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SENDETERMIN Do, 14.6.2007 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Weltrekord im Einhandsegeln Weltumseglung - in 72 Tagen um die Welt

Ellen McArthur hat sich einen Traum erfüllt und dabei sogar Phileas Fogg aus Jules Vernes Roman geschlagen: 71 Tage und 14 Stunden brauchte sie, um mit ihrem Boot nonstop die Welt zu umrunden - ganz allein. Damit hält sie den Weltrekord im sogenannten Einhandsegeln. Die junge Britin ist ein Ausnahmetalent. Ihre erste kleine Jolle namens Threepenny Bit hat sie sich angeblich bereits mit 13 Jahren gekauft - und zwar vom Geld fürs Schulessen, das sie sich über Jahre hinweg zurückgelegt hatte. Seither hat sie kaum eine Herausforderung im Segelsport ausgelassen. Ein Rückblick auf den bisherigen Höhepunkt, die Weltumseglung.

Ellen McArthurs Trimaran

Ellen MacArthurs Trimaran

Mit ihrem Trimaran B&Q pflügt Ellen McArthur quer durch die Ozeane. Tagelange Stürme, Lecks, Reparaturen: Alles meistert die kleine Britin eisern, aber es zehrt an ihr. Über E-Mail und Satellitentelefon bekommt sie Ansagen für ihren weiteren Kurs, denn alles dreht sich alleine darum, am schnellsten um die Welt zu segeln.

Die passende Route dazu sucht ihr der Meteorologe Dr. Meeno Schrader zusammen mit einem amerikanischen Wetter-Team. Ellen braucht Support rund um die Uhr: Alle sechs Stunden eine exakte Wetteranalyse und einen konkreten Vorschlag für ihren Kurs.

Ein Sturm bedroht das gesamte Unternehmen

Wenige Tage vor Ellens Ankunft herrscht bei dem Meteorologen hektische Stimmung: Ein starker Sturm bedroht das gesamte Unternehmen, die Amerikaner drängen auf Schraders Einschätzung. Die lautet: "Wir sind jetzt schon am Ende einer langen Reise, alles Material ist müde. Das Schlimmste, was jetzt passieren kann, ist, dass dieser Sturm noch reinkommt, und er kommt rein. Und, dass sich ein Bruch ergibt, ein Segel reißt. Die Katastrophe kann noch kommen, und sie kann heftig kommen. Es kommt darauf an, das Schiff sicher ins Ziel zu bringen."

Jeden Morgen analysiert der Meteorologe die Vorhersagen verschiedener Wetterdienste aus den USA und Europa. Jede Prognose sieht den Sturm unterschiedlich, jedes Modell hatte seine eigenen typischen Stärken aber auch Schwächen. Neben dem drohenden Sturm behält Schrader auch vermeintliche Nebensächlichkeiten genau im Auge: "Wie kommen die Wellen herein und natürlich die Wellenhöhe, wie steil sind sie, wie ist die Laufrichtung? Spielen sie bevorteilend oder benachteilend? Aber es kommen noch andere Faktoren an Bord dazu: Wie ist der Zustand des Schiffes? Welche Segel stehen zur Auswahl? Vielleicht gibt es Segel, die nicht mehr benutzt werden können?

Wieder und wieder verschafft er sich am Rechner den Überblick: Sein Routenprogramm schlägt ihm zwei verschiedene "schnellste" Wege vor. Schrader vergleicht, er muss sich jetzt festlegen, die Zeit läuft.

Er rät Ellen, weiter nach Norden zu segeln. Sie soll ihr Tempo etwas drosseln, um nicht die geballte Wucht des Sturmes ab zu bekommen. Die Vorschläge werden zwar von den Wissenschaftlern gemacht, die Entscheidung aber fällt Ellen McArthur.

"Es gibt keine Reserven mehr"

Die ist schwer angeschlagen. Am 4. Februar schreibt sie eine E-Mail an ihr Team: "Dieser Trip hat mir alles abverlangt, was ich hatte... Bitte beachtet, dass es hier KEINE Reserven mehr gibt.

"Schlafmangel ist eins ihrer Hauptprobleme. Dazu kommen Windböen in Orkanstärke. Bis zu sieben Meter hohe Wellen krachen gegen das Boot und rütteln es ständig durch. Unberechenbare, stundenlange Reparaturen lassen regelmäßigen Schlaf nicht zu.

Ellen MacArthur hat sich antrainiert, immer nur 10, 20 oder 30 Minuten am Stück zu schlafen. Das Entscheidende: Sie entspannt sich sehr schnell und fällt schon nach vier oder fünf Minuten in einen erholsamen Schlaf.

Wie funktioniert das? Der Schlafforscher Dr. Holger Hein betreut auch Extremsegler. Er bestätigt: sobald sich Ellen Mac Arthur zur Ruhe legt, durchläuft sie alle für sie wichtigen Phasen: Tiefschlaf und Traumschlaf. Dazu erklärt der Schlafforscher: "Normalerweise würde man während der Nacht in etwa 90-Minuten-Abständen alle Schlafphasen durchlaufen. Das geht bei Ellen MacArthur natürlich nicht. Sie schläft in Teilabschnitten und muss die Schlafstadien auf mehrere Abschnitte verteilen."

Schlafphasen sind elementar wichtig

Beide Stadien sind elementar wichtig für Ellen, so Holger Hein: "Sie braucht einerseits Tiefschlafphasen, um aktuelle Ereignisse, wie Wetteränderungen oder Probleme mit dem Schiff, aktuell verarbeiten zu können. Dazu braucht sie Tiefschlaf. Wenn es mehr um Handlungen geht, Reparaturen oder Segelstellungsänderungen, dann braucht sie auch den Traumschlaf. Der sieht anders aus, beim Traumschlaf sehen wir die schnellen Augenbewegungen als besonderes Kennzeichen dafür."

Über weite Strecken des Rennens bleiben Ellen nur etwa drei Stunden Schlaf pro Tag. Um Kap Horn wird es lebensgefährlich: tückische Eisberge und ein böiger Sturm erlauben über mehrere Tage keine Pause. "Die Folgen sind dann natürlich Unkonzentriertheit - man schätzt Situationen selber nicht mehr richtig ein oder man kriegt Halluzinationen, dass man Dinge sieht, die gar nicht da sind. Oder Dinge übersieht, die vorhanden sind", erklärt der Schlafforscher.

Trotzdem sind weder der Schlafentzug noch die körperliche Anstrengung das Härteste. Entscheidender ist die Psyche. Eine totale Flaute im Südatlantik über fast eine Woche zwingt Ellen fast in die Knie: "Nicht nur, dass es so ein Kampf war, den Südatlantik hochzukommen. Aber jetzt, hier so zu sitzen, komplett ohne Wind, das tut sooo weh." In solchen Situationen helfen Gespräche mit dem Router-Team. Die Meteorologen werden so zu Seelsorgern und echten Freunden.

aus der Sendung vom

Do, 14.6.2007 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.