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SENDETERMIN Sa, 17.3.2018 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Thema 4 Mensch gegen Robbe

Olympiaheld Andreas Toba stellt sich für „Die große Show der Naturwunder“ einer außergewöhnlichen Challenge: Im Marine Science Center, einem Forschungsschiff der Universität Rostock, trifft er auf Seehunde, mit denen sich der Turner einen ungewöhnlichen Wettkampf liefert, um die beeindruckenden Orientierungsleistungen von Robben zu verstehen.

Es gibt Satellitenaufnahmen von Robben, die zeigen, dass die Tiere zielgerichtet über Hunderte von Kilometern von ihren Schlafplätzen zu ihren Futtergründen schwimmen. Das ist bemerkenswert. Denn die Tiere legen diese Strecke auch unter Einfluss einer erhöhten Trübung des Gewässers, unter Schiffslärm und bei Sturm zurück. Die Forscher im Marine Science Center gehen davon aus, dass Robben unter diesen genannten Faktoren eine Orientierung über die klassischen Sinnessysteme (Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Sehen) nicht bewerkstelligen können. Sie vermuten, dass die Tiere sich Strecken- und Zeitintervalle merken und diese zu einer Art Karte zusammenfügen, um von A nach B zu gelangen – ein inneres Navigationssystem quasi.

Um das zu veranschaulichen macht Andreas Toba bei zwei Versuchsreihen mit, die die Robben auch absolvieren. Die Versuchsleiter sind Eric Maaß und Tamara Heinrich, zwei Doktoranden, die diese Experimente mit den Tieren durchführen und ihre Ergebnisse in ihren Doktorarbeiten präsentieren.

 

1. Distanzabschätzung: Andreas Toba versus Seehund Nick

In einem Wasserbecken ist ein Gurt gespannt, an dem zwei bewegliche gelbe Bälle eine beliebige Distanz vorgeben. Die Aufgabe von Seehund Nick und Andreas ist es, bis zum ersten Bällchen zu schwimmen. Ab da sollen sie sich „merken“ oder „spüren“ wie lange sie bis zum zweiten Bällchen brauchen. Ab dem zweiten Bällchen sollen sie diese Distanz möglichst genau nachschwimmen und anhalten, wenn sie denken, dass sie exakt diese Distanz zurückgelegt haben. 

In dem Versuch ist eine Distanz von 3 Metern vorgegeben, die es gilt nachzuschwimmen. Andreas Toba hält nach 2,70 Meter an. Seehund Nick stoppt nach exakt 3 Metern. In vorherigen Experimenten konnte gezeigt werden, dass das Tier in der Lage ist, eine Distanz von 5 Metern unabhängig der Position der Bällchen und äußerer Verhältnismäßigkeiten abzuschätzen. Das Verhalten des Tieres lässt darauf schließen, dass es die Aufgabe über Eigenmotorik löst, weil es immer denselben motorischen Ablauf zeigt. 

2. Zeitsinn-Experiment: Andreas Toba versus Seehund Luca 

In einer Dunkelkammer bekommen Andreas und Luca per Monitor zwei optische Reize in Form eines weißen Lichtpunktes gezeigt. Wenn sie einen kurzen Lichtpunkt von 0,8 Sekunden sehen, stupst Luca mit der Schnauze an ein linkes gelbes Bällchen, Andreas Toba hebt seine linke Hand. Sehen sie einen längeren Lichtpunkt als die 0,8 Sekunden, dann stupst Luca rechts bzw. hebt Andreas seine rechte Hand. Der längere Lichtpunkt wird in seiner Dauer im Verlauf des Versuchs dem kurzen Punkt (immer mehr) angeglichen bis die Punkte sich in ihrer Dauer nur noch Millisekunden unterscheiden.

Andreas Toba konnte noch einen Zeitunterschied von 200 Millisekunden unterscheiden. Das sind 0,2 Sekunden. Seehund Luca ist in der Lage 0,08 Sekunden Unterschied wahrzunehmen. Also 80 Millisekunden. 

Die Forschungsergebnisse zeigen: Eine Robbe hat einen erstaunlichen Zeitsinn und die Fähigkeit Distanzen abzuschätzen, um sich durch die Ozeane zu navigieren – unabhängig von den klassischen Sinnessystemen wie das Sehen oder Hören. Mit den nachgewiesenen intrinsischen Sinnessystemen greifen Robben also auf Informationen aus ihrer Eigenbewegung und ihrem Zeitsinn zurück.

aus der Sendung vom

Sa, 17.3.2018 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen

Mann schaut auf Testbild

Sendetermine

19. Mai 2018, 20:15 Uhr, HR
(Sendung vom 26. Mai 2016)