Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 27.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Veggie-Wende Was passiert, wenn wir 80 Prozent weniger Fleisch essen?

200 statt 1.000 Gramm pro Woche - weniger Fleisch bis gar kein Fleisch auf dem Teller ist machbar, und es ist gesund. Doch nicht nur die Gesundheit profitiert, sondern Tiere, Umwelt und sogar die Landwirtschaft.

Veggi-Wende

Weniger Fleisch für eine bessere Welt

51 Prozent der Deutschen wollen weniger Fleisch essen. Sie möchten so ihre Gesundheit, Tiere und die Umwelt schützen. Doch was passiert, wenn statt 1.000 Gramm pro Woche nur noch 200 Gramm Fleisch auf den Tellern landen? Das sind 80 Prozent weniger von dem, was wir zurzeit zu uns nehmen.

Wie viele Tiere würden dann weniger sterben?

Ein Deutscher verspeist im Laufe seines Lebens im Durchschnitt 1.094 Tiere. Bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren sind das 14 Rinder, Schweine und Hühner pro Jahr. Würden Deutsche ihren Fleischkonsum um 80 Prozent senken, also nur noch 200 statt 1.000 Gramm pro Woche essen, dann müssten 896 Millionen Tiere pro Jahr weniger getötet werden. Rein rechnerisch natürlich, denn ein Rind hat im Durchschnitt 394 Kilogramm Schlachtgewicht und ein Huhn nur 0,88 Kilogramm.

Wie viel Agrarfläche würde frei werden?

Deutschland hat eine Gesamtfläche von 35 Millionen Hektar. Mehr als die Hälfte wird landwirtschaftlich genutzt. Wenn wir unseren Fleischhunger mit deutschen Flächen stillen wollten, würde die Hälfte davon für Futtermittel gebraucht. Doch das meiste Tierfutter wird importiert - 4,6 Millionen Tonnen Sojamehl pro Jahr aus Südamerika. Dort beanspruchen wir eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Würden wir unseren Fleischkonsum um 80 Prozent reduzieren, würde nicht nur in Deutschland Platz frei. Allein in Brasilien würden 1,3 Millionen Hektar zurück gewonnen. Nutzen: Schutz des Regenwalds und der Artenvielfalt.

Was bedeutet das für den Klimaschutz?

Tatsächlich produzieren die Tierställe mehr Klimagase als sämtliche Auspuffrohre zusammen. Fast 70 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen entstehen durch Viehzucht. Legt man unsere Annahmen auf Zahlen des WWF um, dann könnten jährlich allein in Deutschland 18 Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen eingespart werden. Das entspräche umgerechnet über 150 Milliarden PKW-Kilometern. Dafür könnten alle deutschen Autobesitzer einmal von Hamburg nach Rom und wieder zurück fahren.

Wie viele Arbeitsplätze würden verloren gehen?

Bundesweit arbeiten 28.000 Beschäftigte in der Fleischindustrie. Wegen der zahlreichen Leiharbeiter aus EU Ländern ist die genaue Anzahl allerdings nicht bekannt. Wenn wir 80 Prozent weniger Fleisch äßen, würden rein rechnerisch über 20.000 Arbeitsplätze verloren gehen.

Wie viel weniger Schadstoffe sind dann im Nahrungskreislauf?

Pro Jahr landen über 43.000 Tonnen Pestizide auf unseren Feldern - schätzungsweise die Hälfte davon für den Anbau von Futtermitteln. In der Schweinezucht werden zusätzlich noch Sexualhormone gespritzt, die im Verdacht stehen, Krebs zu verursachen. Deutsche Tierzüchter gehören außerdem zu den größten Antibiotika-Verbrauchern weltweit. 1.600 Tonnen werden jährlich dem Tierfutter beigemischt. Mit schwerwiegenden Folgen. Es bilden sich immer mehr resistente Bakterien, die für die Gesundheit des Menschen gefährlich sind. Äßen wir 80 Prozent weniger Fleisch, könnten 1.300 Tonnen Antibiotika eingespart werden. Das wäre nicht nur für die Tiere gut, sondern für uns alle.

Biofleisch für alle?

Ökologische Tierzucht ist teuer. Deshalb deckt Biofleisch zurzeit nur ein Prozent des gesamten Fleisch-Bedarfs in Deutschland. Dabei bevorzugen Drei Viertel der Deutschen Bio-Kost - vor allem aus der eigenen Region. Die gute Nachricht: Wenn wir wirklich 80 Prozent weniger Fleisch essen, kann ausreichend Biofleisch für alle in Deutschland hergestellt werden. Dann auch günstiger als bisher.