jahren zogen neue Informationstechnologien in deutsche Büros ein. Datenverarbeitung und Kommunikation wurden damit um ein Vielfaches einfacher und schneller.

Computersimulation Arbeitsprozessoptimierung

Computersimulation zur Arbeitsprozessoptimierung

Doch der Mensch musste auch dadurch immer mehr in immer weniger Zeit leisten. In den 1990er Jahren hatte die Technik den Arbeiter in der Fabrik schon weitgehend ersetzt. Maschinen und Roboter nahmen dem Menschen viele Handgriffe ab - und führten sie schneller und somit effizienter durch. Mit modernen Computermodellen sollten die wenigen verbliebenen Handgriffe des Menschen noch optimiert werden. Körperhaltung und Handgriffe wurden am virtuell nachgebauten Arbeitsplatz rekonstruiert, Alternativen ausprobiert. Bücken oder Über-Kopf Arbeiten und andere körperlich anstrengende Arbeitsabläufe sollten so vermieden, der Mensch körperlich entlastet und somit länger fit und leistungsfähig gehalten werden. Doch insgesamt entlastete die Technik den Menschen nicht.

Immer erreichbare Alleskönner

Der Trend des "Job Enrichments" machte sich breit: Arbeiter sollten zunehmend auch planerische und konzeptionelle Arbeiten übernehmen, am besten möglichst vielfältig einsetzbar sein und die unterschiedlichsten Produktionsschritte beherrschen. Doch mit der Verantwortung wuchs auch der Leistungsdruck. Jeder sollte zum Alleskönner werden - und möglichst immer erreichbar sein. Handy, E-Mail und Internet vernetzten den Menschen, machten Arbeit und Privatleben flexibler und schneller. Stress wurde jetzt zum Thema, statt wie bisher nur die körperlichen Beanspruchungen des Menschen in seiner Arbeitswelt zu diskutieren, wuchs das Bewusstsein dafür, dass die psychische Belastung der Menschen stieg. Volle Terminkalender, Ärger, Lärm und Zeitdruck überfordern uns auch heute - und wir haben auch Namen für das Problem gefunden: "Stress", "Beschleunigung", "Arbeitsverdichtung". Doch auch wenn diese Begriffe erst seit den 1990er Jahren salonfähig geworden sind - der Blick in die Vergangenheit zeigt: Stress ist kein Phänomen unserer Zeit.

aus der Sendung vom

Do, 10.4.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.