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SENDETERMIN Sa, 17.3.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Thema 6 Bologneser Tränen - Ein Hammer Experminent

Glas wird von Menschen vermutlich seit über 3.500 Jahren hergestellt. Das älteste überlieferte Rezept zur Glasherstellung ist aus dem Jahr 640 v.Chr. Es enthält diese drei Zutaten: 60 Teile Sand, 180 Teile Pottasche und 5 Teile Kalk. Im Prinzip wird auch heute noch Glas mit den gleichen Zutaten hergestellt. Schon immer wurde mit Glas experimentiert und im Mittelalter wurde die so genannte Bologneser Träne wahrscheinlich zufällig entdeckt. Das ist ein Glasobjekt mit ganz speziellen Eigenschaften. 

Bologneser Tränen erhält man, wenn man flüssiges Glas in kaltes Wasser tropfen lässt. Da das flüssige Glas sofort erhärtet, entsteht ein Objekt in Form einer Träne. Das Besondere an der so genannten Bologneser Träne ist nun, dass sie außergewöhnlich stabil und höchst fragil zugleich ist. Wie kann das sein? Da die Außenseite des Glastropfens im kalten Wasser viel schneller abkühlt als das Innere, entsteht außen eine Druckspannung und innen eine Zugspannung. Glas hat nämlich die Eigenschaft beim Abkühlen zu schrumpfen und Glas, das langsamer abkühlt (innen) schrumpft stärker als Glas das schnell abkühlt (außen).

Die Bologneser Träne ist sehr stabil an ihrem dicken Ende. Man kann mit einem Hammer fest auf die Träne schlagen ohne dass sie kaputt geht. Wenn man jedoch das dünne Ende der Träne abbricht, wird die fragile Struktur beschädigt und bricht wie ein Kartenhaus blitzschnell in sich zusammen. Die Träne implodiert mit einer unglaublich hohen Geschwindigkeit und zerspringt zu Glasstaub. In der Show ist dieser beeindruckende Vorgang als Superzeitlupe zu sehen. 

Dasselbe Prinzip der Bologneser Träne kommt auch bei heutigem Glas zum Einsatz. Das sogenannte Einscheibensicherheitsglas wird ebenfalls stark erhitz und dann sehr rasch abgekühlt. Dadurch entstehen ähnlich Spannungszustände wie in unserer Träne.

Das Glas ist sehr stabil, aber wenn die Struktur verletzt wird, zerfällt es in tausende kleine Glaskrümel. Diese kleinen Glasteile sind weniger scharf, so dass sich eine mögliche Verletzungsgefahr deutlich verringert.

Dieses Einscheibensicherheitsglas findet man zum Beispiel bei Duschkabinen oder Glastüren aber auch bei Seitenscheiben im Auto. Deswegen sollte man auch immer einen Nothammer im Auto mit sich führen, um im Ernstfall die Scheibe einfach einschlagen zu können und sich so gefahrlos aus dem Auto befreien zu können.

Im Gegensatz dazu sind Windschutzscheiben bei Autos aus Verbundglas hergestellt. Ebenfalls ein Sicherheitsglas, das aber nach einem anderen Prinzip funktioniert. Hier werden zwei Scheiben mit einer Folie dazwischen verklebt. Diese Folie hält die Scheibe auch bei starker Beschädigung noch zusammen, so dass einem bei einem Unfall, keine Glassplitter ins Gesicht fliegen. Ranga Yogeshwar demonstriert diese unterschiedliche Haltbarkeit in der Show sehr eindrücklich, in dem er die Scheiben eines echten Autos unter anderem mit einem Vorschlaghammer bearbeitet.

aus der Sendung vom

Sa, 17.3.2018 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen

Mann schaut auf Testbild

Sendetermine

19. Mai 2018, 20:15 Uhr, HR
(Sendung vom 26. Mai 2016)