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SENDETERMIN Sa, 13.1.2018 | 21:50 Uhr | SWR Fernsehen

Thema 5 Spinnenseide

Kaum eine Tierart löst bei Menschen wohl so viel Emotionen aus wie - die Spinne. Dabei produziert die Spinne etwas ganz Besonderes: Seide, also Spinnennetze. Es gibt mehr als 35.000 Arten, die Netze produzieren. Und so unterschiedlich die Spinnen, so unterschiedlich und besonders sind auch die Bauarten der Netze und die Eigenschaften der Spinnenseide.

Besondere Eigenschaften

Im Vergleich ist Spinnenseide viermal so belastbar wie Stahl und auch extrem flexibel – man kann sie zum Beispiel auf die dreifache Länge dehnen ohne dass sie zerreißt. Aber für die Mediziner sind noch weitere Aspekte interessant. Auf der Spinnenseide können sich keine Bakterien niederlassen oder vermehren. Man kennt dass, wenn sie mal im Keller oder auf dem Dachboden von alten Häuser war, wo lange nicht sauber gemacht wurde. Dort hängen Spinnennetze, die wahrscheinlich schon Jahre alt sind und oft auch verstaubt. Aber sie sind eben nicht verschimmelt.

Einsatz in der Medizin

Zu Gast in der großen Show der Naturwunder ist der Experte Prof. Dr. Scheibel von der Universität Würzburg. Er forscht mit seinem Team am Einsatz von Spinnenseide bei Brustimplantaten. Generell ist bei allen Implantaten das Problem, dass der Körper diese als Fremd erkennt und es Abstoßreaktionen gibt. Das gilt auch bei Brustimplantaten. Um die Implantate bildet sich in der Regel eine Kapsel aus Narbengewebe. Diese kann sich verhärten und zusammenziehen, was dann eine schmerzhafte Entzündungsreaktion nach sich zieht. Meist ist die Folge eine erneute Operation, bei der das Implantat ausgetauscht werden muss. Besonders bei Frauen, die nach einer Tumorbehandlung eine Brustrekonstruktion benötigten, ist diese so genannte Kapselfibrose eine enorme körperliche und seelische Belastung. Erste vorklinische Tests haben ergeben, dass Spinnenseide die Bildung des Narbengewebes verringert. Das körpereigene Gewebe toleriert die Spinnenseidenbeschichtung viel besser als eine nicht beschichtete Silikon-Oberfläche. Weil die Hülle aus Spinnenproteinen nur höchstens ein bis fünf Tausendstel Millimeter dick ist, bleiben außerdem die Funktion und die chirurgische Handhabbarkeit des Implantats vollständig erhalten.

Künstliche Spinnenseide

Für klinische Tests, also für Tests an Menschen ist natürliche Spinnenseide als tierisches Produkt nicht zugelassen. Dem Team von Prof. Scheibel ist es gelungen Spinnenseide künstlich herzustellen, auf Basis von Proteinen der echten Spinnenseide. Ein wichtiger Schritt, denn so können jetzt auch klinische Tests angegangen werden, um das, was wir im Labor herausgefunden wurde, auch im menschlichen Körper zu überprüfen.

Die Zukunftsvision:

Mit der Bio-Spinnenseide ist es denkbar Zellstrukturen zu züchten, die kaputtes Herzmuskelgewebe ersetzen, das nach einem Herzinfarkt abstirbt und sich nicht selbst erneuern kann. Und auch im Hinblick auf die Reparatur zerstörter Nervenbahnen oder verbrannte Hautpartien zeichnen sich hochinteressante Möglichkeiten ab. Hier stehen die Forschungen aber noch am Anfang.

aus der Sendung vom

Sa, 13.1.2018 | 21:50 Uhr

SWR Fernsehen

Mann schaut auf Testbild

Sendetermine

19. Mai 2018, 20:15 Uhr, HR
(Sendung vom 26. Mai 2016)