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SENDETERMIN Do, 6.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Klinikum am Weissenhof Alltag in der Forensischen Psychiatrie

Gefahr für die Allgemeinheit? Um den Umgang mit psychisch kranken Tätern kreisen Vorurteile und Ängste. Einblicke in eine Welt, zu der nur wenige Zutritt haben.

Sich selbst entlassen würde sie nicht, sagt Elena. Ihre zierliche Gestalt und feinen Gesichtszüge lassen auf vieles schließen, aber nicht auf das Verbrechen, aufgrund dessen sie hier in der forensischen Psychiatrie des Klinikums am Weissenhof einsitzt. Was für ein Verbrechen das ist, möchte sie nicht sagen. Nur so viel: Es gibt hier Brandstifter, Mörder, Sexualstraftäter. Von den meisten ihrer Mitpatienten wisse sie nicht, welches Delikt sie begangen haben, und das sei auch gut so. Andernfalls würde es den Umgang miteinander erschweren: "Weil man eventuell Angst im Hinterkopf hätte", sagt sie.

Feste Strukturen im Alltag

Über den Grund, warum er hier ist, möchte auch Daniel nicht sprechen. Der kräftig gebaute Mittdreißiger atmet laut und schwer. Er hat heute Kunsttherapie und aus Ton eine Burg gebaut, die er jetzt rot anmalt. Sein größtes Problem, sagt er, sei die Sexualität. Insgesamt habe er aber schon gute Fortschritte gemacht, gerade in puncto Aggressionen. Wie die meisten Patienten hier geht er regelmäßig zur Arbeitstherapie. Oft sind dort leichte Montagearbeiten zu verrichten. Der Umgang mit Werkzeug wie Hammer oder Schraubenzieher gehört dazu. Zwischendurch stehen andere Therapien an. So haben die Tage eine feste Struktur. Bislang, sagen die Pfleger, sei zumindest im Rahmen der Arbeitstherapie noch kein Patient aggressiv oder gewalttätig geworden.

Medikamente zur Stabilisierung

Eine entscheidende Rolle hierbei spielen die Medikamente. Auch für Elenas Borderline-Persönlichkeitsstörung hat sich inzwischen eines gefunden, das ihre Gefühlslage stabilisiert. Dass sie grundsätzlich für andere Menschen eine Gefahr sei, glaube sie nicht. Vorurteile gegenüber psychisch kranken Tätern könne sie zwar verstehen - aber nicht jeder hier sei gefährlich, oder auf Dauer gefährlich. Auch Schuld, sagt sie, könne mit der Zeit vergehen. Nur nicht bei ihr: "Weil ich es mir selbst nie verzeihen werde", sagt sie.

Bessern und sichern

Daniel findet es richtig, an einem Ort zu sein, der die Gesellschaft vor ihm schützt. "Dann kann ich keine Dummheiten anstellen", sagt er. Das sei bei ihm halt so üblich: Wenn er nichts zu tun habe, stelle er gerne Dummheiten an. Auf die Frage, ob er glaubt, hier überhaupt irgendwann einmal wieder herauszukommen, sagt er: "Wie heißt ein Spruch? Ob sie mich lieben oder hassen, irgendwann müssen sie mich entlassen."

Definition:
Forensische Psychiatrie
Forensische Psychiatrie ist das Teilgebiet der Psychiatrie, das sich mit den juristischen Fragen befasst, die sich im Zusammenhang mit psychisch kranken Menschen stellen. Dazu gehören die Schuldfähigkeit und die Einschätzung des Gefährlichkeitsgrades von Straftätern sowie deren Behandlung (...) Aufgaben der Maßregelvollzugskliniken sind die Besserung und die Sicherung von psychisch- und suchtkranken Tätern. (Auszug aus: www.forensik-transparent.de)

aus der Sendung vom

Do, 6.3.2014 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.