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SENDETERMIN Do, 3.4.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Verkehrsmanagement Ärgerquelle Ampel

Immer dann, wenn man es eilig hat, zeigt die Ampel Rot. Jeder fühlt sich an der Kreuzung benachteiligt. Dabei versuchen Verkehrsingenieure, an jeder Ampel für alle die kürzeste Wartezeit herauszuholen. Eine große Herausforderung.

Meckern erlaubt

Manche Städte haben eine Ampelhotline geschaltet. In Köln zum Beispiel können Verkehrsteilnehmer nicht nur defekte Ampeln melden, sondern auch reklamieren, wenn ihnen eine Ampelschaltung fehlerhaft vorkommt.

Genau das hat die Kölnerin Beate Rohlfs mit ihrer "Ärgerampel" getan: Diese steht an der Luxemburger Straße, einer der großen Hauptverkehrsstraßen Kölns. Straßenbahnen, Autos und Fahrräder drängen hier von Südwesten her ins Zentrum und wieder hinaus. "Wenn ich hier nach links abbiegen und die Luxemburger kreuzen will, stehe ich manchmal fast acht Minuten!" berichtet sie.

Vorfahrt für die Bahn

Acht Minuten Wartezeit. Eigentlich darf das nicht sein, denn ein "Umlauf" - das ist die Zeit, in der alle an einer Kreuzung nacheinander Grün und Rot bekommen - sollte in Köln zwischen 45 und 110 Sekunden lang sein. Eine Rotphase sollte also immer wesentlich kürzer als zwei Minuten dauern - egal an welcher Ampel. Auf die Beschwerde von Beate Rohlfs hin nahmen die Kölner Verkehrsingenieure Susanne Rosenstein und Dirk Schopen die Schaltung genau unter die Lupe. Das Ergebnis: Die Kreuzung ist Teil einer der ersten so genannten "Stadtbahnbeschleunigungsstrecken". Hier bekommen die Bahnen an allen Kreuzungen freie Durchfahrt - die Autos müssen warten. Im Grunde eine sinnvolle Strategie, die in den meisten deutschen Städten verfolgt wird: Der öffentliche Nahverkehr hat Vorrang vor dem Individualverkehr.

Veraltete Schaltungen

Die Art der Vorrangschaltung an dieser Straße ist jedoch veraltet. "Das ist eine der ersten Strecken, die wir Anfang der 1990er so geschaltet haben", so Susanne Rosenstein vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik. Damals bekam die Bahn die höchste Priorität, das bedeutet, wenn innerhalb eines Umlaufs ausgerechnet wieder eine Bahn kommt, müssen Linksabbieger ungewöhnlich lange stehen.
Die Verkehrsingenieure haben bald erkannt, dass das nicht optimal ist. Andere Verkehrsknoten haben sie deshalb besser geschaltet: Busse und Bahnen haben nach wie vor Vorrang, doch dann bekommen diejenigen Grün, die vorher am längsten gewartet haben. Das ist gerechter, handelt den Ampelplanern aber direkt das nächste Problem ein. Denn so nehmen sie in Kauf, dass in der Hauptverkehrsrichtung unter Umständen die "grüne Welle" zusammenbricht.

Komplexe Netze

Für eine "grüne Welle" müssen oft 20 und mehr Kreuzungen miteinander koordiniert werden. Steigt eine Kreuzung aus der konzertierten Schaltung aus, dann funktioniert die Sache nicht mehr.

Verkehrsleitzentrale Köln

Die Verkehrsleitzentrale in Köln

Maßgeblich ist dafür immer der verkehrsreichste Knoten - nach ihm müssen sich alle Kreuzungen "stromabwärts" richten. Dort bedeutet das für querende Fußgänger manchmal Wartezeiten bei Rot, selbst wenn die Straße frei ist. "Ich bin ja selbst Verkehrsteilnehmer, mit dem Auto, dem Rad und zu Fuß, und auch ich hätte am liebsten überall immer Grün", so Ampelplaner Dirk Schopen. "Aber wenn wir den Fußgänger immer sofort Grün geben, sobald sie an der Ampel drücken, kommt der Autofluss entlang der ganzen Achse ins Stocken. Und wenn wir die Grüne Welle für die Autos hoch halten, geht das eben auf Kosten der Fußgänger. Wir müssen das an jeder Stelle neu entscheiden." Den besten Kompromiss suchen ist alles, was die Verkehrsingenieure dann tun können. Und mit dem sind selten alle restlos zufrieden.

Neue Ampeln sind teuer

Doch Fälle wie die "Ärgerampel" von Beate Rohlfs sind extrem, das räumen auch Detlef Schopen und Susanne Rosenstein ein. Um sie zu entschärfen, müssen allerdings um die 20 Ampelanlagen entlang der Luxemburger Straße erneuert und komplett neu programmiert werden, denn auch hier haben es die Ingenieure mit einem Netzwerk zu tun. Im Zweifel heißt das zwanzig Mal neue Ampeln - inklusive Verkabelung, Verkehrsmesstechnik und Anschluss an den zentralen Verkehrsrechner. Je nach Kreuzung kostet das zwischen 25.000 und 320.000 Euro. Im Rahmen des städtischen Programms zur Erneuerung der Ampeln wird das Team der Kölner Verkehrsingenieure diese Mammutaufgabe in Angriff nehmen.

aus der Sendung vom

Do, 3.4.2014 | 22:00 Uhr

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