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SENDETERMIN Do, 15.5.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag SWR odysso Angst vor der Narkose

Wache ich aus der Narkose auch wieder auf, oder werde ich womöglich schon während der Operation wach? Fragen wie diese quälen viele Menschen, die als Patienten die Klinik betreten. SWR-Wissenschaftsreporter Axel Wagner geht den Fragen nach - wie gefährlich ist eigentlich eine Narkose?

Reporter Axel Wagner im Krankenhaus

Seit vielen Jahren ist Prof. Eike Martin Direktor der Klinik für Anästhesiologie in Heidelberg. Wie schätzt er als ein erfahrener Mediziner das Risiko der Narkose ein? "Ich würde mich hundertmal narkotisieren lassen, aber vor operativen Eingriffen habe ich einen großen Respekt. Das signalisiert, dass ich mich sicher fühle in der Durchführung einer Narkose."

Risiken einer Narkose

Aber ganz risikolos ist keine Narkose - deshalb wird jeder Patient zuerst genau untersucht. Wie gefährlich eine Narkose ist, hängt stark vom Patienten selbst ab, seiner Verfassung, aber auch von seiner individuellen Anatomie, zum Beispiel wenn der Beatmungsschlauch in die Luftröhre eingeführt wird, können ein kurzer Hals oder ein schmaler Mund durchaus problematisch werden. Übergewicht ist ein weiterer wichtiger Faktor, denn das Hypnotikum, mit dem die Bewusstlosigkeit herbeigeführt wird, wird im Körperfett gespeichert und der Abbau dieser Substanzen dauert etwa bei Übergewicht unter Umständen länger.

"Spielt denn die Erfahrung eines Anästhesisten bei der Einschätzung des Patienten eine Rolle?", will Axel Wagner wissen. "Mit Sicherheit", sagt Prof. Martin, "der alte Hase sieht das sofort."

Es ist außerdem sehr wichtig, dass der Patient vor der Operation nüchtern ist. Für eine sichere Narkose sollte der Magen leer sein. Falls der Patient erbricht könnte sonst der Mageninhalt in die Luftröhre gelangen.

Narkose-Gefahren wie zum Beispiel eine zugeschwollene Luftröhre werden an Simulationspuppen trainiert. Ein Arzt im Nebenraum spielt die Reaktionen der künstlichen Patienten lebensecht nach. Notsituationen wie diese müssen geübt werden, denn sie verringern die Risiken einer Narkose.

Das Risiko in Zahlen

Doch wie groß ist das Risiko einer Narkose in Zahlen? Gibt es überhaupt Zahlen? "Ja, es gibt Annahmen", sagt Prof. Martin, "Man rechnet bei uns in der Bundesrepublik mit etwa 180 Anästhesie-bezogenen Todesfällen im Jahr." Bezogen auf 9 bis 10 Millionen Operationen pro Jahr und im Vergleich zu anderen Risiken ist diese Zahl laut Prof. Martin eher gering.

Portrait von Prof. Eike Martin

Prof. Eike Martin

Und wie steht es um die Gefahr, schon während der Operation aufzuwachen? Tatsächlich passiert das. Ein bis zwei Patienten pro 1.000 Narkosen wachen im Durchschnitt während der Narkose auf. Auch das ein geringes Risiko sagt Prof. Martin: "Man muss auch wissen, warum das passiert, denn es handelt sich meistens um Notfälle oder eilige Schwangerschaftsentbindungen, bei denen man die Narkosemittel so steuert, um dem ungeborenen Kind nicht zu viel Narkosemittel zu verabreichen." Auch bei Eingriffen am Herz muss die Narkose bewusst so schonend wie möglich durchgeführt und die Narkosemittel in sensiblen Dosen verabreicht werden. Bei Kindern ist die Häufigkeit, während der Narkose aufzuwachen, größer als bei Erwachsenen. Sie haben einen höheren Stoffwechsel als Erwachsene und verarbeiten deshalb die Narkosemittel schneller.

Angst vor der Narkose?

Doch auch der Faktor "Angst" spielt bei kleinen wie großen Patienten eine zentrale Rolle: "Wenn sie sehr Angst haben", so Prof. Martin, "wissen wir, dass die Patienten einfach mehr Narkosemittel und Medikamente brauchen - und subjektiv gesehen habe ich den Eindruck, dass die Patienten mit hohem Angstlevel Komplikationen entwickeln." Wissenschaftsreporter Axel Wagner fasst seine Recherchen und Erfahrungen an der Uniklinik Heidelberg deshalb so zusammen: Die beste Devise für eine ungefährliche Narkose lautet "ruhig bleiben".


Nachtrag:
In einer am 05.05.2014 im "British Journal of Anaesthesia" veröffentlichten Studie kommen die Autoren, eine Gruppe deutscher Narkose-Spezialisten, zu dem Schluss, dass die Zahl der sogenannten "Kollateralschäden" in der Anästhesie möglicherweise höher liegt als bislang angenommen.


aus der Sendung vom

Do, 15.5.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.