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SENDETERMIN Do, 31.5.2012 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Transfette machen depressiv?

Pillen statt Pflege

Transfette stehen schon länger in der Kritik, weil sie Herz-Kreislauf Erkrankungen fördern. Aber nicht nur das. Sie haben offenbar auch Einfluss auf unsere Stimmung. Eine Untersuchung an mehr als 12.000 Spaniern zeigte, dass Transfette nicht nur ungesund sind, sondern auch depressiv machen können.

Wer kennt schon Transfette?

Ein Korb voller Süßigkeiten, Kekse und Schokoriegeln

Von wegen Nervennahrung: das meiste Naschwerk enthält Fette, die die Gesundheit schaden.

Die Besucher des Mainzer Wochenmarktes sind verwirrt. Dabei wollen wir nur wissen, ob sie schon mal den Begriff „Transfette“ gehört haben. Zwar ist einigen klar, dass Transfette irgendetwas mit Fetten zu tun haben, doch was sie genau sind, scheint unbekannt. Dabei ist die Antwort recht einfach: Transfette sind künstliche Fette, die bei der Härtung pflanzlicher Fette entstehen bzw. entstehen können. Sie stecken vor allem in industriell hergestellten Lebensmitteln, zum Beispiel in Keksen, Gebäck, Speiseeis, Schokoriegeln, Snacks, Margarine. Eben immer da, wo gehärtete pflanzliche Fette eingesetzt werden.

Transfette müssen nicht gekennzeichnet werden

Transfette werden nicht als Inhaltstoffe ausgewiesen. Einzige Spur auf den Verpackungen ist oft nur der Hinweis auf „pflanzliches Fett“ in der Zutatenliste. Man kann also nur raten, ob das Lebensmittel Transfette enthält oder nicht. Ein Zustand, über den sich der spanische Epidemiologe Prof. Miguel Martínez-Gonzalez von der Universität Navarra ganz schön aufregen kann: „Ich verstehe nicht, warum die Europäische Union die Hersteller nicht verpflichtet, den Gehalt an Transfetten zu kennzeichnen. Für keine andere Zutat haben wir mehr Erkenntnisse, dass sie der Gesundheit schadet.“ Der Spanier ist nicht ohne Grund sauer. Neben Herz-Kreislauferkrankungen sollen Transfette auch an Übergewicht schuld sein. Doch damit nicht genug.

Eine Studie über Essgewohnheiten

Zahlreiche Maßbänder und Fragebögen liegen auf einem Tisch

Nahrung für Körper und Seele: In der spanischen Studie wurden die Teilnehmer nach ihrer seelischen Verfassung befragt.

Prof. Miguel Martinez-Gonzalez und seine Kollegen analysieren seit 1999 in der so genannten SUN-Studie die Essgewohnheiten ihrer Landsleute. Dabei stießen sie auf eine bisher unbekannte Nebenwirkung von Transfetten. Eigentlich wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob die traditionelle Küche wirklich gesünder ist, als die Ernährung mit industriell hergestellten Lebensmitteln, in der auch Transfette vorkommen. Ein wichtiger Grund für die Studie war, dass in Spanien immer seltener traditionell mediterran gegessen wird, also Olivenöl, häufig Fisch und frische Speisen. Der Präventivmediziner aus Pamplona hat seinen Landsleuten also in die Kochtöpfe geschaut: „Wenn wir die allgemeine Gesundheit verbessern wollen, dann müssen wir uns die Essgewohnheiten der Menschen ganz genau anschauen, denn die sind eine sehr wichtige Grundlage für die Gesundheit. Wir müssen über einen sehr langen Zeitraum analysieren, was die Menschen essen, und wie es ihnen geht.“ In den Fragebögen der SUN-Studie wurden die Menschen nicht nur nach ihren Essgewohnheiten und ihrer körperlichen Gesundheit befragt, sondern auch nach ihrer seelischen Verfassung.

Transfette und Depressionen

Mehrere Behälter mit eingelegten Oliven in  verschiedenen Sorten

Schutz vor Depressionen: Die traditionelle mediterrane Küche fördert die Lebenslust.

Die Statistiker konnten nicht nur Zusammenhänge zwischen Übergewicht, Kreislauferkrankungen und dem Verzehr von Transfetten nachweisen, sie machten auch eine überraschende Entdeckung, so Prof. Miguel Martinez-Gonzales: „Wer sich mediterran ernährt, hat ein geringeres Risiko an Depression zu erkranken. Das ist eine völlig neue Entdeckung. Niemand hatte bisher gedacht, dass die Essgewohnheiten etwas mit psychischen Krankheiten zu tun haben.“ Dank der großen Datenlage aus über 20.000 Probanden sind die Wissenschaftler überzeugt: Die Gruppe, die sich traditionell ernährt hat, also frisch zubereitetes Obst, Gemüse und Fisch isst und Olivenöl als zusätzliche Fettquelle nutzt, ist psychisch stabiler. Die Gruppe dagegen, die eher zu Fast Food, Snacks und Süßigkeiten greift, geht ein großes Risiko ein, an Depressionen zu erkranken. Denn bei diesen Probanden gab es fünf Prozent Depressionsfälle, die auf den Genuss von Transfetten zurückzuführen sind.

Gutes und schlechtes Fett

Die Erklärung des Wissenschaftlers ist einfach: „Wir sind, was wir essen, das ist sehr wichtig. Unser Nervensystem besteht aus einer Menge Fett. Besonders die Membranen der Neuronen sind aus Fett. Wenn also die Zellmembranen der Nervenzellen aus gutem Fett sind, dann arbeiten sie besser.“ Transfette seien eben schlechtes Fett. Da sie künstlich hergestellt würden und in der Natur nicht vorkämen, seien sie für den Menschen nicht geeignet. Dumm nur, dass niemand einem sagt, wo Transfette drin sind oder eben nicht. Dumm ist auch, dass die verdächtigen Lebensmittel besonders lecker sind. Was also tun? Prof. Miguel Martínez-Gonzalez predigt Verzicht: „Es ist das Gleiche, wie mit dem Rauchen. Sie müssen es sein lassen. Es ist eine Angewohnheit. Sie aufzugeben ist nicht leicht, aber es klappt. Weniger Menschen rauchen! Wir können uns ändern und das braucht eben Willenskraft.“ Eine Willenskraft, wie sie offenbar auf dem Mainzer Wochenmarkt schon zu finden ist. Schließlich wollte kaum jemand aus dem SWR-Körbchen mit Leckereien naschen.