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SENDETERMIN Sa, 20.4.2019 | 9:45 Uhr | SWR Fernsehen

Thema 5 Autonomes Fahren – vom Traum und Alptraum einer nahen Zukunftsvision

2017: Der Weg in die automobile Zukunft ist frei für autonom fahrende Fahrzeuge. Anfang des Jahres hat die Bundesregierung Regelungen für selbstfahrende Autos auf den Weg gebracht. Kern des Gesetzes ist die rechtliche Gleichstellung von menschlichem Fahrer und Computer. Die drängendsten Fragen sind damit aber nicht beantwortet:


Welche Folgen könnten automatisierte Fahrmanöver haben? Wie steht es um die ethischen Aspekte, wenn ein Computer im Auto für Gefahrensituationen programmiert wird und somit für den Fahrer entscheiden soll? Was passiert wenn plötzlich ein Mensch auf die Straße läuft? Greift der Mensch selbst ein oder lässt er das Fahrzeug entscheiden? Wenn ja, wie soll es entscheiden? Gegen die Mauer fahren und mein eigenes Leben gefährden oder im Zweifel lieber Verletzungen oder gar Lebensgefahr für andere in Kauf nehmen? Und wer haftet für die Folgen? Gibt es überhaupt eine endgültige Antwort auf diese Fragen?


Diese komplexen Themen erforscht Prof. Dr. Andreas Riener im Fachbereich „Human Machine Interface and Virtual Reality“ an der Technischen Hochschule in Ingolstadt zusammen mit seinen Doktoranden. Antoine Monot besuchte für „Die große Show der Naturwunder“ die Forschungsgruppe und nahm als Proband exemplarisch an zwei Studien teil, die die Gruppe in einem speziellen Fahrsimulator durchgeführt hatten.


1. Take-over: Bei diesem Versuch wird die Übernahmezeit gemessen, die Antoine braucht, um in einer Gefahrensituation, die das Auto durch ein Warnsignal meldet, das Auto wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Während der automatisierten Fahrt sollte Antoine eine Zeitung lesen.

2. Ethik: Hier wird Antoine mit einer Gefahrensituation konfrontiert, in der er entscheiden muss, ob sein Auto gegen ein stehendes Auto fahren soll und somit sein eigenes Leben zu 50 Prozent gefährden würde oder ob das Auto das Leben des Menschen links neben dem Auto gefährdet und Antoine unverletzt bleibt.


Das Take-over endet bei Antoine mit einer Fahrt gegen eine Mauer. Ein Szenario, dass deutlich zeigt, dass unabhängig von vermeintlich rechtzeitigen Warnsignalen ein Take-over alles andere als glimpflich ausgehen kann. Aus diversen Studien, die weltweit dazu durchgeführt wurden, können bisher folgende Schlüsse gezogen werden: Die notwendige Übernahmezeit hängt sehr stark von der Tätigkeit ab. Der Zeitbereich liegt, abhängig von der Tätigkeit, zwischen etwa 2 und 26 Sekunden. Zusätzlich wird die Übernahmezeit von Alter, Geschlecht, physiologischem Zustand und vielen weiteren Bedingungen beeinflusst. Eine mittlere Übernahmezeit von etwa 10 Sekunden, wie häufig aus Studien heraus vorgeschlagen, ist nicht zielführend.


Beim Ethik-Versuch entscheidet sich Antoine für die 50 prozentige Überlebenschance. Damit hat er sich wie 80 Prozent der Probanden entschieden. Er merkt aber an, dass er die Aussage auch getroffen hat, weil ihm bewusst war, dass er sich in einer virtuellen und somit künstlichen Gefahrensituation befindet.


Die Zukunft des autonomen Fahrens ist technisch schon in der Gegenwart angekommen, aus ethischen Gesichtspunkten aber noch lange nicht. Nur wenn Regierungen, Verbraucherschutz, Wissenschaftler und die Industrie eng zusammenarbeiten, gibt es eine Chance die drängenden Fragen zu beantworten. Bis dahin liegt die Verantwortung beim Menschen.

aus der Sendung vom

Sa, 20.4.2019 | 9:45 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendetermine

19. Mai 2018, 20:15 Uhr, HR
(Sendung vom 26. Mai 2016)