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SENDETERMIN Do, 9.1.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Angeborene Herzfehler Ein lebenslanges Risiko

Fast alle Menschen mit einem angeborenen Herzfehler, die als Kinder operiert wurden, bekommen im Laufe ihres Lebens erneut Herzprobleme. Und das, obwohl sie als geheilt betrachtet wurden. Betroffene sollten sich regelmäßig untersuchen lassen, raten Experten.

Eine EKG-Monitor.

Ein Loch zwischen den Herzvorhöfen

Lioba W. wurde 1970 geboren. Eltern und Ärzten fiel auf, dass sie anders als ihre Altersgenossen ein eher stilles Kind war und sich nur wenig bewegte. Sie war sehr schwach und konnte sich als Zweijährige kaum auf einem Kinderstuhl halten. Dann kam die niederschmetternde Diagnose. Lioba hatte ein großes Loch zwischen den Herzvorhöfen. Die Ärzte glaubten, dass sie unbehandelt ihren dritten Geburtstag nicht erleben würde. Die einzige Möglichkeit: Eine Operation am offenen Herzen bei der das Loch mit einem Flicken aus Teflon verschlossen wird. Diese Technik war Anfang der 1970er Jahre noch relativ neu und Liobas Chancen, die Operation zu überleben, eher gering.

Rückfall nach dreißig Jahren

Aber Lioba schaffe es - überlebte den schweren Eingriff und wurde als "geheilt" entlassen. Die Ärzte waren sehr zufrieden und freuten sich mit den Eltern. "Das Kind wird 100 Jahre alt", hieß es damals. Es begann ein ganz normales Leben.

Erst mit Mitte Dreißig holte ihr Herzfehler sie wieder ein – mitten in ihrem quirligen Berufsalltag. Die Ärzte diagnostizierten eine Herzrhythmusstörung. Inzwischen ist bekannt, dass sehr viele Patienten mit therapiertem Herzfehler darunter leiden, wenn sie älter werden. Die Kardiologen konnten ihr zunächst helfen. Das Flattern verschwand für einige Jahre, aber es kam wieder - hartnäckiger als zuvor. Ursache für das Vorhofflattern war eine Zellregion, die in den normalen Takt des Herzens, einen zweiten, falschen Takt sendete. Eine sogenannte Ablation, das "Veröden" dieser Zellen hilft - aber nur vorübergehend.

Operation wird immer riskanter

Schon wenige Monate später hat sie erneut Beschwerden. Diesmal ein Vorhofflimmern, eine andere Rhythmusstörung. Auch die könnte mit einem Kathetereingriff therapiert werden, aber der Teflon-Flicken, der Lioba W. als Kleinkind eingesetzt wurde, ist jetzt im Weg und würde den Eingriff zu einer riskanten Aktion machen.

Spezialisten im Deutschen Herzzentrum in München können ihr schließlich mit einem Medikament helfen. Der Herzschlag ist wieder ruhig und regelmäßig, sie kann wieder arbeiten. Aber die Ärzte und Lioba wissen: Auch das ist keine Dauerlösung. Lioba spielt nun auf Zeit, sie schiebt den riskanten Eingriff möglichst weit hinaus.

Überbrücken mit Medikamenten

Nach Ansicht von Liobas Kardiologen ist es sehr sinnvoll für ehemaligen Kinder-Herzpatienten, lebenslang in regelmäßigem Kontakt mit einem Spezialisten zu sein. Die euphorische Einschätzung der Kollegen in den 1970er Jahren, die ihre ersten Erfolge in der Kinderherzchirurgie als dauerhafte Heilung betrachteten, gilt heute als überholt.

Lioba hat über ihre Geschichte ein Buch geschrieben. Denn viele Fakten über angeborene Herzfehler sind weder Patienten noch Ärzten bekannt. Es ist derzeit noch ein Feld für Spezialisten.

Jedes hundertste Kind kommt mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt. Manche dieser Fehlbildungen sind lebensgefährlich, andere eher harmlos. Während noch in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts der größte Teil der Betroffenen eine sehr kurze Lebenserwartung hatte, erreichen heute rund 90 Prozent das Erwachsenenalter. Der Grund dafür sind Fortschritte in der Herzchirurgie.