Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 29.11.2012 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Regionale Energieversorgung - der richtige Weg?

Der Energiewende-Check

Alles spricht von Energiewende, von teuren Stromautobahnen, gar von gigantischen Leitungen zu den Solaranlagen in der Sahara – der Traum einer atomfreien Energieversorgung? Doch in der Realität beginnt gerade erst eine Jahrzehnte dauernde Umstellung des Energienetzes in Deutschland. Technologische Herausforderungen müssen gemeistert werden. Ist da die regionale Energiewende der sinnvollere – gar billigere – Weg, als nur auf die Versorgung durch gewaltige Windparks in der Nordsee zu setzen?

Südeifel: Wertschöpfung aus der Region für die Region

Luftaufnahme der Eifel: Teilweise bewaldete, sanfte Hügel mit einigen Windrädern und kleinen Ortschaften

Modellregion für nachhaltige Energieerzeugung: die Südeifel.

Die Südeifel ist schon heute eine Modellregion. Zwischen Prüm, Bitburg und Trier gehören Windräder und Solaranlagen zum Landschaftsbild. Prof. Ralf Simon ist Energieexperte an der FH Bingen. Für ihn könnte diese Region eine regionale Energiewende schaffen, einen Beitrag dazu leisten, dass die Stromautobahnen in einem geringeren Umfang gebraucht würden. Dass wir also den Strom mehr vor Ort erzeugen, als ihn nur von der Nordsee hierher zu transportieren. Die Wertschöpfung bleibt so in der Region. Vier Millionen Euro investierte Mario Brüders, Vorstand der Energiegenossenschaft Südeifel Strom, allein in einen neuen Solarpark in der Nähe von Bitburg. Hier setzt man auf Bürgerbeteiligung. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm existierten bereits 240 Solaranlagen. Die Energiegenossenschaft will künftig auch in Richtung Windkraft investieren. Man rechnet mit 100 bis 150 neuen Anlagen in der Region, und da wolle man auf jeden Fall mit dabei sein.

Riesige Druckguss-Anlage in Fabrikhalle

Roboterabhängige Produktion: Die heimische Industrie muss sich auf die Energieversorgung verlassen können.

Bei der regionalen Energiewende sind ganz sicher dabei: Unternehmen vor Ort, die auf große Mengen Strom angewiesen sind. Doch Manager Gerhard Eder macht sich Sorgen um seine Maschinen. In seiner Gießerei in Prüm hat er Roboter gesteuerte Präzisionsmaschinen im Einsatz. Hier entstehen Gussteile auch für die Autoindustrie im Süden. Die Roboter können nur arbeiten, wenn sie auch künftig zuverlässig Strom bekommen. Jede Schwankung beeinträchtigt die Qualität der Produkte.

Stromerzeuger und -verbraucher sollen miteinander „reden“

Zwei Mitarbeiter der Trierer Leitwarte vor Kontrollmonitore

Klarer Kurs: Die Stadtwerke Trier setzen auf Erneuerbare Energien.

Die Stadtwerke in Trier sind der Hauptversorger der Region. Hier werden die Sorgen von Gerhard Eder ernst genommen. Die Stadtwerke arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, das Netz auf immer mehr erneuerbare Energieträger umzustellen. Doch auch das künftige Netz soll sicher sein. Damit das klappt, braucht man Energiespeicher neuer Generation, die die vielen Windräder und Solarparks zusammenbringen. Herzstück des künftigen Netzes soll ein neuartiges Pumpspeicherkraftwerk werden, das in kurzen Intervallen Wasser auf den Berg pumpt, um so Energie zu speichern. Umgekehrt erzeugt es selbst Strom, wenn das Wasser wieder ins Tal stürzt. Das stabilisiert das künftige regionale Netz. Es verknüpft als sogenanntes „intelligentes Netz“ all die verschiedenen Stromerzeuger, also Solarparks und Windräder mit den vielen Verbrauchern. Pumpspeicherkraftwerke arbeiten dabei als Regler. Die ganze Region ist dann also ein großes Kraftwerk. Alle Bestandteile sind miteinander vernetzt, so Prof. Ralf Simon, Energieexperte an der FH Bingen: „Wann wird ein Netz intelligent? Es wird dann intelligent, wenn es einen Kommunikationsweg gibt. Wenn man eine Basis schafft, wenn Verbraucher und Erzeuger von Strom gemeinsam miteinander „reden“ können, sich verstehen können. Und nicht nur die einen einfach Strom erzeugen, und die anderen einfach nur Strom verbrauchen.

Industrie als Bestandteil im „intelligenten Netz“

Computergrafik eines regionales Energieverbunds

Intelligent regional vernetzt: Stromerzeuger und -verbraucher kommunizieren miteinander.

In der Energiewende werden so die Verbraucher, wie Gerhard Eders Firma, zum Bestandteil des intelligenten Netzes. Sie kommunizieren mit den Stromanbietern und können ihre Maschinen so im neuen Netz optimal einsetzen. Das Unternehmen will bei der Energiewende mitmachen, will keinen Atomstrom aus Belgien oder Frankreich beziehen. Das sichert auch die 600 Jobs im Werk in Prüm. Regional aufgestellt, ist das Netz der Energiewende dann besser und sicherer als zuvor. Gerade für mittelständische Unternehmen auf dem flachen Land sind das enorm wichtige Standortbedingungen. Und, die Akzeptanz der regionalen Energiewende steigt, wenn die Bürger vor Ort daran beteiligt sind und Vorteile davon haben.