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SENDETERMIN Mi, 6.1.2010 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Thema 7 Orientierung bei Mann und Frau

Wenn es bei Männern und Frauen um Orientierung geht, ist Streit vorprogrammiert. Ob Karte lesen im Auto, Wegbeschreibung für Fremde, Ortskenntnis in einer großen Stadt, das Auto im Parkhaus wiederfinden - kein Thema birgt soviel Konfliktpotential wie die Frage nach dem richtigen Weg. Für „Die große Show der Naturwunder“ haben wir ein großes Experiment gemacht, um der uralten Frage wissenschaftlich auf den Grund zu gehen: Wer kann sich besser orientieren – Männer oder Frauen?

Mit Unterstützung von Dr. Bernhard Fink, Evolutionsbiologe aus Göttingen, wurde die Orientierungsfähigkeit von 40 Probanden untersucht. Im Dünnwald bei Köln mussten Männer und Frauen eine 1,5km lange Strecke quer durch den Wald zurücklegen, wobei sie ein Ortskundiger führte. An mehreren über die Strecke verteilten Punkten sollten sie zeigen, aus welcher Richtung sie gestartet waren. Das Ergebnis: Frauen verfehlten den tatsächlichen Startpunkt stärker als Männer. Im Durchschnitt wichen die Damen auf unserer Skala um ca. 10 Punkte vom richtigen Punkt ab, die Männer nur knapp 6 Punkte.


Zusätzlich gaben unsere Versuchspersonen eine Wegbeschreibung der von ihnen zurückgelegten Strecke ab. Hier gab es eine interessante Tendenz: Während die Männer ihren Weg mit Meterangaben und Himmelsrichtungen beschrieben, erwähnten die Frauen auffällige Wegmerkmale. Sie verwiesen auf Bachläufe und Brücken, statt Distanzen zur Hilfe zu nehmen.

Diese Erkenntnisse interpretiert Dr. Fink folgendermaßen: Die Tendenz bei Frauen, sich auf so genannte Landmarken zu konzentrieren und die der Männer, Wege mit Distanzen zu beschreiben, hat sich im Laufe der Evolution entwickelt. Bei den Vorfahren des Menschen waren die Rollen klar verteilt – Männer gingen auf die Jagd, um das Überleben zu sichern. Auf der Suche nach Fleisch erkundeten sie weite Jagdgebiete und mussten gelegentlich vor Raubtieren fliehen. Dadurch entwickelte sich die Fähigkeit, Distanzen gut einzuschätzen und diese Angaben für sich zu nutzen. Frauen blieben im Lager und machten sich eher in der nahen Umgebung auf die Suche nach Essbarem. Dabei blieben ihnen mehr Details im Gedächtnis – diese nutzten sie, um sich beispielsweise besonders gute Beerenstellen zu merken.

Die vorgegebene Waldstrecke kam den Männern besonders zu Gute – sie sind einfach besser, wenn es darum geht, sich in großen Gebieten richtig zu orientieren. Ist aber eine detaillierte Sicht auf die Umgebung gefragt, sind Frauen besser dran. So liegen Missverständnisse zwischen Mann und Frau also in der Natur der Sache, aber eigentlich ergänzen wir uns einfach perfekt!

aus der Sendung vom

Mi, 6.1.2010 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen

Mann schaut auf Testbild

Sendetermine

19. Mai 2018, 20:15 Uhr, HR
(Sendung vom 26. Mai 2016)