Porträtbild Andrea Palladio

* 1508 † 1580

Über sein Leben weiß man kaum etwas, nicht einmal sein genaues Geburtsdatum ist bekannt: Andrea Palladio, Architekt opulenter Villen und einer der wichtigsten Trendscouts der Architektur. Zu seinem 500. Geburtstag wurde er in einem Artikel der „Badischen Zeitung“ sogar als Erfinder des Weißen Hauses gehandelt – und das, obwohl zwischen seinem Todestag und dem Bau des Weißen Hauses in Washington doch einige Jahrhunderte liegen.

Palladio gilt als einer der am häufigsten imitierten Architekten. Manche Kunstexperten vermuten, dass sogar der Kühlergrill des Rolls Royce von ihm inspiriert ist. Und so lehnte sich auch der Siegerentwurf für das Weiße Haus, eingereicht von Architekt James Hoban, stark an Palladio an.

Der Palladianismus

Berühmt ist besonders seine Villa Rotonda am Stadtrand von Vincenza in Norditalien, die äußerlich einem antiken Tempel mit vier Tempeltoren in jede Himmelsrichtung ähnelt. Architektonisch war sie für die damalige Zeit eine Offenbarung und löste zuerst in England und den Niederlanden, später auch in Amerika, Russland und Skandinavien eine regelrechte Bau-Mode, den so genannten Palladianismus, aus: Jeder, der es sich leisten konnte und etwas auf sich hielt, baute im Villenstil Palladios.

Villa Rotonda

Die Villa Rotonda

Für den Typ „Villa“ hatte Palladio ein grundlegendes geometrisches Skelett entwickelt. Denn wie bei allen Renaissance-Architekten basieren auch bei ihm Entwurf und Grundriss auf Geometrie und Symmetrie. Dieses ideale Skelett passte er so klar und einfach wie möglich den Anforderungen jedes einzelnen Auftrags an.

Palladio konnte aber nicht nur tolle Villen bauen. Auch im Kirchenbau beschritt er Neuland. So erhielt er 1549 den Auftrag der Stadt Vicenza, die mittelalterliche Basilika, den Palazzo della Ragione, umzubauen. Für diesen Auftrag ordnete er klassische Elemente wie Wände, Säulen und Bogen vollkommen neu an. Bis heute bestimmt die Basilika den Mittelpunkt von Vicenza.

Drei Fakten:

  • Andrea Palladio hieß bei seiner Geburt Andrea di Pietro della Gondola und wurde später von Freunden Palladio genannt, nach Pallas, der Göttin der Kunst und Weisheit.
  • Sein Markenzeichen ist das „venezianische Fenster“, genannt „Palladio-Motiv“: eine dreigeteilte Fenster- oder Türöffnung, bei der der größere mittlere Teil von einem Bogen überwölbt ist. Die seitlichen Öffnungen sind schmaler und niedriger und häufig durch Säulen vom Mittelteil abgegrenzt.
  • Zwischen 1537 und 1569 erbaute er 20 Villen.